Reportage
«Hilfe, ich habe eine Panne» - unterwegs mit einem TCS-Patrouilleur

Einen Nachmittag lang unterwegs mit TCS-Patrouilleur Richard Borer vom Stützpunkt Oensingen durch die Region.

Fränzi Rütti-Saner
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 Richard Borer im Stützpunkt Oensingen. Von einem Laptop können die Aufträge direkt abgelesen werden.
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 Mit diesem Auto gehts auf Patrouille
 Richard Borer plant seinen nächsten Einsatz
Unterwegs mit einer TCS-Patrouille
 Leo Gubler aus Olten bedankt sich bei Richard Borer für die rasche und unkomplizierte Hilfe.
 Richard Borer
 Bei diesem Militärfahrzeug geht gar nichts mehr. Für Oberleutnant Buntschu (links) und den Obergefreiten Küng (Mitte) war der TCS-Mann die letzte Rettung. frb
 Richard Borer am Werk. Er prüft die Spannung des Fahrzeuges. Da tut sich nichts.
 Das Fahrzeug wird zum Standplatz abgeschleppt.

Richard Borer im Stützpunkt Oensingen. Von einem Laptop können die Aufträge direkt abgelesen werden.

Hanspeter Bärtschi

Um 12 Uhr mittags beginnt für TCS-Patrouilleur Richard Borer der Arbeitstag. Er hat die Schicht von zwölf Uhr mittags bis 22 Uhr. Borer, aufgewachsen in Aeschi und seit Jahren im Gäu zuhause, arbeitet seit 25 Jahren als Patrouilleur mit dem gelben Fahrzeug. Es ist wahrscheinlich sein Traumjob, meint er fast ein wenig verlegen. Als Junger absolvierte er eine Lehre als Automechaniker, war dann eine Zeit lang als LKW-Chauffeur in Europa unterwegs und meldete sich dann beim TCS. «Man muss helfen wollen, den Kontakt mit Menschen mögen und natürlich auch Freude an Autos haben, wenn man diesen Job macht», sagt er. «Zudem muss man muss spontan, flexibel und entscheidungsfreudig sein.» Und: Man darf Wochenendarbeit nicht scheuen, kommt ihm noch in den Sinn.

Modernste Kommunikations-Technik hat die Arbeit der Patrouilleure im Gegensatz zu früher um einiges erleichtert. Von einem Laptop – im Auto einbaubar – können die Aufträge direkt abgelesen werden, und die ausgeführte Reparatur und alle anderen nötigen Angaben können darin eingegeben werden. Ein eingebautes GPS hilft bei der Navigation.

Der erste Auftrag erreicht Borer an diesem Nachmittag, während er auf der Autobahn zwischen Luterbach und Deitingen unterwegs ist. «Ein Kunde in Olten kann sein Fahrzeug nicht starten», übersetzt er die Angaben auf dem Laptop. In der Zentrale wurde dem Mann bereits gesagt, dass er ungefähr 40 Minuten warten müsse, bis die Patrouille an Ort ist. «Alle Anrufe gehen zunächst an die Zentrale nach Schönbühl», erklärt Borer. Von dort aus werden sie an die verschiedenen Einsatzfahrer weitergegeben. Die Disponenten dort wissen, wo wir gerade sind und kennen auch das Einsatzgebiet gut.» Die Patrouilleure vom Stützpunkt Oensingen befahren das Gebiet zwischen Kriegstetten und Oftringen, von Dagmersellen bis Belchen. «Die Aufträge entlang der Autobahn haben immer Priorität», sagt Borer noch. «Es geht hier vor allem darum, die Sicherheit zu gewährleisten.»

Am Zielort angekommen, winkt Anrufer Leo Gubler schon von weitem. Sein Fahrzeug steht noch immer in der Garage. Er hat es nicht starten können, obwohl es doch erst beim Garagisten war, erzählt er ein wenig aufgeregt. Borer begrüsst den Kunden erst mal und fragt, was passiert sei. «Ich wollte mit meiner Tochter zum Einkaufen fahren. Doch nichts geht mehr . . .» Borer setzt sein Überbrückungsgerät ein, und schon kann er den Wagen starten. Die Miene des Kunden hellt sich auf. «Was ist los mit meinem Auto?», will er wissen. Borer prüft die Batterie und meint, er solle nochmals in die Garage, sie sei etwas schwach. Leo Gubler bedankt sich und fragt nach den Kosten. «Das kostet nichts. Sie sind ja Mitglied.» «Ja, schon lange», meint der Oltner. «Sicher schon 25 Jahre.»

Beim Einsteigen ins Patrouilllenfahrzeug blinkt schon der nächste Auftrag. «Wieder ein Kunde mit Startschwierigkeiten», klärt Borer auf. «Wahrscheinlich eine ältere Person, der Mitglieder-Nummer nach zu schliessen», setzt er hinzu. Die Fahrt geht nach Winznau. Kurz vor dem Ziel wird der Kunde avisiert. «Ich bin in drei Minuten bei Ihnen», sagt Borer. Die Frau am anderen Ende ist ziemlich aufgeregt. Ihr Auto steht im Dorf auf einem Parkplatz. «Ich bin am Morgen zuhause losgefahren, habe ein paar Flaschen in den Container geworfen, und da ging nichts mehr», erzählt sie. Eine hilfsbereite Passantin habe ihr dann geholfen, das Fahrzeug auf den Parkplatz mitten im Dorf zu schieben. Denn sie musste weiter zu einer Therapiestunde ins Kantonsspital Olten. Borer lässt sich den Schlüssel aushändigen und versucht den Motor zu starten. Er hat sofort Erfolg. «Das gibts ja nicht», meint die Frau erleichtert. «Was ist denn da los?» «Sie fahren zu kurze Strecken», sagt ihr der TCS-Mann. «So kann sich die Batterie nie richtig aufladen», und er erklärt ihr, dass sie unbedingt das Auto mehr bewegen sollte. «Fahren Sie jetzt noch etwas. Und das Auto jetzt nicht abstellen.»

Das komme öfters bei älteren Personen vor, sagt Borer dann zurück im Auto. Er hat sich kurz die Autopapiere und den Kilometerstand angesehen und seine Rückschlüsse gezogen. Als TCS-Patrouilleur kommt man in kürzester Zeit mit den Menschen in engen Kontakt. Schon manche unglaubliche Lebensgeschichte hat sich Borer angehört, und schon manches Schicksal hat er gesehen. Doch die erste Aufgabe des Patrouilleurs ist es immer, ein Fahrzeug wieder fahrtüchtig zu machen. «Dafür braucht es oft auch Improvisationstalent, denn es ist nicht möglich, jedes Ersatzteil mitzuführen.» Deshalb ist es wichtig, dass hier Fachmänner unterwegs sind. «Wir bilden uns stetig weiter, um die neuesten Entwicklungen in der Automobiltechnik zu kennen.»

Der nächste Auftrag: «Ein Militärfahrzeug ist in Rothrist steckengeblieben.» Auf der Fahrt dorthin erklärt Borer, dass der TCS mit dem Schweizer Militär eine Vereinbarung zur Pannenhilfe unterhält. Auch mit anderen Betrieben hat der TCS solche Zusammenarbeitsvereinbarungen. Der feldgraue Puch macht keinen Ton mehr. Oberleutnant Buntschu und Obergefreiter Küng hatten den Auftrag, das Fahrzeug nach Othmarsingen zum Abgeben zu bringen. «Dabei war der Wagen noch in der Reparatur. Doch als wir das Startproblem durchgaben, mussten wir erkennen, dass bereits jegliches Reparatur-Material fortgeschafft worden war. So blieb als letzte Rettung noch der TCS», erklärt Buntschu und entschuldigt sich fast. Zuerst habe er die Militärpolizei benachrichtigen müssen, diese avisiere dann den TCS. So sei der Dienstweg.

Richard Borer prüft mit seinen Messgeräten die Spannung des Fahrzeuges mit Jahrgang 1996. Da tut sich gar nichts mehr. Schliesslich erkennt er: «Das Zündmodul ist hinüber. Das Fahrzeug muss abgeschleppt werden.» Nun geht das Telefonieren los. Buntschu an seinen Hauptmann, Borer an die Zentrale. Dort gibt er den Auftrag, dass das Fahrzeug am nächsten Tag ab dem TCS-Standplatz Rothrist geholt werden muss und zum Bestimmungsort gebracht wird.

Der Puch wird zum Standplatz hin abgeschleppt. «Wir haben drei solcher Standplätze im Einsatzgebiet, wo wir Fahrzeuge bis zum Abtransport hinstellen können», erklärt Borer. Die beiden Soldaten müssen jetzt, ohne dass sie ihren Auftrag ausgeführt haben, zurück.

Es ist 18 Uhr, und Borer fährt zum Stützpunkt Oensingen. Hier gönnt er sich einen Kaffee. Er wird die letzten Stunden seines Arbeitstages ohne neugierige Begleitung verbringen.