Wer erinnert sich nicht an den Freisinnigen aus Wolfwil, der vierundzwanzig Jahre auf nationaler Ebene in Bern politisiert hat! Der, hätte er es herausgefordert, wohl noch vier weitere Jahre im Bundeshaus ein- und ausgegangen wäre. Und der damit die Konstellationen im Solothurner Politgefüge ob so oder eben anders nachhaltig beeinflusst hat. Dass der Freisinn seinen abonnierten Sitz im Stöckli verloren hat, wird ihm noch heute angelastet, obwohl letztlich andere vom Wahlvolk in die Wüste geschickt wurden.

Nach längerer Durststrecke scheint die FDP in helvetischen Landen wieder etwas Oberwasser zu haben, was auch in unserem Kanton zu Hoffnungen Anlass gibt. Was liegt also näher, als mit dem FDP-Urgestein Rolf Büttiker über seine Partei und die kommenden Wahlen zu diskutieren.

Doch so einfach wie es sich anhört, gestaltet sich dieses Vorhaben nicht. Er halte nicht viel davon, wenn sich alt Bundesräte ins aktuelle Geschehen einmischten. Als ehemaliger Ständerat sehe er das grundsätzlich gleich. Zu den beiden Bisherigen Pirmin Bischof und Roberto Zanetti habe er aber doch bestimmt eine Meinung. Ebenso zu den Herausforderern Walter Wobmann und Marianne Meister, auch sie sollten doch etwas hergeben. Zumindest die Parteikollegin aus dem Buechibärg müsste für eine Einschätzung gut sein.

Von der jetzigen Atomtechnologie hält er wenig

Büttiker, eben nicht nur Polit-Urgestein, sondern auch Politfuchs, lenkt das Gespräch geschickt auf die Metaebene und seine vielen aktuellen Tätigkeiten. Wieso nicht, machen wir diesen Umweg. Vielleicht ist er ja zielführend. Der ehemalige Ständeratspräsident wird kommenden Monat 65 und sprudelt richtig los, wenn er von seinen aktuellen Standbeinen spricht. Die da sind Fleisch, Energie und Verkehr. Bei den beiden Letzteren scheint er immer noch auf der Höhe des Geschehens zu sein und hält mit dezidierten Meinungen nicht zurück.

So bezeichnet er die jetzigen Atomkraftwerke als Auslaufmodell, glaubt aber an neue Technologien auf diesem Gebiet und die Möglichkeit, dass nach den kommenden Wahlen die Energiestrategie 2050 durchaus nochmals zu ernsthaften Diskussionen Anlass geben könnte. An dieser Stelle ist herauszuhören, dass er bezüglich des KKW-Engagements von CVP-Mann Bischof sowie der Stossrichtung von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard einen Widerspruch ortet. Selbst auf Nachhaken ist dazu aber kein zitierbarer Seitenhieb herauszuholen.

Weitaus gesprächiger ist Büttiker, wenn es um sein derzeitiges Hauptaufgabengebiet geht – das Fleisch. Der Präsident des Fachverbandes kann sich ob Attacken der Veganer und Vegetarier dann enervieren, wenn sie auf Verbote hinauslaufen. «Ich kann jeden akzeptieren, der kein Fleisch essen mag. Das geht in Ordnung. Aber es geht doch nicht an, dass man verordnen will, was man verzehren darf und was nicht. Ich will die Wahlfreiheit haben», gibt sich der Liberale kämpferisch. Das Fleischgeschäft laufe übrigens gut. Im vergangenen Jahr habe man einen leichten Zuwachs verzeichnen können, obwohl die Grillsaison ins Wasser gefallen und das Einkaufen ennet der Grenze noch attraktiver geworden sei: «Das hat mich überrascht. Es zeugt jedoch davon, dass sich Herr und Frau Schweizer Qualitätsfleisch nicht so leicht vermiesen lassen.»

«Gut, dass es eine Frau macht»

Wir nehmen auch zur Kenntnis, dass der BMW-Fahrer konsequent die Bahn benutzt hat, wenn er nach Bundesbern unterwegs war. Weiter erfahren wir, dass er wöchentlich tausend Meter schwimmend im Wasser zurücklegt und sich gerne mal ein Fussballspiel auf einem hiesigen Sportplatz ansieht respektive eines von seinem Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach im Fernsehen.

Das ist alles durchaus interessant. Aber Rolf Büttiker, wie steht es um die FDP im Kanton und die Kandidaten? Wird es der Partei gelingen, mehr als nur ihren einzigen Nationalratssitz zu verteidigen? Oder verdrängt die FDP-Frau gar den Bisherigen, ihren vielbeschäftigen Parteikollegen?

Büttiker schmunzelt – und schweigt dazu wie ein Grab. Doch, etwas ist ihm zu entlocken: «Es ist richtig, dass wir für den Ständerat mit einer Frau antreten, käme sie aus dem unteren Kantonsteil, wäre es gar perfekt.» Letztlich komme es dann bei den Nationalratswahlen halt auch noch auf die Listenverbindungen an, da seien die letzten Worte noch nicht gesprochen. FDP mit CVP? «Das würde den Schwarzen nicht gut bekommen», kommt es spontan. Also FDP mit SVP? «Hätten die Solothurner SVPler etwas mehr von den Bernern statt von den Zürchern, wäre es ein gangbarer Weg, so sehe ich es nicht», fügt er an.

Und was ist mit dem Zustand der Partei? Rolf Büttiker ist optimistisch: «Wenn der schweizerische Parteipräsident Philipp Müller etwas sagt, versteht man, was er meint. Das ist längst nicht bei allen der Fall. Wenn wir künftig noch geschlossener auftreten, kommt es gut.» Weiter wünscht er sich, dass die Ortsparteien wieder vermehrt gestärkt werden. Zudem glaubt Büttiker, dass die Wählerinnen und Wähler genug haben von der Zersplitterung der Parteilandschaft. Das helfe den traditionellen Parteien. Schliesslich kommt er ins Sinnieren. Mit etwas Distanz frage er sich gesamthaft betrachtet manchmal schon, was im Kanton die Reduktion von 144 auf 100 Räte gebracht habe, oder das Vergrössern der Wahlkreise. Was der Wechsel der Parteifarbe von gelb auf blau, respektive die Übernahme des grossen «D» im Namenskürzel zur Folge hatte: «Das sind doch lediglich technokratische Veränderungen. Ist damit die Politik anders, besser geworden?»

Der helvetische Politbetrieb ist dem viel beschäftigten Gäuer immer noch sehr nahe, auch wenn er sich lediglich noch an seinem Wohnort aktiv einbringt. So gesehen, fällt es ihm nicht schwer, die kantonale Ausgangslage im Hinblick auf Wahlen im Herbst zu analysieren. Wunder erwartet er von seiner Partei offenbar keine, doch das würde er natürlich nie so sagen.