Herzig ist er ja. Mit schneeweissen Schneidezähnen wirbt das Tierchen für Zahnpasta. Im Solothurnischen stiftet es seinen Namen zwei Gemeinden und einem Bach. Der Biber macht sich sogar nützlich: Mit seinen Dämmen schafft er am Wasser neue Ökosysteme und trägt zur Artenvielfalt bei. Deshalb wurde der einst ausgerottete Nager wieder angesiedelt. Jetzt meldet er sich tatkräftig zurück. Schon gibts Ärger.

Denn der Biber ist auch lästig. Unverfroren frisst er sich durch Zuckerrüben- oder Kürbisplantagen, nagt Bäume um und verstopft Entwässerungsleitungen. Das sorgt im immer intensiver genutzten Mittelland für Probleme. Die Klagen der Bauern einfach als Jammerei auf hohem Niveau abzutun, wird der Sache nicht gerecht. Dass Landwirte mutwillig Dämme entfernen und so des Bibers Lebensraum zerstören, zeigt, wie drängend das Problem geworden ist.

Die Selbstjustiz trägt allerdings nicht zur Lösung bei. Erstens ist es illegal, weil der Biber streng geschützt ist. Zweitens richten die wilden Baumeister die Dämme innerhalb weniger Tagen wieder auf. Nachhaltiger ist eine politische Lösung. Der Kanton könnte den Bauern vorsorglich unter die Arme greifen, um Frassschäden zu verhindern. Zudem sollten Einbussen rasch ausgeglichen werden. Auch über Massnahmen zur Regulierung des Biberbestandes ist nachzudenken.

Auf der anderen Seite darf vom Bauernstand mehr Toleranz erwartet werden. Denn der vermeintliche Störenfried wird nicht mehr verschwinden. Im Gegenteil: Fachleute rechnen damit, dass er sich in den kommenden Jahren noch mehr ausbreitet. Das zu akzeptieren, würde die Nerven vieler Bauern schonen.

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christof.ramser@schweizamwochenende.ch