Um die Auswirkungen von Einspeisungs- und Verbrauchsdifferenzen bei Solaranlagen im Stromnetz auszugleichen, haben die Zürcher Elektrizitätswerke und ABB letztes Jahr eine gewaltige, 1 Megawatt starke Batterie im Stromnetz eingebaut. Dasselbe Prinzip, einfach viel kleiner, will die Luterbacher Solartechnik-Firma Helion Solar nun auf dem Einfamilienhausmarkt einführen.

Gefahr von Überlastung

Von Solarenergie-Skeptikern wird immer wieder ins Feld geführt, der am Mittag reichlich produzierte Solarstrom lasse sich nicht speichern. Mehr noch, er führe zu einer Überlastung des Stromnetzes. «Das Problem taucht in Quartieren mit vielen Photovoltaikanlagen (PV) tatsächlich auf. Wenn zu viel Strom eingespeist wird, können Überspannungen auftreten und Installationen beschädigen», erklärt Helion-Geschäftsleiter Noah Heynen. Namentlich in Riedholz sei man kürzlich damit konfrontiert worden.

In der Tat verwendet der Besitzer einer PV-Anlage den produzierten Strom nicht selber, sondern verkauft ihn meist zu einer nicht kostendeckenden Vergütung dem Elektrizitätswerk. «Dass der Besitzer einer PV-Anlage diesen Strom nicht für den Eigengebrauch verwenden kann, hält viele Interessenten davon ab, sich eine solche Installation anzuschaffen», glaubt Heynen.

Pilotanlage in Nennigkofen

Nicht jedoch, wenn man den eigenen Solarstrom speichern und beispielsweise nachts, wenn die Sonne nicht scheint, selber verbrauchen kann. Im Einfamilienhaus von Kaspar Frei in Nennigkofen hat Heynens Firma jetzt eine solche Anlage realisiert. Im Zuge einer energetischen Totalrenovation des 1956 gebauten Hauses wurde das Dach mit einer 6,1 kWp-PV-Anlage ausgerüstet. Im Keller des Hauses steht zusätzlich eine Einrichtung in der Grösse eines Gefrierschrankes, die den Wechselrichter enthält, weitere Steuerelektronik und ein Batteriepack, das gut 5 kWh Strom speichern kann.

«Dies entspricht der gängigen Batteriegrösse für ein Einfamilienhaus», erklärt Heynen. Sie deckt 60-80 Prozent des Verbrauchs ab, was aus Kosten-Nutzen-Überlegungen sinnvoll sei. Eine intelligente Steuerung entscheidet, ob der erzeugte Strom direkt zum Eigengebrauch, zur Speicherung oder zur Einspeisung ins Netz verwendet wird. Wenn die Batterie im Lauf der Nacht leer ist, wird Strom aus dem Netz bezogen.

«Gefahrlose Technologie»

Für die Stromspeicherung werden so genannte Lithium-Eisen-Phosphat Batterien verwendet. Diese eignen sich laut Heynen in vielerlei Hinsicht: Sie verkraften mehr als 7000 Ladezyklen und haben damit eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Zudem sei die Batterie im Unterschied zu anderen Lithiumbatterien (z. B. in Handys) höchst sicher. «Es besteht keine Gefahr dass der Akku thermisch durchgeht und durch eine Überhitzung einen Brand oder eine Explosion auslöst. Die Batterie – sie wird in China produziert – sei ausserdem rezyklierbar. Und nicht zuletzt sei man damit auch bei Stromausfällen gewappnet.

Nachteil: noch hoher Preis

Einen Nachteil des Systems muss Heynen aber einräumen. Das Speichersy‹stem ist teuer. Mit Kosten von 17 000 Fr. ist die Batterie in Nennigkofen noch am unteren Ende des Spektrums angesiedelt und kostet somit gleich viel wie die PV-Anlage. Nicht jeder wird sich die Investition leisten können. «Ich finde die Technologie interessant und möchte mit meiner Vorreiterrolle einen Durchbruch unterstützen», begründet Hausbesitzer Kaspar Frei sein Engagement.

Anlage statt Strom verbilligen

«Die Preise werden in Zukunft deutlich sinken, insbesondere wenn die Nachfrage gross ist. Das hat man bereits bei den Solarpanels beobachtet», erklärt Heynen dazu. Bestehende PV-Anlagen könnten später leicht mit Speichern nachgerüstet werden. «Dieses Vorgehen wird aufgrund der Steuerabzüge und der Förderbedingungen bevorzugt gewählt. Dafür habe ich auch volles Verständnis», sagt Heynen. Die Politik schwenke aber jetzt auf die Investitionsförderung für Anlagen unter 10 kWp ein. Und schliesslich erlaube die Speicherlösung, dass in Quartiernetzen bis zu 66 Prozent mehr PV-Anlagen installiert werden können.