Der Name tönt nüchtern, wenn nicht gar langweilig. Weghören sollte trotzdem niemand, wenn das Stichwort «Agglomerationsprogramm. Dritte Generation» fällt. Das Programm zeigt nämlich, wo der Kanton in den kommenden Jahren seine Infrastruktur verbessern will, wo er Entwicklungsschwerpunkte setzt – und in welchen Gemeinden viel Geld investiert werden soll.

Gestern hat der Kanton die Agglomerationsprogramme Solothurn und AareLand (Olten-Rothrist-Zofingen, in Zusammenarbeit mit dem Aargau) vorgestellt. Zwischen 2019 und 2022 sollen 31 Mio. Franken investiert werden. Die beiden Papiere gehen nun zum Bund. Dieser entscheidet bis im Frühling 2018, welche Programme unterstützt werden und wie hoch die Bundesbeiträge ausfallen.

Der Kanton hofft auf 30 bis 50 Prozent pro Projekt. Je wirksamer ein Programm ist, desto höher ist der Beitrag des Bundes. Allerdings gibt es unter den Kantonen einen grossen Wettbewerb um die Gelder. Grundsätzlich ist Solothurn verpflichtet, die Projekte auch ohne Beitrag aus Bern zu bauen.

Finanziert werden Verkehrsmassnahmen im Langsamverkehr, im öV und für Autos. Die Strategie lautet: «Verkehr vermeiden, Verkehr verlagern und Verkehr verträglich gestalten.» Mit dem Programm werde definiert, «wo es Massnahmen braucht, wo Entwicklung stattfindet und wo sie stattfinden sollte», erklärt Amalia Schneider vom kantonalen Amt für Raumplanung. «Wir haben vor allem auch die derzeitigen Schwachstellen analysiert.»

Solothurn hat von den beiden vergangenen Agglomerationsprogrammen bereits profitiert: So wurden die Velostation am Bahnhof Solothurn, die Umgestaltung des Oltner Bahnhofplatzes oder die Verschiebung des Bellacher Bahnhofs unterstützt.

Rund um Solothurn werden die Velowege stark ausgebaut

In der Agglomeration Solothurn sollen zwischen 2019 und 2022 23 Mio. Franken investiert werden. Der Kanton sieht vor allem Handlungsbedarf im Fuss- und Veloverkehr. Auch die Nutzung des öffentlichen Verkehrs soll verbessert werden.

«Kernelemente sind die Aufwertung von verschiedenen Bahnhöfen, neue Velowege sowie die Umgestaltung von Strassen zur Erhöhung der Sicherheit», hält der Kanton fest. So soll der Bahnhof Lohn-Lüterkofen für 3.3 Mio. Franken aufgewertet werden. In der Region Bellach werden die Velowege verbessert.

Tempo-30-Zonen sollen in den Quartieren der Agglomerationsgemeinden ausgebaut werden. Und dank punktuellem Doppelspurausbau soll der RBS vermehrt im Viertelstundentakt fahren können. Und der Bus soll priorisiert werden, statt wie die Autos im Stau stecken zu bleiben. Auch die Naherholungsgebiete sollen gut per Velo erschlossen sein.

Der Aussichtspunkt Gisihübeli in Biberist/Solothurn erhält einen Zugangsweg und am Emmenspitz gibt es endlich einen Steg, damit Wanderer und Velofahrer keinen Umweg mehr machen müssen.

Unterer Kantonsteil: Her gehts erst nach 2023 richtig los

Im unteren Kantonsteil arbeiten die Kantone Solothurn und Aargau im Agglomerationsprojekt AareLand zusammen. Es gibt mehrere Einzelprojekte im Korridor Olten-Aarburg/Rothrist-Zofingen. Geplant sind 112 Mio. Franken, die den Verkehr im Korridor Olten-Aarburg/Rothrist-Zofingen verflüssigen sollen.

Die grössten Brocken sind die Aufwertung der Oltnerstrasse in Aarburg und das Projekt Wiggertalstrasse Nord/Ortsdurchfahrt Rothrist.

Der Rad- und Gehweg vom Knoten Wildbach bis zum Turbensaalkreisel in Bellach soll für 2.8 Mio. Franken neu konzipiert werden.

Der Rad- und Gehweg vom Knoten Wildbach bis zum Turbensaalkreisel in Bellach soll für 2.8 Mio. Franken neu konzipiert werden.

Auf den Kanton Solothurn entfallen relativ wenig Massnahmen. – Oder nur 7,8 von 112 Mio. Franken. Der Rest bleibt im Aargau. Das bestätigt Amalia Schneider vom Solothurner Amt für Raumplanung. «Einige Projekte im Solothurnischen sind noch nicht reif oder dringlich.» Dies habe eine Umfrage bei den dortigen Gemeinden ergeben. Schneider warnt zudem, das nun eingereichte Programm isoliert zu betrachten.

In den beiden früheren Agglomerationsprogrammen habe Solothurn stark profitiert. «An die Umfahrung ERO Olten haben wir einen Beitrag von 125 Mio. Franken vom Bund erhalten.»

Noch mehr Projekte nach 2023

Mehrere grössere Solothurner Vorhaben sind im AareLand-Programm erst eine Runde später geplant, nämlich nach 2023, wenn bereits das vierte Agglomerationsprogramm anstehen wird. Der Kanton hat dem Bund schon signalisiert, wo er für die Jahre 2023 bis 2026 Handlungsbedarf sieht.

Die Umfahrung Hägendorf/Rickenbach (Ero+) sticht mit rund 45 Mio. Franken Baukosten heraus. Zudem soll dann auch die Veloschnellroute Aarau-Olten ausgebaut werden.

Der Bahnhof Lohn-Lüterkofen soll für 3.3 Mio. Franken aufgewertet werden

Der Bahnhof Lohn-Lüterkofen soll für 3.3 Mio. Franken aufgewertet werden

Auch für den oberen Kantonsteil hat die Regierung gemeinsam mit der Regionalplanungsgruppe Espace Solothurn nicht nur das Programm 2019 bis 2022 definiert. Quasi als Blick in die Kristallkugel teilt der Kanton dem Bund auch mit, wo er ab 2023 notwendige Infrastrukturschwerpunkte sieht.

So rechnet der Kanton bis 2030 mit einer weiteren Zunahme des Verkehrs in der Agglomeration Solothurn. «In Biberist, Zuchwil und Solothurn wird mit einer sehr hohen Stauneigung oder sogar mit der Überschreitung der Verkehrskapazität gerechnet.» Busse sollen deshalb Priorität erhalten, damit der öffentliche Verkehr unter dem Stau nicht leidet. Auch die RBS-Linie Bern-Solothurn soll ausgebaut werden. Möglich wäre bis 2030 vielleicht auch ein Viertelstundentakt fürs Bipperlisi.

Kein Programm existiert für die Agglomeration Grenchen-Lengnau-Büren. Die Gemeinden dort haben bisher nie Projekte eingereicht.