TV-Kuppelshow

Hinter den Kulissen von «Bauer, ledig, sucht...» erzählt sich eine andere Geschichte

Bauer Ledig Sucht mit Solothurnerinnen

«Bauer, Ledig, Sucht...» mit zwei Solothurnerinnen: Die Egerkingerin Stella lernt den Bauern Reto aus dem Aargau kennen. Sie backen und versuchen sich im Bogenschiessen. Bei einem Gespräch im Garten jedoch, räumen sie ihre Differenzen ein. Die Solothurnerin Steffi trifft sich mit Berner Bauer Hämpu. Bei einem Kaffee am Morgen teilt sie ihm mit, dass sie das nicht kann und verlässt den Hof.

Die vergangene «Bauer, ledig, sucht…»-Sendung verlief für die beiden Solothurner Teilnehmerinnen nicht wie erwartet. Nach kurzer Zeit war für sie Schluss. Wir haben die beiden Frauen daher gefragt, warum sie überhaupt teilgenommen haben, ob die Begegnung wirklich so schlimm war und wie gut man tatsächlich jemanden vor laufenden Kameras kennenlernen kann.

Stella will ihre Freiheit nicht aufgeben, Steffi spürt keine Funken: Die Solothurner Kandidatinnen von «Bauer, ledig, sucht…» verpassten ihren hoffnungsvollen Bauern in der am Donnerstag ausgestrahlten Folge des Privatsenders 3+ bereits nach einer kurzen Zeit einen schwerverdaulichen Korb. Stella verlässt den Hof von Aargauer Reto nach nur drei Tagen und Steffi gibt dem Berner Hämpu sogar nur eine Nacht, um sich ihr zu beweisen.

So endet für die beiden Frauen der Fernsehtrubel, bevor er wirklich begonnen hat. Das ist natürlich frustrierend für diejenigen, die Hoffnung in diese Begegnung gesetzt haben. Aber auch für die Leute, die sich vor ihren Fernsehbildschirmen einige Minuten Unterhaltung auf Kosten der «Privatsphäre» der Teilnehmer erhofften. Aber am Donnerstag Abend knisterte es so gar nicht. In den beiden Begegnungen zwischen Stella und Reto sowie Steffi und Hämpu kam keine Dynamik auf. Die Gespräche waren bedrückend. Das wurde mit dem Schnitt der Sendung weiter hervorgehoben. Ohne die Möglichkeit, hinter die Kulissen blicken zu können, stellten sich einem als Zuschauer daher unweigerlich folgende Fragen: Warum haben die beiden Damen teilgenommen? Ist vielleicht sogar alles gestellt? Wir haben sie direkt gefragt.

Angemeldet hat sich keine der Kandidatinnen aus Eigeninitiative. Stella beispielsweise wurde vom Privatsender über ihr Instagram-Profil angeschrieben und erhielt eine Anfrage mit dem Bewerbungsvideo vom Bauern Reto. Sie sei grundsätzlich nicht abgeneigt gewesen, sowohl von ihm als auch von der Idee, in der Sendung mitzumachen, sagt die 31-jährige Egerkingerin auf Anfrage dieser Zeitung. «Ich habe schon immer geritten und musste regelmässig 13 Pferde misten. Ein Leben auf dem Hof kann ich mir daher sehr gut vorstellen.» So habe sie zugesagt, liess auch dem Bauern Reto ihre Bewerbung zukommen. Sie habe sich dabei aber keine grossen Hoffnungen gemacht. «Ich wollte mich einfach von ihm überraschen lassen.»

Auch die Solothurnerin Steffi wurde von «3+» direkt angefragt worden. «Ich bin seit drei Jahren alleinstehend», erklärt die 31-Jährige ihre Teilnahme am Telefon. «Ich wollte einfach jemand ganz Neues kennenlernen und Hämpu war mir sympathisch.»

Gescheiterte Beziehungsversuche

Für die Gründe des Scheiterns der Begegnungen nennen beide dieselben Stichworte wie auch schon in der Sendung. «Reto konnte nicht nachvollziehen, was ich alles für diese Beziehung hätte opfern müssen», sagt Stella. Die Halterin von drei Hunden und Besitzerin eines Coiffeursalons könne sich nicht vorstellen, dies alles zurückzulassen, zumal die beiden ein Weg von rund 50 Autominuten trennt. Sie will aber die sich aufdrängenden Vorurteile, sie sei eine freiheitsliebende «Tussi», die nicht auf dem Hof leben will, nicht auf sich sitzen lassen.

Sie habe diesbezüglich bereits negative Kommentare auf Sozialen Medien erhalten. Sie stellt daher klar: «Ich würde gerne bei einem Bauern leben und ihn im Betrieb unterstützen.» Das sei aber bei Reto so nicht möglich gewesen. Sie sei enttäuscht und zeigt sich daher teilweise kritisch gegenüber ihrer verzerrten Darstellung in der Sendung. «Ich bin durchaus ein freiheitsliebender Mensch, aber das hat nichts mit der Liebe zu tun.» Vielmehr rühre das aus ihren beruflichen sowie zwischenmenschlichen Erfahrungen her. Die Sendung stereotypisiere und alles, was hinter den Kulissen passiert, sei irrelevant.

Doch genau dort hätten sich die beiden dann doch recht gut verstanden und viel gemeinsam lachen können, wie Stella weitererzählt. «Vor den Kameras kann man sich nicht gleich gut  kennenlernen wie im echten Leben.» Bei Gesprächen seien oft Leute aus der Produktion anwesend. «Es fällt einem deshalb nicht ganz so leicht, intensive Gespräche zu führen. Daher kann es passieren, dass die Dialoge manchmal etwas emotionslos daherkommen», sagt sie.

Hinter den Kulissen hätten die beiden jedoch sogar Nummern getauscht und würden sich hin und wieder treffen. «Es hat ihn am Ende der Sendung doch noch etwas mitgenommen», erinnert sich Stella noch an den letzten Drehtag. Mittlerweile habe er sie zu Hause besucht und ihre Hunde kennenlernen dürfen. «Er hat begriffen, was alles für mich auf dem Spiel stand.»

Der Sender hat insistiert

Was in der Unterhaltungssendung zu sehen war, klingt aus dieser Perspektive, die einem selbstverständlich verwehrt bleibt, relativ undramatisch. Doch erklärt es nicht den frühzeitigen Abbruch des Drehs nach nur drei Tagen. Auch das hat seine Erklärung, die vor den Kameras nicht ans Licht kommt: «Ich habe von meinem Arzt kein grünes Licht für die Teilnahme erhalten», sagt die 31-jährige, die sich vor den Dreharbeiten einen schweren Bruch am Fuss geholt hatte. Eigentlich hatte sie den Dreh sogar im Voraus abgesagt, womit das Ganze für sie vom Tisch gewesen sei. Doch «3+» habe mehrmals insistiert und die drei Tage als Kompromiss angeboten.

Für Steffis frühzeitigen Abbruch gäbe es keine simplere Erklärung, als die, die sie bereits vor laufenden Kameras geäussert hatte: Für sie sei keinesfalls mehr als Freundschaft in Frage gekommen. Diese pflege sie auch nach der Sendung noch mit dem Bauern Hämpu. «Ich habe durch die Sendung einen neuen Kollegen gefunden.» Doch habe sie in der kurzen Zeit, in welcher sie auf dem Hof des Berners war, ihn überhaupt kennenlernen können? «Hinter der Kamera hatten wir genug Zeit, miteinander zu reden», sagt sie. Dass die ganze Schweiz bei den Gesprächen vor den Kameras zugehört habe, störe sie ganz und gar nicht. «Ich habe bisher alles versucht. Tinder, Lovoo – es ist nicht einfach einen Partner zu suchen, wenn man noch ein kleines Kind hat», erklärt die Alleinerziehende. (gue)

Diese 14 Solothurnerinnen und Solothurner waren auch bereits bei «Bauer, ledig, sucht...»

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