Ein während Stunden über der Verenaschlucht kreisender Helikopter ist nichts Alltägliches. Auch die Sperrung der beliebten Einsiedelei während fünf Tage (bis heute Freitag) deutete im Vorfeld auf etwas Besonderes hin.

Die Ursache für das spektakuläre Ereignis, das am Donnerstagmorgen etliche Leute in das beliebte Naherholungsgebiet lockte, ist das Eschensterben, das Waldbesitzern zunehmend Sorge bereitet und sie zum Handeln zwingt.

Gefahr für Einsiedelei-Besucher

Zu diesen gehört auch die Bürgergemeinde Solothurn, die sich dazu entschlossen hatte, entlang der Schlucht 59 vom Pilzbefall betroffene Eschen zu fällen. «Aus Sicherheitsgründen», schildert der Forstbetriebsleiter der Bürgergemeinde, Gian-Andrea Lombris, die Situation und erklärt, weshalb es zu einem aufsehenerregenden Helikoptereinsatz kam: «Die Schlucht ist schmal und wenig zugänglich.

Holzschlag in der Verenaschlucht.

Holzschlag in der Verenaschlucht

Mit unseren Maschinen hätten wir es nicht geschafft, die vom Pilz befallenen Bäume schonend zu fällen, ohne Schaden an den anderen Bäumen zu verursachen und das Gesamtbild der Schlucht zu beeinträchtigen.»

Die Aktion wurde möglich, weil sich zusammen mit der Bürgergemeinde auch die Stadt und der Kanton Solothurn sowie die Gemeinden Rüttenen und Feldbrunnen finanziell beteiligt haben.

Die erstmals 2008 in Polen entdeckte Pilzkrankheit «Chalara fraxinea» hat sich auch in der Schweiz rasch ausgebreitet. Nach dem Pilzbefall bleibt häufig vom satten Grün des gesunden Baumes nicht mehr viel übrig. Die kranken Eschen wurden auch in der Einsiedelei zunehmend zu einem Risiko. Herabfallende Äste hätten verheerende Auswirkungen auf die Spaziergänger, die in der beliebten Schlucht Erholung suchen.

Schuld am Eschensterben sei eindeutig die Globalisierung, meint Jürg Misteli, Kreisförster Wasseramt-Solothurn. «Immer mehr werden Neophyten aus fernen Ländern nach Europa eingeschleppt.» So komme auch der Pilz, der die Esche zum Absterben bringe, ursprünglich aus Japan. Im Ursprungsland selber richte er jedoch keinen Schaden an, weil die einheimischen Eschen gegen den Pilz resistent seien.

«Die Esche ist einer der häufigsten Laubbäume in der Schweiz und wegen ihres guten Holzes wirtschaftlich interessant», ergänzt Misteli. Durch die gegenwärtig überdurchschnittlich hohen Fällaktionen würden die Preise jedoch fallen, was letztlich auch Waldbesitzern wie der Bürgergemeinde Solothurn zu schaffen mache. «Der Verlust ist gross», so der Förster.

Unter den Augen der vielen Schaulustigen zieht der Helikopter in einer spektakulären Aktion Baumteil um Bauteil in die Höhe und deponiert das Holz auf der Martinsfluh. Dort wird es später zerkleinert und nach Asien exportiert, wo es aus Kostengründen weiterverarbeitet wird.

«Gut möglich, dass das Holz eines Tages in irgendeiner Form wieder in der Schweiz landet», sagt Jürg Misteli. Mitten unter den staunenden Zuschauern sind auch Studenten des Bildungszentrums Wald Lyss, die mit drei Kleinbussen angereist sind und einen aufregenden Schulweiterbildungstag erleben.

Lücken bald wieder gefüllt

Am Ende der Schlucht ist es inzwischen ungewohnt licht geworden. Ob das so bleiben wird? «Nein», sagt Gian-Andreas Lombris, der Bündner, der seit einem Jahr bei der Bürgergemeinde als Forstbetriebsleiter tätig ist. «Es hat genügend Unterwuchs, der die Lücke bald wieder füllen wird.»

Die rund 140 Eschen, die nach der Aktion noch übrig bleiben, befinden sich nicht unmittelbar am Einsiedeleiweg und stellen deshalb auch keine Gefahr für die Besucher dar. Doch auch sie werden der Pilzkrankheit eines Tages zum Opfer fallen und leise absterben, ohne dass es der gewöhnliche Waldgänger bemerkt.

Von den Überresten der Fällaktion wird im Frühling nicht mehr viel übrig bleiben. Wie Lombris betont, wird im kommenden Mai der Zivilschutz die noch herumliegenden Äste wegräumen und die Schlucht wieder instandstellen.