Solothurn

Heisser Sommer vermiest regionalen Pilzsammlern die Saison

Am Stand der Firma Pilz-Hüsli am Märet in Solothurn gibt es ein schönes Pilzangebot. Wer sich aber in diesen Tagen im Wald auf die Pilzsuche macht, wird in der Regel enttäuscht.

Am Stand der Firma Pilz-Hüsli am Märet in Solothurn gibt es ein schönes Pilzangebot. Wer sich aber in diesen Tagen im Wald auf die Pilzsuche macht, wird in der Regel enttäuscht.

Das diesjährige Sommerwetter bereitet nicht nur Freude: Wegen der Trockenheit gibt es für Pilzsammler in der Region fast keine Ernte und auch Restaurants müssen Abstriche machen.

Die aktuelle Pilzsaison will nicht in Gang kommen. Zu trocken und zu heiss war der diesjährige Sommer – suboptimale Bedingungen für das Gedeihen von Speisepilzen. Sammler aus der Region geben sich denn auch enttäuscht: «Es ist eine miserable Saison», sagt Georg Finger vom Verein für Pilzkunde Solothurn und Umgebung.

Aufgrund der unergiebigen Pilzernte musste auch mancher Restaurantbetreiber sein Angebot etwas anpassen: «Die Steinpilzkarte fällt jeweils weg, wenn wir keine entsprechenden Angebote bekommen», erklärt Daniel Hinzer, Wirt des Restaurants zur Post in Riedholz. In vergangenen Saisons habe er regelmässig Offerten von privaten Sammlern erhalten. Dieses Jahr haben sich vereinzelt Pilzpflücker gemeldet, die in Bergregionen wie Sörenberg oder im Emmental, wo es zu mehr Niederschlag gekommen ist als in tieferen Gefilden, gewisse Funde machen konnten. Für manche Gerichte reiche dies aber nicht aus, und er müsse auf Zuchtpilze wie den Perlpilz oder den Kräuterseitling zurückgreifen: «Die sind zwar geschmacklich etwas anders als frische Waldpilze.» Trotzdem gelinge auch damit eine gute Sauce. Finanziell entstünden Wirt Hinzer durch die Umstellung auf Zuchtpilze praktisch keine Mehraufwände.

Auch beim Egerkinger «Kreuz»-Wirt Louis Bischofberger gingen in dieser Saison kaum Angebote privater Pilzsammler ein. Er überbrücke den diesjährigen Ausfall mit Importen, erlaube sich aber auch, gewisse Gerichte von der Karte zu nehmen, wenn das einheimische Pilzvorkommen nicht ausreichend sei. Betroffen von den heiss-trockenen Sommermonaten sei auch der weisse Trüffel, den Bischofberger aus dem Piemont beziehe. Das wetterbedingt knappere Angebot steigere den Preis des sonst schon teuren Edelpilzes.

«Es müsste drei Tage lang durchgehend regnen», sagt der Oltner Pilzkontrolleur Heinz Walter, «dann wären sieben bis zehn Tage später wieder Fruchtkörper zu finden.» Aufgrund der seit Juni anhaltenden Trockenheit hat er weitaus weniger Pilze zu kontrollieren als in anderen Jahren. Es sei gar die schlechteste Saison seit 20 Jahren gewesen, sagt Walter, der selber bislang nur einen einzigen Steinpilz in den hiesigen Wäldern finden konnte. Da einheimische Gewächse wie der Steinpilz oder der Eierschwamm auch nicht gezüchtet werden können, seien die Restaurants nun auf Importe angewiesen, bestätigt auch Walter: «Die Eierschwämme kommen dann zum Beispiel aus Russland oder anderen osteuropäischen Ländern.» Eine Zucht sei deshalb nicht möglich, weil die meisten bei uns ansässigen Speisepilze nur in Verbindung mit Bäumen entstehen könnten. Erst durch die Symbiose mit den Wurzeln eines Baumes erhalten die Pilze die notwendigen Nährstoffe.

Schlecht sieht es bislang auch im oberen Kantonsteil aus: Georg Finger, der in Solothurn auch als Pilzkontrolleur aktiv ist, habe diesen Sommer praktisch nichts zu kontrollieren gehabt. Die derzeitigen Biswinde seien zudem auch nicht sehr förderlich für den Pilzwuchs, da sie den Waldboden zusätzlich austrocknen würden. Er hoffe nun auf den für die Nacht auf heute angekündigten Regen: «Wenn der Boden nicht gefriert, könnte es eventuell noch etwas werden.»

Keinen Einfluss scheint die unzufriedenstellende Saison auf die gesamtschweizerischen Pilzimporte zu haben, trotz der vermehrten Nachfrage durch Restaurantbetriebe. Gemäss Erhebungen der Eidgenössischen Zollverwaltung wurden in den fünf vergangenen Jahren jeweils rund 5,1 bis 5,3 Mio. Kilogramm Pilze in die Schweiz eingeführt. An den in diesem Jahr bis August importierten 3,4 Mio. Kilo dürften die wetterbedingten Bestellungen der Wirte einen verschwindend kleinen Teil ausmachen.

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