Windenergie
Hinter den Kulissen des Windparks Schwängimatt wehen heftige Böen

Die Services Industriels de Genève (SIG) haben die REnInvest-Leute aus dem Ennova-Boot geworfen. Jetzt haben sie allein das Sagen - und beanspruchen auch die erste Jurakette für ihr Windenergie-Imperium.

Ueli Wild
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Auch die erste Jurakette in der Region mit der Schwängimatt beanspruchen die Genfer Industriewerke, die bei der Ennova nun allein das Sagen haben, für ihr Windenergie-Imperium.

Auch die erste Jurakette in der Region mit der Schwängimatt beanspruchen die Genfer Industriewerke, die bei der Ennova nun allein das Sagen haben, für ihr Windenergie-Imperium.

Am 14. Mai dieses Jahres veröffentlichten die Services Industriels de Genève (SIG) eine Medienmitteilung, die indirekt auch den im Thal geplanten Windpark Schwängimatt betrifft. Die an der Ennova SA mit 20 Prozent beteiligten SIG gaben unmittelbar nach dem Okay des Genfer Staatsrats bekannt, dass sie für 12,1 Mio. Franken die restlichen 80 Prozent, die sich in den Händen privater Aktionäre befanden, übernehmen würden.

Claudio Zanini trete als VR-Präsident der Ennova SA zurück; der Verwaltungsrat werde neu bestellt. Die SIG bestätigten ihren Willen, die Entwicklung der Windkraft im Jura weiter voranzutreiben. Die 12 Mitarbeitenden der Ennova würden ihre Aufgaben weiter erfüllen. Einzelne der 42 Projekte würden möglicherweise jedoch ein wenig redimensioniert.

Zwei Partner trennen sich

Im Klartext heisst das: Die SIG verfolgen die von der Ennova betreuten Windparkprojekte, zu denen auch dasjenige auf der Schwängimatt gehört, in Eigenregie weiter – ohne die bisherigen Mehrheitsaktionäre, die Tessiner Investoren der REnInvest SA. In den Verkauf eingewilligt habe man im Interesse der Sache, liess REnInvest-VR-Präsident Zanini laut Medienmitteilung verlauten – «um die öffentlichen Diskussionen zu beenden, die zahlreiche Partner der Ennova destabilisiert und verunsichert» hätten. Laut Schweizerischem Handelsamtsblatt (SHAB) gehören die REnInvest-Leute Claudio Zanini, Roland Eichenberger und Marcel Wolf seit dem 23. Mai 2014 denn auch nicht mehr dem Ennova-Verwaltungsrat an.

Die Ennova SA mit Projekten in mittlerweile zwölf Kantonen gilt als der wichtigste Player in der Schweizer Windenergieszene. Die Gesellschaft mit Sitz in Le Landeron NE –unmittelbar neben den Caves de l’Abbaye – wurde im Januar 2012 von den SIG und der REnInvest SA gegründet. Sie ging aus der in Court BE domizilierten Green Wind AG, einem Konstrukt der REnInvest SA hervor. Dabei wurden unter anderem auch die von den Investoren aus Chiasso gehaltenen 50 Prozent des Aktienkapitals der Windpark Schwängimatt AG, Laupersdorf – 50 Namenaktien mit einem Nominalwert von je 1000 Franken – übernommen.

Zum mit der Trennung nun entschiedenen Knatsch zwischen SIG und REnInvest kam es letztes Jahr, nachdem SIG-VR-Präsident Alain Peyrot die Notbremse gezogen hatte. Die Genfer Industriewerke hätten bisher 46 Mio. Franken in die Ennova investiert, ohne dass eine einzige Kilowattstunde Windenergie herausgekommen sei, sagte Peyrot im September, als die Ergebnisse der diversen Expertisen vorlagen, vor den Medien. Die SIG seien die «Milchkuh» der Ennova gewesen. SIG-Direktor André Hurter trat umgehend zurück. Gegen den Finanzdirektor und den früheren Marketingleiter des Regiebetriebs, die Hauptverantwortlichen bei den seinerzeitigen Verhandlungen mit der REnInvest SA, wurden Administrativuntersuchungen eingeleitet. Claudio Zanini konterte in einem Ennova-Communiqué, die SIG hätten die Möglichkeit gehabt, sich den grössten Teil der geliehenen 33 Mio. Franken zurückzahlen zu lassen. Sie hätten von dieser Möglichkeit jedoch keinen Gebrauch gemacht.

SIG fühlt sich hintergangen

Ende Oktober 2013 veröffentlichte die «Tribune de Genève» die Erkenntnisse aus den bisher geheimen internen wie externen Expertisen. Ein internes Audit etwa hatte ergeben, dass es in der SIG-Direktion eine Fraktion gab, die das Standbein Windenergie ohne Rücksicht auf die Frage der Rentabilität forcieren wollte. Eine Studie von Ernst & Young zeigte auf, dass die Ennova-Konstruktion den SIG das finanzielle Risiko einschliesslich desjenigen der Rentabilität auferlegte, während die Vorteile im Wesentlichen die REnInvest genoss.

Lockerer Umgang mit den Finanzen seitens der Ennova und ein Megawatt-Preis zulasten der SIG über dem marktüblichen Niveau – so lauteten zwei der weiteren Vorwürfe. – Kurz: Die SIG seien über den Tisch gezogen worden.

Die englische Firma GL Garrad Hassan (GL GH) überprüfte zudem die Energiepotenzial-Berechnungen der Ennova und kam in sechs von sieben untersuchten Fällen zu pessimistischeren Ergebnissen als die Ennova. Zwischen 14 und 36 Prozent lagen die Abweichungen. Die grösste Abweichung stellte GL GH beim Projekt Schwängimatt fest.

Folgen für Schwängimatt-Projekt

Und hat der Rauswurf der REnInvest-Vertreter aus der Ennova Auswirkungen auf das Projekt Schwängimatt? – Weder seitens der Ennova noch seitens der Medienabteilung der SIG war diese Woche eine Antwort auf diese Frage erhältlich. Zumindest mit dem Abgang von Claudio Zanini als VR-Präsident der Windpark Schwängimatt AG ist indessen zu rechnen, auch wenn im SHAB bisher – anders als im Fall mehrerer anderer Ennova-Projekte – das Ausscheiden der REnInvest-Leute noch nicht publiziert wurde. Mit Pascal Abbet, dem Direktor Energien SIG, ist der Genfer Regiebetrieb seit dem 27. September 2013 direkt im Verwaltungsrat der Gesellschaft mit Sitz in Laupersdorf vertreten. Seit Ende Oktober 2013 sitzt Abbet zudem im Ennova-Verwaltungsrat.

Auch die Frage, ob Roland Eichenberger als technischer Direktor zu den Mitarbeitenden zählt, die der Ennova erhalten bleiben, wurde bislang nicht beantwortet. Auffällig ist, dass Eichenberger und Mirco Pizza, ein weiterer REnInvest-Mann, die Tessiner Firma im Mai verlassen haben. Dafür ist Pizza nun seit dem 3. Juni zeichnungsberechtigt bei der Ennova SA.Nicht tangiert von den Böen hinter den Kulissen der Windpark-Planungen ist das Projekt Burg. In Kienberg verfügen die SIG über 51 Prozent, ohne aber dass die Ennova involviert wäre.