Sek P

Harter Kampf um die besten Schüler im Kanton Solothurn

Alle wollen hoch hinaus.

Alle wollen hoch hinaus.

Die Sek E steht auch nach einem Jahr der neuen Ära immer noch im Schatten der Sek P. Die Zahl der Kanti-Schüler nimmt zu. Das Gewerbe befürchtet, dass die berufliche Bildung Zweite macht.

«Die neue Sek P versorgt die Kantonsschule mit reichlich Schülern, während die berufliche Bildung Zweite macht.» Das sagte Ernst Hürlimann, der abtretende Leiter des Berufsbildungszentrums Solothurn-Grenchen, letzte Woche gegenüber dieser Zeitung. Und er ist mit dieser Einschätzung nicht allein.

Ähnlich Befürchtungen sind jetzt, zu Beginn des zweiten Jahres der neuen Ära auf der Sekundarstufe I, vermehrt zu hören, vor allem vonseiten der Berufsschulen, von Gewerbevertretern und auch Politikern. Anlass dafür ist die hohe Übertrittsquote in die Sek P (Progymnasium).

Mehr angehende Maturanden als die Politik plante

Im letzten Jahr schafften 25 Prozent der 6.-Primeler den Übertritt ins Progymnasium, das die Schülerinnen und Schüler auf den Eintritt in die Maturitätsschulen vorbereitet. In diesem Jahr sind es 23 Prozent. Das aber ist, gemessen an den politischen Vorgaben, die sich in den Ergebnissen der kantonsweit einheitlichen Übertrittsprüfung spiegeln, zu hoch. Lediglich 18 Prozent hätten gemäss dieser Prüfung den Eintritt ins Progymnasium geschafft.

«Auffällige Diskrepanzen»

Aufgrund der hohen Quote in der Sek P fehlen der Sek E (Erweiterte Anforderungen) ein Teil der sehr guten Schüler. Die Sek E aber ist es, die eine Grundlage für die anspruchsvollen Berufsausbildungen samt Fach- und Berufsmaturität legt.

Kommt hinzu, dass - wiederum gemessen am Plansoll - zu wenige Schüler die Sek B (Basisanforderungen) besuchen. 41 Prozent aller Sechstklässler müssten es gemäss der kantonalen Prüfung sein, tatsächlich werden 34 Prozent im August in die Sek B eintreten. Das aber bedeutet: In der Sek E (mit 43 Prozent aller neuen Oberstufenschüler) versammeln sich zu viele Jugendliche mit einem eher schwächeren Profil.

Der Hintergrund für solche Abweichungen: Im Übertrittsverfahren spielen neben der kantonalen Prüfung die Noten des zweiten Zeugnisses der 5. Klasse und des ersten Zeugnisses der 6. Klasse eine wichtige Rolle. Und zudem haben die Lehrpersonen bei jenen Schülern, die auf der Kippe stehen, ein Wörtchen mitzureden.

Tendenziell fallen die Erfahrungsnoten besser aus als die Resultate der Prüfung und bei den «Zweifelsfällen» geht die Empfehlung häufig in Richtung der Abteilung mit den schulisch höheren Anforderungen. «Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Situation bereits verbessert», betont Yolanda Klaus, stv Chefin im Volksschulamt (VSA).

Schwierige Gespräche

In immerhin sechs der 25 Schulkreise stellt das VSA aber «auffällige Diskrepanzen» zwischen dem Ergebnis der Prüfung und den effektiven Übertrittsquoten fest. Mit den Verantwortlichen dieser Schulkreise seien, so Yolanda Klaus, denn auch klärende Gespräche geplant.

«In diesen Gesprächen müssen wir mit Widerstand rechnen», ist sich die stv. Amtschefin bewusst. Dies, obwohl die Vertretungen der Lehrerschaft an einem kantonal möglichst einheitlichen Verfahren interessiert sind, wozu auch vergleichbare Bemessungsgrundlagen für die Zeugnisnoten gehören.

Für Andreas Hänggi etwa, Vorstandsmitglied des Verbandes der Schulleiterinnen und Schulleiter Solothurn (VSL SO), ist dies eine «Frage der Chancengleichheit». Schwierig dürften die Aussprachen aber deshalb werden, weil die Schüler, die soeben ihr erstes Jahr in der neu gestalteten Oberstufe abgeschlossen haben, den Erwartungen entsprechen, gerade auch in der Sek P.

«Es braucht Aufklärungsarbeit»

Für Yolanda Klaus ist es nicht verwunderlich, dass ein Viertel aller 6.-Primeler den Anforderungen in der Sek P gewachsen ist. Dieser Prozentsatz umfasse in etwa die einstigen Unter- und Progymnasiasten sowie die guten Bez-Schüler, die alle über ein ähnliches Leistungsniveau verfügen.

Dies steht für Klaus aber nicht im Widerspruch zu einer tieferen Quote in der Sek P. «Die Schüler der Sek P und Sek E unterscheiden sich weniger in ihrer Leistungsfähigkeit, als vielmehr durch den bevorzugten Bildungsweg.» Ihr ist denn auch das «hierarchische Denken» zwischen der Sek E und Sek P ein Dorn im Auge. «Die Sek E richtet sich ebenfalls an sehr gute Schüler, aber eben an solche, die eine Berufsausbildung der Maturität vorziehen.»

Die Hauptaufgabe in den nächsten Wochen und Monaten werde es sein, so Klaus, Eltern und Lehrpersonen entsprechend zu sensibilisieren. «Es braucht noch mehr Aufklärungsarbeit», betont auch Andreas Hänggi als Vertreter der Schulleiter. Und selbst für Samuel Batzli, Kanti-Lehrer und Präsident der Sek-P-Konferenz steht ausser Frage: «Das Profil der Sek E als Grundlage für die Fachmaturität und die Berufsmatur muss gestärkt werden.» Und: «Auch sehr gute Schüler, die wissen, dass sie später eine Berufslehre machen wollen, sollen die Sek E besuchen.»

Wie viele machen die Matur?

Mit Spannung wird derzeit erwartet, wie viele der heutigen Sek-P-Schüler tatsächlich den Weg bis zur Matur einschlagen werden. Die Befürchtungen des Gewerbes bestätigen sich, wenn dies beim grössten Teil der Sek-P-Schüler der Fall ist; dies allerdings scheint bei einer Maturitätsquote von heute 14,6 Prozent eher unwahrscheinlich.

Ein erstes Mal wird sich der Trend am Ende des nächsten Schuljahres abzeichnen, wenn die Absolventen der zweiährigen Sek P erstmals in die Maturitätsschulen einsteigen - oder eben in die 3. Klasse der Sek E wechseln. Und ein zweites Mal dann am Ende der 1. Klasse der Maturitätsschule: Statt das obligatorische neunte Schuljahr in der Sek E zu verbringen, können Sek-P-Schüler dieses am Gymi «absitzen» und dann in eine Lehre einsteigen.

Beide Alternativen sind für künftige Lernende unter den Sek-P-Schülern durchaus möglich - aber alles andere ideal. «Wir hoffen, dass sich durch diese Erfahrung die Profile der Sek E und Sek P weiter verdeutlichen,» unterstreicht Yolanda Klaus.

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