Heimatschutz
Heimatschutz weint eine Träne für das Stauwehr Winznau

In seinem Jahresbericht bedauert der Präsident des Solothurner Heimatschutzes den Abbruch des Oberbaus des alten Wehrs und kritisiert den geplanten Neubau.

Christian von Arx
Merken
Drucken
Teilen
«Identitätsstiftender Zeuge der Energiegewinnung und der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region»: Oberbau des Wehrs Winznau. uw

«Identitätsstiftender Zeuge der Energiegewinnung und der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region»: Oberbau des Wehrs Winznau. uw

Ueli Wild

Zwar hat der Solothurner Heimatschutz auf eine Einsprache gegen den Abbruch des Oberbaus des Stauwehrs Winznau verzichtet. Dass er ihm trotzdem nachtrauert, wird im diese Woche veröffentlichten Jahresbericht 2012 des Präsidenten Philipp Gressly (Solothurn) deutlich.

Im Rahmen der Konzessionserneuerung für das Wasserkraftwerk Gösgen plant Alpiq Hydro Aare AG eine vollständige Neuanlage des Stauwehrs Winznau. Der heutige, charakteristische Oberbau verliert seine Funktion und wird abgebrochen. Im Dezember 2012 genehmigte der Regierungsrat die Richtplananpassung, im November/Dezember lag die kantonale Nutzungsplanung auf.

«Im Sinne einer übergeordneten Interessenabwägung» verzichtete der Heimatschutz damals «keineswegs leichten Herzens» auf eine Einsprache (wir berichteten). Dennoch weint Präsident Gressly in seinem Jahresbericht dem 1917 in Betrieb genommenen Bauobjekt eine Träne nach: «Der Oberbau des Wehrs ist in seiner Ausgestaltung schweizweit einzigartig; er stellt einen identitätsstiftenden Zeugen der dortigen Energiegewinnung und der die Region prägenden wirtschaftlichen Entwicklung dar.»

Gerade deshalb wäre es, so Gressly, wünschbar gewesen, dass das künftige Wehr mit seiner Brücke «qualitätsvoll ausgestaltet» werde. Diese Anforderung erfüllt das Neubauprojekt in den Augen des Heimatschutzes aber offensichtlich nicht, weshalb er den Verantwortlichen einen kräftigen Tritt ans Schienbein versetzt: «Anders als in anderen Kantonen scheint es bei uns keine Selbstverständlichkeit zu sein, dass von einem gewinnorientierten Unternehmen, welches beispielsweise zum Zwecke der Energiegewinnung öffentlichen Raum beansprucht, im Gegenzug die Gewährleistung einer minimalen gestalterischen Qualität verlangt wird.»