Dreifachmord
Heute fällt das Urteil im Prozess um die Schenkkreis-Morde

Während Patric S. und Guido S. geständig sind, bestreitet Ruth S., als Drahtzieherin hinter dem Grenchner Dreifachmord zu stecken. Trotzdem fordert der Staatsanwalt dreimal lebenslänglich. Wie urteilen die Richter? Die az berichtet live ab 14 Uhr.

Merken
Drucken
Teilen
Die Angeklagten im Schenkkreis-Mord: Guido S., Patric S. und Ruth S.

Die Angeklagten im Schenkkreis-Mord: Guido S., Patric S. und Ruth S.

Keystone

Vor allem auf das Urteil gegen die mutmassliche Drahtzieherin Ruth S. darf mit Spannung erwartet werden. Wie für die beiden Mitangeklagten forderte der Staatsanwalt Jan Gutzwiller für Ruth S. eine lebenlängliche Freiheitsstrafe. Sie bestritt auch während der Gerichtsverhandlungen von Anfang Mai, die Tat geplant zu haben und von einer Tötung im Vorfeld gewusst zu haben.

Zudem beantragte der Staatsanwalt Sicherheitshaft für die nach einem Urteil des Bundesgerichts auf freien Fuss gesetzte, heute 51-jährige Schweizerin. Es drohe Fluchtgefahr, so der Staatsanwalt.

Grausame Tat

Beim grausamen Schenkkreis-Mord am 5. Juni 2009 wurden eine 55- jährige Frau, ihr 60-jähriger Ehemann und die 35-jährige Tochter umgebracht. Der Mann wurde mit einem Kopfschuss getötet, die Frau und die Tochter wurden mit Plastiksäcken erstickt.

Der 35-jährige ehemalige Spitzensportler Patric S. hatte die Morde am Ehepaar im viereinhalbtägigen Prozess Anfang Mai erneut gestanden. Sein 27-jähriger Kollege Guido S., ein ungelernter Koch, legte zum Mord an der Tochter vor Gericht während über zwei Stunden erneut ein Geständnis ab.

Die Angeklagten erhofften sich bei der in Schenkkreise verwickelten Familie in Grenchen fette Beute. Alle drei Angeklagten waren selber in diese Schenkkreise verwickelt. Beute machten sie jedoch lediglich 5000 Franken, 600 Euro, Modeschmuck und vier Uhren.

Schenkkreise sind verboten und funktionieren nach dem Schneeballsystem. Dabei «schenken» neue Teilnehmer Geld an Mitglieder, die länger dabei sind. Sie hoffen, später von neuen Mitgliedern selbst «beschenkt» zu werden.

Verteidiger fordern kürzere Freiheitsstrafen

Die zentralen Anklagepunkte lauten auf mehrfachen Mord, qualifizierten Raub und mehrfache strafbare Vorbereitungshandlungen zu Mord und Raub. Die beschuldigten Männer akzeptieren diese Vorwürfe.

Der Verteidiger des 27-jährigen Angeklagten Guido S. verlangt für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe zwischen 12 und 16 Jahren. Der Verteidiger des ehemaligen Spitzensportlers Patric S. verzichtete auf einen Strafantrag. Er forderte ein Gutachten über den Einfluss von Drogen und Anabolika auf die Aggressivität seines Mandanten.

Für die 51-jährige Ruth S. wurde ein Freispruch von den zentralen Anklagepunkten verlangt. Ihr Verteidiger hält eine bedingte oder teilbedingte Freiheitsstrafe für angemessen.

Die Urteilseröffnung in Solothurn beginnt um 14 Uhr. (ldu/dfu/sda)

Auf azonline werden sie ab 14 Uhr über das Geschehen im Gerichtssaal im Solothurner Amthaus informiert.