«Es kommt wahrscheinlich nicht gut», hört man einen Genossen um 14 Uhr sagen. Ein jüngerer Parteikollege stimmt ihm zu. Nach Auszählung rund der Hälfte der Stimmgemeinden sieht es aus, als ob die SP einen Sitz an die CVP verlieren wird. Dennoch scheint die Stimmung im ersten Stock des Solothurner Volkshauses nicht sonderlich getrübt. Man freut sich, zusammen mit den Parteifreunden einen spannungsvollen Wahlnachmittag in der Nähe von Buffet und Bar verbringen zu dürfen.

Auch der bisherige SP-Nationalrat Philipp Hadorn ist im Stande, während des lockeren Gespräches mit seinen schwarz-rotgekleideten Kollegen hin und wieder herzhaft zu lachen. Womöglich ahnt er schon, dass das Resultat noch umschlagen wird.

«So wie es jetzt aussieht, wird Mörgeli nicht mehr gewählt», verkündet ein jüngerer SPler den Parteifreunden gegen halb drei die News auf seinem Handydisplay. Die angespannte Stimmung einiger Genossen, die mit dem Zürcher SVPler nicht sonderlich zu sympathisieren scheinen, wird durch die Nachricht etwas aufgelockert. Noch immer sieht es bislang nach nur einem Sitz für die SP aus. Dieser würde der bestplatzierten Kandidatin auf Liste 5 («SP Nord/Ost»), Bea Heim, zugutekommen.

Enttäuschende Ständeratswahl

Kurz vor 15 Uhr dreht das Resultat: Das SP-Mandat fällt nach Auszählung weiterer Gemeinden auf die Liste «SP Süd/West», womit der darauf derzeit stimmenstärkste Kandidat Philipp Hadorn gewählt wäre. Bea Heim müsste demnach ihren Nationalratssitz räumen. Die Genossen nehmen mit Erstaunen davon Kenntnis.

Noch ist aber die Gemeinde Olten, in welcher Heim vor allem Zuspruch geniesst, nicht ausgezählt. Wie mittlerweile auch klar ist: Roberto Zanetti gelingt die Wiederwahl in den Ständerat im ersten Wahlgang nicht. Die anwesenden SP-Mitglieder reagieren enttäuscht. Ein jüngeres Mitglied befürchtet, dass FDP- und SVP-Wähler sich im zweiten Wahlgang gegen die SP verbünden könnten.

15.11 Uhr: Die Leinwand verkündet nach Auszählung der Gemeinden Solothurn und Olten den zweiten SP-Sitz: Jubel und Applaus im ersten Stock des Volkshauses. Somit wäre je ein Kandidat von den beiden SP-Listen 4 und 5 gewählt. Zunächst ist jedoch unklar, welcher Kandidat von Liste 4 («SP Süd/West») nach Bern gehen wird: Franziska Roth liegt 98 Stimmen vor Philipp Hadorn. Als letztes Resultat fehlt aber noch jenes aus Hadorns Wohngemeinde Gerlafingen.

Eigentlich egal

Ein an sich spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen beginnt, das sich über eine Stunde hinzieht. Die Genossen scheint das aber nicht mehr gross zu kümmern: Sie freuen sich über die gelungene Verteidigung der beiden Sitze: «Ich bin erleichtert, dass wir die zwei Sitze halten konnten», sagt der ebenfalls kandidierende Soner Yaprak. Zwar sei es schade, würde Hadorn seine Erfahrung als Bisheriger nicht weiter einbringen können. «Letztlich zählt jedoch, zwei Sitze zu haben.» Ein anderer Genosse stimmt ihm bei: «Wer genau reinkommt, ist mir eigentlich egal.»

Um 16.11 Uhr ist schliesslich auch Gerlafingen ausgezählt: Philipp Hadorn darf im Nationalrat bleiben. Die Genossen quittieren das Definitivum mit einem letzten Applaus, um sich anschliessend sichtlich zufriedengestellt wieder ihren Gesprächen und Getränken zuzuwenden.

Nationalrats- und Ständeratswahlen im Kanton Solothurn: