Lockdown-Lockerung
Her mit Erde und Blumen! Schon vor der Eröffnung standen die Kunden Schlange

Auch im Kanton Solothurn gingen am Montagmorgen Gärtnereien, Fachmärkte und Coiffeursalons wieder auf. Das bedeutete teilweise Schlange stehen noch vor der Eröffnung.

Lea Durrer, Jacqueline Schreier und Nadja Senn
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Einkaufen am Tag der ersten Lockdown-Lockerung im Kanton Solothurn
26 Bilder
Beim Eingang zur Landi in Wangen werden am Boden Abstände markiert.
Die Kunden zeigten sich geduldig
Anstehen mit Abstand bei der Landi in Wangen bei Olten kurz vor der Wiedereröffnung um 8 Uhr.
Bereits Minuten zuvor standen die Kunden an, die aber aufgrund der Ladengrösse alle auf einmal Einlass fanden.
Wiedereröffneter Coop Bau+Hobby in Trimbach
Gefragt waren in erster Linie Gartenartikel, Pflanzen und Säcke mit Erde.
Auch die Landi Lohn war am Morgen der ersten Lockdown-Lockerung gut besucht.
Die Parkplätze sind gefüllt
Ab in den Garten: Dieses Paar hat Erde gebraucht
Vor dem Gartencenter Wyss in Zuchwil standen schon lange vor Öffnung die ersten Kunden.
Die Kunden werden gezählt, indem nur eine bestimmte Anzahl Einkaufswagen zur Verfügung stehen.
Beim Eingang wird noch auf die BAG-Massnahmen hingewiesen
Plastikhandschuhe und Desinfektionsmittel liegen bereit
Auch der Aussenbereich beim Migros in Langendorf mit den Pflanzen darf wieder verkaufen.
Schlange beim Jumbo in Solothurn
Er leitet Autos zum Parkplatz des Solothurner Jumbos.
Nicht nur Bau- und Gartenmärkte, sondern auch Waschanlagen wurden regelrecht gestürmt (im Bild: Waschanlage bei Landi Wangen).
Dies nachdem die Autos in den letzten Tagen und Wochen vom Blütenstaub regelrecht zugestäubt wurden (hier im Bild: Hobby Waschcenter Rickenbach).
Wartebereich beim Coiffeur Gidor in Solothurn
Ungewohnter Look: Beim Coiffeur Trendsetter in Olten tragen Coiffeuse und Kundin Maske.
Eine lange Autoschlange bildete sich vor dem Hornbach in Biel
Auch der Jumbo in Biel hat wieder geröffnet.
Zwei Jumbo-Kunden mit Gesichtsmaske.

Einkaufen am Tag der ersten Lockdown-Lockerung im Kanton Solothurn

Bruno Kissling

Setzlinge, Geranien, Blumenerde: Die Kunden standen am Montag früh auf, um sich in den Gartencentern und Fachmärkten im Kanton mit jeglichsten Produkten für den Garten einzudecken. Unterwegs stellt man am Montag denn auch fest: Die riesige Nachfrage führt zu viel Verkehr auf den Strassen und Warteschlangen vor den Geschäften.

Bei der Landi in Wangen waren die Kunden schon Minuten vor der Eröffnung um 8 Uhr parat zum Einkaufen. Mehrere Dutzend, teilweise mit Mundschutz, warteten geduldig. Der Parkplatz war voll. Ein Mitarbeiter brachte am Boden noch Kleber an, die auf den einzuhaltenden Abstand hinwiesen. Aufgrund der Ladengrösse durften aber alle auf einmal hinein mit ihren Wägelchen und die vollen Gestelle beschauen. Noch immer gibt es aber Produkte, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht gekauft werden dürfen. Doch die Leute interessieren sich offensichtlich sowieso derzeit mehr für Gartenprodukte. Blühen soll es. Gartenerde könnte derzeit als neues WC-Papier gelten.

Einkaufswägeli als Zählsystem

Das Gartenhaus Wyss in Zuchwil plante aufgrund der Lockdown-Lockerung eine Türöffnung um 8 statt um 9 Uhr morgens. Weil aber bereits um 7.30 Uhr viele Menschen auf dem Parkplatz standen wurde die Gärtnerei schon 20 Minuten früher geöffnet. Insgesamt «lief alles ziemlich ruhig und sehr gestaffelt ab», zieht Geschäftsführer Hans Walter Müller am Mittag ein Fazit. Eine zweite Kundenwelle sei um 9 Uhr eingetroffen, da viele mit den normalen Öffnungszeiten gerechnet hätten. Insgesamt würden die Menschen ihren Einkauf ziemlich schnell erledigen, da das Bistro nicht geöffnet sei und man wisse, was man brauche, erklärt Müller: «Der Durchlauf ist viel schneller als sonst.»

Am Eingang und überall im Laden ist Desinfektionsmittel verteilt. Am Eingang weisen zwei Angestellte die Kundinnen und Kunden auf die Notwendigkeit hin, einen Einkaufswagen zu verwenden. So funktioniert im Zuchwiler Gartenhaus nämlich das Zählsystem. «Wenn wir keine Wagen mehr haben, lassen wir keine Leute mehr rein», erläutert Geschäftsführer Hans Walter Müller. Dies sei bei manchen Besuchern auf ein wenig Unverständnis gestossen. Die meisten Kundinnnen und Kunden hätten sich aber sehr verständnisvoll gezeigt.

Abstand halten

Neben bereitstehendem Desinfektionsmittel sind die vom Bundesamt für Gesundheit erlassenen Massnahmen vor den Geschäften auf diversen Plakaten und Merkblättern festgehalten. Beim Bau+Hobby in Trimbach war unter «Willkommen zurück!» die Aufforderung zu lesen: «Wir freuen uns, dich wieder beraten und bedienen zu dürfen. Bitte halte dich an die Hygienemassnahmen und den Abstand von zwei Metern.» Diese Massnahmen gelten auch für Waschanlagen, die am Montag gestürmt wurden, nachdem die Autos in den letzten Tagen und Wochen vom Blütenstaub regelrecht zugestäubt wurden.

Um sicherzustellen, dass sich die Kunden nicht queren, hat die VEBO-Gärtnerei Matzendorf einen Rundgang abgesteckt.

Kleines Fazit der Fotografen, die im Einsatz standen: In den Läden hält man sich an die vorgeschriebene und meist am Boden markierte Distanzregel. Im Geschäft selbst nimmt es der eine oder andere aber nicht mehr ganz so genau mit dem Abstand. Dafür setzen die Leute vermehrt auf Schutzmasken.

Schutzkonzepte müssen vorliegen

Geschäfte wie Baumärkte, Gartencenter oder Coiffeursalons dürfen nur unter Einhaltung von Schutzkonzepten wieder öffnen. In Läden müssen die Kunden genau gezählt werden. Auch in einem Coiffeur-Salon dürfen weniger Kunden gleichzeitig bedient werden als normal. Coiffeure und Kunden müssen Masken tragen, für Kunden müssen zudem Einwegmäntel bereitstehen. Es gilt eine Desinfektionspflicht.

Für die Einhaltung der Schutzkonzepte ist das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) beziehungsweise das kantonale Arbeitsinspektorat zuständig. Die einzelnen Schutzkonzepte der jeweiligen Geschäfte mussten vorgängig nicht genehmigt werden. «Wir kontrollieren aber, ob diese Schutzkonzepte jeweils eingehalten werden oder überhaupt vorhanden sind», sagt Jonas Motschi, Chef des AWA, auf Nachfrage.

Zu diesem Zweck seien ab heute extra Patrouillen unterwegs, die sich aus einer Person vom AWA und einer Person der Polizei zusammensetze. «Es werden vor allem Eingangskontrollen gemacht und geschaut ob die Anzahl Personen pro Quadratmeter und die nötige Distanz eingehalten wird. Bei Geschäften mit Körperkontakt, wie Coiffeursalons wird zudem darauf geachtet, ob die vorgeschriebenen Masken getragen werden», erklärt Motschi.

Falls die Schutzbestimmungen nicht eingehalten werden, werde das betroffene Geschäft ermahnt und aufgefordert sein Konzept anzupassen. Sollte sich die Situation bei einer baldigen Nachkontrolle nicht geändert haben, müsse das Geschäft geschlossen werden. Motschi zeigt sich aber zuversichtlich. «Ich nehme an, dass der Grossteil die Schutzkonzepte einhalten wird. Es wurde im Vorfeld ja genug darüber diskutiert und informiert. Allenfalls wird die Patrouille noch einige Ratschläge oder Tipps geben.»

Polizei lobt Umsetzung der Schutzmassnahmen

Christian Ambühl, Kommandant der Stadtpolizei Grenchen lobt die Planung der Landi bezüglich des erwarteten Ansturms. «Unsere Landi hat sich vorbildlich vorbereitet.» Um die Auflagen einhalten zu können, hätte man die Anzahl maximal erlaubter Personen auf 55 beschränkt, obwohl sich gemäss Fläche 200 Personen im Geschäft aufhalten dürften. «Es wird konsequent gezählt», sagt der Kommandant. Am Eingang werden zudem die Hände und Wagen der Kundschaft desinfiziert. Aber auch kleinere Geschäfte zeigten sich vorbildlich. Diese hätten bereits fleissig von den Aufklebern der Polizei, die zum Abstand halten mahnen, Gebrauch gemacht.

«Die Patrouille hat klar den Auftrag, die Entwicklung bei den Geschäften zu beobachten und nötigenfalls Einfluss zu nehmen», erklärt Ambühl. Dafür stünde Absperr- beziehungsweise Umleitungsmaterial bereit. Doch bislang halte sich der Ansturm in Grenzen.

Auch in Solothurn wird die Umsetzung der Schutzmassnahmen von der Stadtpolizei gelobt. Insbesondere beim Baumarkt Jumbo, wo man einen grossen Ansturm erwartet hatte, sei nichts negativ aufgefallen. Bislang seien auch noch keine Verstösse gemeldet worden, sagt Walter Lüdi von der Stadtpolizei Solothurn. Er gebe aber zu Bedenken, dass es für ein richtiges Fazit noch zu früh sei und sich die Lage jederzeit ändern könnte.

Wie es bei der Kantonspolizei Solothurn, die ja zusammen mit dem AWA für die Kontrolle zur Einhaltung der Schutzkonzepte verantwortlich ist, auf Anfrage heisst, werde sich in den kommenden Tagen zeigen, wie gut die Umsetzung der Schutzkonzepte funktioniere.

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