Wild
Herbstjagd ist eröffnet: Die Jagd bringt 15 Tonnen Rehfleisch ein

Die Herbstjagd ist eröffnet. Solothurner Jäger erlegen jährlich rund 2000 Rehe.

Urs Moser
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Rund 2000 Rehe schiessen Solothurner Jäger jährlich.

Rund 2000 Rehe schiessen Solothurner Jäger jährlich.

Die Schweizer sind gar nicht so wild auf Wild. Wohl wurden 2016 (laut der jüngsten verfügbaren Fleischbilanz des Bundesamts für Statistik) über 4600 Tonnen Wildfleisch verzehrt, das macht aber nicht mehr als ein Prozent des ganzen Fleischkonsums aus. Der grösste Teil des Wildfleischs, 2016 waren es rund 3300 Tonnen, wird importiert. Wie gross ist da die Chance, im Restaurant Wildspezialitäten aus regionaler Jagd serviert zu bekommen?

Das sei schwer zu sagen, meint Mark Struch von der Fachstelle Jagd des kantonalen Amts für Wald, Jagd und Fischerei. Was man weiss: Die Solothurner Jäger erlegen jährlich um die 2000 Rehe, mal etwas mehr, mal weniger. 2017 war ein recht deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 2003 auf 2128 Abschüsse registriert worden. Das ergibt etwa 15 Tonnen Fleisch, das als Rehrücken, Rehschnitzel oder Pfeffer auf den Tisch kommt. Rechnet man mal mit 200 Gramm pro Mahlzeit, wären das 75'000 Portionen, das reicht doch schon ziemlich weit.

Einige Zahlen zur Jagdsaison

- 17,3 Kilogramm betrug das durchschnittliche Gewicht der im letzten Jahr erlegten ausgewachsenen Rehe. Bei gut 2000 Tieren macht das rund 15 Tonnen Wildbret.

- 1305 Rehe wurden auf den sogenannten Bewegungsjagden erlegt, wie sie ab Oktober im ganzen Kanton stattfinden.

- 619 Rehe kamen letztes Jahr zu den auf der Jagd erlegten Tieren als Fallwild dazu. Die meisten davon, 338, wurden im Strassenverkehr überfahren.

- 17 Fälle sind in der Jagdstatistik für 2017 dokumentiert, in denen ein Reh von einem Hund gerissen wurde.

- 14 Frauen befinden sich nur unter den über 500 Pächtern der 67 Solothurner Jagdreviere. Die Jagd ist nach wie vor eine klare Männerdomäne.

- 670 Quadratkilometer der gesamten Kantonsfläche von 790 Quadratkilometern sind grundsätzlich jagdbar. Der Waldanteil beträgt 40,5 Prozent.

Saison beginnt im Oktober

Die Herbstjagd hat in diesen Tagen begonnen. Vom 1. Oktober bis zum 15. Dezember dauert die Saison der Bewegungs- oder Treibjagd auf Rehe, bei den Wildschweinen vom 1. Juli bis Ende Februar. Rehe dürfen schon ab 1. Mai gejagt werden, aber Mutter- und Jungtiere sind bis Ende September geschützt. In dieser Zeit warten die Jäger im Ansitz auf den sogenannten Sommerbock oder versuchen, sich an ihn heranzupirschen. Eine viel Geduld erfordernde und nicht immer von Erfolg gekrönte Art, den scheuen Waldbewohnern nachzustellen.

Bei den herbstlichen Bewegungsjagden werden rund doppelt so viele Rehe erlegt wie auf der Einzeljagd im Sommer. Im Jahr 2004 wollte eine kantonale Volksinitiative die Treibjagd verbieten, aber den Jägern ist es damals gelungen, eine deutliche Mehrheit davon zu überzeugen, dass damit der Natur kaum gedient gewesen wäre. Die Initiative wurde bei einer Stimmbeteiligung von 47 Prozent mit 57,5 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.

Die Jagdgesellschaften haben den gesetzlichen Auftrag zu einer Abschussplanung, die für Wildtierbestände sorgt, die «durch eine effiziente Regulation den örtlichen Verhältnissen angepasst sind». Ziel bei den Rehen sei es dabei, den jährlichen Zuwachs «abzuschöpfen», sagt Mark Struch. Also den Bestand mehr oder weniger konstant zu halten. Wie hoch dieser genau ist, lässt sich kaum feststellen. Die regelmässig stattfindenden Zählungen erlauben nur ungefähre Hochrechnungen. Ein weiterer Indikator sei das Ausmass von Verbissschäden, anhand denen die Förster den Bestand abschätzen können, erklärt Struch. Die aktuelle Schätzung beläuft sich auf rund 4500 Rehe in den Solothurner Wäldern, den diesjährigen Nachwuchs noch nicht eingerechnet.

67 Reviere, 510 Pächter

Der Kanton Solothurn kennt wie Zürich, Luzern, beide Basel, Schaffhausen, St. Gallen, Aargau und Thurgau die Revierjagd. Der Kanton ist in 67 Reviere eingeteilt, die an Jagdgesellschaften, private Vereine verpachtet sind. Die Pachten werden alle acht Jahre in einer Versteigerung neu vergeben. Wobei es kaum je vorkomme, dass Konkurrenzgebote eingehen, sagt Mark Struch. Theoretisch wären sie bis zum Höchstpreis von 150 Prozent des vom Volkswirtschaftsdepartement festgelegten Mindestpachtzinses möglich.

Dieser berechnet sich anhand verschiedener Faktoren. Zunächst kommt es natürlich auf die bejagbare Fläche an. Führen stark befahrene Strassen durch ein Revier oder gibt es zum Beispiel einen Kurhausbetrieb, sind das Faktoren, die zu einem günstigeren Pachtzins führen. Die Gesamtpachtsumme von gut einer halben Million Franken für die 67 Reviere mit einer durchschnittlichen Grösse von 1150 Hektaren teilen sich derzeit 510 Pächter.