Haustiere
Den Heimen und Züchtern gehen die Hunde aus – und sie machen sich Sorgen: «Was geschieht mit den Tieren nach Corona?»

Die Sehnsucht nach einem vierbeinigen Freund in Zeiten der Pandemie ist gross, und bleibt nicht ohne Konsequenzen. Züchterinnen und Züchter im Kanton Solothurn haben lange Wartelisten, und sind vorsichtig, wem sie ihre Tiere anvertrauen. Denn wer aktuell viel Zeit für ein Haustier hat, hat das vielleicht schon in wenigen Monaten nicht mehr.

Christina Varveris
Merken
Drucken
Teilen
Die Nachfrage nach Hunden in den Tierheimen ist gross.

Die Nachfrage nach Hunden in den Tierheimen ist gross.

Bild: Isabel Mäder

In Zeiten von Corona kann einen schon mal Langeweile und Überdruss einholen. Kein Wunder suchen sich die Menschen vermehrt einen kuscheligen Partner. «Schon seit dem Lockdown letztes Jahr ist das Interesse an Hunden und Katzen extrem gestiegen», sagt Lea Scheidegger vom Tierheim Aarebrüggli.

«Wir haben kaum noch Tiere, die wir vermitteln können.»

Noch immer kämen jeden Tag fünf bis zehn Anfragen rein. Oft hat es gar keine Tiere, im Moment warten gerademal drei Katzen und ein Hund auf ein neues Heim.

Über 10 Telefonanrufe pro Tag

Bei den Hundezüchtern im Kanton tönt es überall gleich. «Im Moment keine Welpen abzugeben», steht auf der Webseite der Zucht «Ozeane der Sterne» in Welschenrohr. Trotzdem klingelt das Telefon von Irene Jost täglich sicher 15 Mal. Vielleicht gibt’s ja doch noch ein Bolonka-Welpen. «Heute haben erst fünf angerufen», sagt Jost, aber es sei ja auch erst 9 Uhr morgens.

128 Hundeliebhaber stehen bei ihr auf der Warteliste. «Kolleginnen von mir pausieren mit dem Züchten», sagt Jost, «aus Angst, dass die Hündchen bei späterem Nichtbedarf am Strassenrand landen.» Irene Jost macht weiter, die letzten drei Hunde, die sie verkauft hat, waren seit 2019 reserviert, also vor Corona. «Wenn jemand so lange auf ein Hund wartet, dann will er ihn wirklich», sagt sie.

Auch bei der Zuchtstätte Wengerhof in Bellach verlängert sich jeden Tag die Warteliste um mindestens eine Person. Bei Janine Böhi kommen jährlich rund 10 Welpen zur Welt. Die Nachfrage nach ihren Collies, Grosspudeln und Zwergspitzen ist aber riesig. «Das ist auch ein Problem», sagt die Züchterin. «Viele Leute haben das Gefühl, sie hätten jetzt mehr Zeit.» Was aber, wenn die Normalität wieder einkehrt und man sein «altes» Leben wieder aufnehmen kann? Hat man dann noch Zeit für den Hund? «Ein Tier kann bis zu 16 Jahre alt werden.»

Dieselben Vorbehalte hat man auch im Tierdörfli Olten. Täglich gehen rund ein Dutzend Anfragen ein. «Wir nehmen alle Interessenten sehr genau unter die Lupe», sagt Leiterin Susanna Klein. Das betreffe sowohl die zeitliche, die wohnliche als auch die finanzielle Lage. Es werde geprüft, ob sie überhaupt in der Lage sind, sich langfristig um ein Tier zu kümmern. «Wir wollen sicher sein, dass die zukünftigen Halter die Bedürfnisse und Pflege ihres Vierbeiners auch nach den coronabedingen Einschränkungen und dem Home Office gewährleisten können», so Klein. So sind schon einige Interessenten in Olten abgeblitzt.

Hunde werden auch illegal gekauft

Die Hände gebunden sind den Tierheimen aber beim illegalen Welpenhandel. Und der floriere derzeit, sagt Janine Böhi, die auch Mitglied der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft ist, dem Dachverband der Hundezüchter. «Aber meistens sind solche Zuchtbetriebe nicht seriös», sagt sie. Die Welpen würden viel zu früh der Mutter entrissen, seien weder entwurmt noch geimpft und häufig krank.

«Solche kranke und unüberlegt angeschaffte Tiere enden dann in den Tierheimen oder beim Tierarzt und müssen oft eingeschläfert werden.»

In Olten hat das «Tiere-Zurückgeben» schon begonnen. «Bereits sind erste Vierbeiner aus dem Ausland bei uns abgegeben worden», bestätigt Susanna Klein. Das «Tierdörfli» hat trotz vermehrten Anfragen immer noch zahlreiche Hunde, Katzen und Meerschweinchen zu vergeben. Aber eben nur an verantwortungsvolle Besitzer.