Das Telefon von Raffael Weber klingelt ununterbrochen. «Die Anfragen haben deutlich zugenommen, teilweise sind die Konsumenten aufgeschreckt», sagt der Verkaufsleiter bei der Wyssbrod Heizöl AG in Biel und gleichzeitig Vizepräsident von Swissoil Bern-Solothurn, dem Regionalverband der Brennstoffhändler in den beiden Kantonen.

Grund für die Aufregung ist der soeben gefällte Entscheid der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die Rohölförderung zu drosseln. An den Weltmärkten ist der Preis für das «schwarze Gold» sofort in die Höhe geschossen – mit den entsprechenden Folgen für das Heizöl.

«Dieser Tage werden die Heizölpreise in der Schweiz auf ein neues Jahreshöchst steigen», kommentiert Weber den wegweisenden Entscheid. Wegweisend deshalb, weil die Opec erstmals seit 2008 ihre Produktion reduzieren will. Der Preis für den Heizstoff habe sofort reagiert; er stieg um drei Franken auf 76 bis 78 Franken, beobachtet der Experte. Das seien über 15 Franken mehr als im vergangenen Februar.

Kälteperiode wirkt sofort

Doch nicht nur der Opec-Entscheid treibe die Preise nach oben. «Auch die einsetzende Kälteperiode heizt die Nachfrage an.» Weber erklärt, dass in einem von der Wyssbrod AG belieferten Mehrfamilienhaus mit rund 50 Wohnungen der Heizölverbrauch allein im November gegenüber dem Vorjahresmonat um 25 Prozent gestiegen sei.

«Das ist für uns ein Referenzobjekt, um die Nachfrage einschätzen zu können.» Falls es auch in den kommenden Wochen kalt bleibe, könne die Nachfrage entsprechend steigen und die Preise weiter nach oben treiben.

Deshalb empfiehlt Weber jenen Hausbesitzern, deren Tanks nur noch wenig gefüllt sind, jetzt zu bestellen. «Denn solange der Preis unter 80 Franken je 100 Liter liegt, kann man von einem günstigen Niveau sprechen.»

Wer dagegen noch über genügend Heizöl verfüge, könne das Risiko sinkender Preise eingehen. In den vergangenen drei Jahren habe sich gezeigt, dass Heizöl jeweils in den Monaten Januar bis März am günstigsten sei, weil die Nachfrage weltweit jeweils tief sei.

Zudem relativiert er die Absicht der Opec-Staaten. Die beschlossene Drosselung entspreche nur gerade einem Prozent der weltweiten Tagesförderung; und sie soll erst auf Anfang 2017 umgesetzt werden.

Es könne also gut sein, dass sich die Preise an den Erdölmärkten nach der momentanen «Schockreaktion» wieder beruhigen würden. Weber spricht von einem «psychologischen Effekt». Und über alles gesehen liege das Angebot an Rohöl immer noch deutlich über der Nachfrage.