Harziges Geschäft
Regenwetter vermiest Outdoor-Gewerbe im Kanton Solothurn die Saison

Das Wetter spielt in diesem Sommer bisher schlecht mit. Anbieter von Aktivitäten, die draussen stattfinden, kämpfen nach den Coronabeschränkungen nun mit Regengüssen und wechselhaften Aussichten.

Christoph Krummenacher
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Leere Badis: Die Besuchermassen blieben bisher aus, wie hier in der Badi Solothurn.

Leere Badis: Die Besuchermassen blieben bisher aus, wie hier in der Badi Solothurn.

Bild: Michel Lüthi

Der Sommer 2021 bot in Solothurn erst wenige Flipflop-Tage. Im Gegenteil: Weder Wetter noch Temperaturen luden zum Baden ein. Viel mehr sorgten teils heftige Unwetter für Sturmböen und Starkregen. Die Aare führt Hochwasser und der Himmel ist häufig wolkenverhangen.

In der nächsten Woche geht es voraussichtlich im gleichen Stil weiter. Montag und Dienstag ist für die Region Solothurn Regenwetter gemeldet. Immerhin scheint das Wochenende einigermassen trocken und vor allem sonnig bei um die 25 Grad zu werden.

Das launige Wetter ist für viele Outdoor-Angebote in der Region eine Herausforderung. Doch wie die Umfrage zeigt, leiden nicht alle gleichermassen.

Riveryard Zuchwil

«Scheisse», antwortet Markus Balsiger unverblümt auf die Frage, wie der Sommer für das Riveryard bisher verlaufen sei. Das «Grill & Chill» liegt am südlichen Aareufer gleich nach der roten Velobrücke zwischen Solothurn und Zuchwil. Weil praktisch alles ungedeckt ist, sind Balsiger und sein Team dem Wetter ausgeliefert.

Wie hält Markus Balsiger sein Team motiviert? «Wir treffen uns, trinken Kaffee zusammen und klagen übers Wetter – dann gehts weiter.»

Wie hält Markus Balsiger sein Team motiviert? «Wir treffen uns, trinken Kaffee zusammen und klagen übers Wetter – dann gehts weiter.»

Bild: Tom Ulrich

«Derzeit öffnen wir im Schnitt an zwei Tagen pro Woche. Letztes Jahr hatten wir im ganzen Sommer nur an zwei Tagen zu», zieht Balsiger den Vergleich. Allerdings sei er vom Vergleichen längst weggekommen. Wegen Corona ist die Situation seit längerem schwierig.

«Wir haben gehofft, nun die Löcher der letzten Monate stopfen zu können – jetzt müssen wir schauen, dass die Löcher nicht grösser werden.»

Die ständige Unsicherheit mache das Planen schwierig. Ein Rattenschwanz: Er habe viele Stundenlöhner, die nur verdienen, wenn sie arbeiten können. Der Metzger habe ebenfalls weniger Umsatz, wenn er weniger Gäste habe. Lebensmittel verderben, die Abläufe werden weniger effizient. Doch Balsiger bleibt optimistisch: «Am Wochenende wird's schön.»

So sähe es im Riveryard aus, wenn die Sonne scheinen würde.

So sähe es im Riveryard aus, wenn die Sonne scheinen würde.

Bild: zvg

Seilpark Balmberg

Im Seilpark auf dem Balmberg sind die Besucher ebenfalls draussen. In luftiger Höhe balancieren sie dort von Baum zu Baum, gesichert mit Seil und Karabiner. Begleitet werden die Kletterer von Bele Schmid und seinem Team. Für ihn war die Saison bisher trotz der noch wenig sommerlichen Temperaturen und diversen Unwettern gar nicht so schlecht. Im Gegenteil:

«Der Juni war sehr gut. Unser Vorteil sind die Schulreisen: Weil die Schulen im Winter nicht in die Skilager konnten, haben sie jetzt noch Budget und kommen zu uns.»
Chef des Seilparks Balmberg, Bele Schmid.

Chef des Seilparks Balmberg, Bele Schmid.

Bild: Hansjörg Sahli

Praktisch täglich tummeln sich Schulklassen aus der nahen oder weiteren Region in seinem Seilpark. «Bis zu 15 Schulklassen pro Tag», so Schmid. Das sei angenehm zum Planen. «Wir brauchen nicht 30 Grad und blauen Himmel wie eine Badi, bei uns kann man auch bei weniger heissem Wetter klettern – sogar Regen geht.»

Nur bei Gewittern müsse er schnell reagieren. Die Bäume und die exponierte Lage auf dem Berg seien dann gefährlich. Wenn nächste Woche die Schulferien beginnen, fängt für Bele Schmid die ungewisse Zeit an. Dann kommen die Gäste möglicherweise nicht, wenn es tröpfelt. «Oder es wird so heiss, dass alle in die Badi wollen – das merken wir schon», sagt der Seilpark-Chef ohne Neid.

Der Seilpark Balmberg ist weniger vom Wetter abhängig als andere Outdoor-Angebote.

Der Seilpark Balmberg ist weniger vom Wetter abhängig als andere Outdoor-Angebote.

Bild: zvg

Badi Solothurn

In der Badi Solothurn fiel der Saisonstart ebenfalls ins Wasser. Platz zum Liegen gäbe es genug, nur die Sonne fehlt. Chefbademeister Pascal Prétôt fasst es gegenüber Tele M1 in Zahlen: «Normalerweise hätten wir um diese Zeit bereits ungefähr 40'000–50'000 Badegäste. Das haben wir überhaupt noch nicht erreicht: Wir haben nicht mal einen Drittel.»

Chefbadmeister Pascal Prétôt in der Badi Solothurn.

Chefbadmeister Pascal Prétôt in der Badi Solothurn.

Bild: Wolfgang Wagmann

TCS Camping

Der Campingplatz an Westseite von Solothurn kämpft seit Wochen mit dem Wasser. Mit dem Resultat, dass trotz hoher Nachfrage viele Stellplätze leer bleiben. «Wir haben viele Parzellen, die unter Wasser stehen», erklärt Christoph Burgherr, Leiter des TCS Camping Solothurn, gegenüber Tele M1. Aufgrund des verdichteten Bodens fliesse das Wasser schlecht ab. Der Campingplatz-Chef wünscht sich daher eine längere trockene Phase.

Beitrag Tele M1 «Aktuell» vom 7. Juli 2021.

Video: Tele M1