Preise
Happige Unterschiede: Zwischen tiefstem und höchsten Stromtarif im Kanton liegen 550 Franken

Die Kunden der meisten Netzbetreiber erhalten die Energie 2018 zwar günstiger als im laufenden Jahr, viele werden trotzdem höhere Stromrechnungen bezahlen müssen. Der Netzzuschlag für die Förderung der erneuerbaren Energien «kompensiert» den Preisvorteil.

Urs Moser
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Beim Verbrauch sparen ist der sicherste Weg, um die Stromrechnung möglichst tief zu halten. Archiv

Beim Verbrauch sparen ist der sicherste Weg, um die Stromrechnung möglichst tief zu halten. Archiv

Andreas Kaufmann

Im Vergleich etwa zu den Krankenkassenprämien ist es natürlich schon fast ein Klacks, aber immerhin: Der Stromverbrauch kann in einem durchschnittlichen Haushalt ohne weiteres mit 1000 Franken und mehr pro Jahr zu Buche schlagen. Die Entwicklung des Strompreises spielt also nicht nur für die Grossverbraucher in der Industrie, sondern auch für das private Haushaltbudget durchaus eine Rolle.

Nachdem sämtliche Netzbetreiber ihre Tarife für das nächste Jahr festlegen und der Aufsichtsbehörde ElCom (eidgenössische Elektrizitätskommission) melden mussten, gibt es dazu keine guten Nachrichten: Der Grossteil der landesweit rund 650 Netzbetreiber passt die Tarife nach oben an, wenn auch moderat. Der Durchschnittspreis liegt bei 20,4 Rappen pro Kilowattstunde (kWh). Ein typischer Haushalt mit einem Verbrauch von 4500 kWh muss so 2018 mit einer Stromrechnung von rund 920 Franken rechnen, zwei Prozent mehr als im laufenden Jahr.

Viele Solothurner, vor allem im oberen Kantonsteil, werden tiefer in die Tasche greifen müssen. Der grösste Anbieter AEK (Aare Energie AG), der 28 Gemeinden mit rund 40'000 Einwohnern versorgt, verbannt Strom aus fossilen Energieträgern ganz aus dem Portfolio und setzt bereits beim Standardprodukt auf 100 Prozent erneuerbare Energie mit Umwelt-Zertifikat. Das ist sicher ganz im Sinn der Umsetzung der neuen Energiestrategie, hat aber auch seinen Preis: Die von der Regio Energie versorgten Hauptstädter zum Beispiel bezahlen nächstes Jahr mit 18.86 Rappen pro Kilowattstunde deutlich weniger für den Strom als die AEK-Kunden in den umliegenden Gemeinden mit 22.53 Rp./kWh.

Alle hier publizierten Preise entsprechen den Angaben der ElCom, die sich auf ein durchschnittliches Verbrauchsprofil mit einem bestimmten Mix aus billigem Nacht- und teurerem Tagstrom und das jeweilige Standardangebot beziehen. Sie weichen zum Teil leicht von den Zahlen ab, die von den Anbietern selber veröffentlicht wurden.

Ökostrom im Trend

Bei vielen Energieversorgern kann der Kunde aus mehreren Angeboten mit verschiedenem Strommix wählen (z.B. «grau» mit hohem Kernenergieanteil und «grün» mit ausschliesslich erneuerbaren Energien und hohem Solaranteil). In der Regel handelt es sich beim Standardangebot bereits um ein Produkt mit ökologischem Mehrwert. Bei der Solothurner Regio Energie zum Beispiel stammt der Strom des Standardangebots «so regional» zu 60 Prozent aus hauptsächlich regionaler Wasserkraft, rund 35 Prozent aus der Stromproduktion der Kehrichtverbrennungsanlage Kebag in Zuchwil und einem kleinen Teil Solarstrom.

Förderabgabe lässt Preise steigen

Charakteristisch für die aktuelle Entwicklung: Die eigentlichen Energiepreise und die Netzkosten sinken eher, dass unter dem Strich dennoch Preisaufschläge resultieren, ist vor allem auf die Bundesabgabe zur Förderung der erneuerbaren Energien (Kostendeckende Einspeisevergütung KEV) zurückzuführen. Der definitive Entscheid des Bundesrates steht zwar noch aus, aber allgemein ist davon auszugehen, dass er seinen Spielraum zur Erhöhung ausnutzen wird. Die Zahlen der ElCom in der nebenstehenden Tabelle basieren denn mit einer Ausnahme auch auf einer KEV-Abgabe von 2.30 Rappen pro Kilowattstunde. Nur die Tarife der AEK ist mit der bisherigen Abgabe von 1.50 Rp./kWh gerechnet.

Der durchschnittliche Strompreis 2018 liegt im Kanton Solothurn bei knapp unter 21 Rp./kWh und damit trotz leichten Preissenkungen in vielen Gemeinden etwa einen halben Rappen über dem schweizerischen Durchschnitt.

Dass der AEK-Standardstrom garantiert aus dem Produktionspark des Mutterkonzerns BKW kommt, macht ihn zwar teurer als ein Produkt mit einem hohen Anteil von Strom aus nicht näher definierten Quellen und ist so uneigennützig nun auch wieder nicht. Aber dafür seien die Kunden gegen steigende Marktpreise abgesichert, da die Tarife auf den Gestehungskosten der einheimischen Kraftwerke basieren, macht AEK-Chef Walther Wirth geltend.

Er rechnet mit wieder steigenden Preisen auf dem internationalen Markt, bei stabilen bis tendenziell sinkenden Gestehungskosten für den BKW-Kraftwerkpark (vgl. auch Ausgabe vom 1. September). Sprich: Der Preisvorteil einiger anderer Anbieter – er macht für einen durchschnittlichen Haushalt bei den meisten ohnehin kaum 100 Franken im Jahr aus – könnte von kurzer Dauer sein.

Grosse Bandbreite

Der Stromtarif setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen: dem eigentlichen Energiepreis, den Kosten für die Netznutzung und der Förderabgabe des Bundes (kostendeckende Einspeisevergütung KEV). Dazu kommen Abgaben an die Gemeinwesen, weshalb die Preise des gleichen Netzbetreibers von Gemeinde zu Gemeinde variieren können.

Mit der Elektra Birseck (versorgt das ganze Schwarzbubenland) und der Aare Versorgungs AG (15 Gemeinden im unteren Kantonsteil) schaut wie bei einigen Gemeindewerken auch bei zwei grossen Anbietern trotz höheren Bundesabgaben unter dem Strich sogar eine Preissenkung heraus. Damit wird man im Gegensatz zum schweizerischen Trend nächstes Jahr in fast der Hälfte der Solothurner Gemeinden etwas weniger für den Strom zahlen müssen.

Zwar sind es am Schluss meistens nicht Welten und es wird kaum jemand wegen dem Strompreis umziehen. Aber die Unterschiede sind doch beträchtlich. Den höchsten Tarif im Kanton Solothurn bezahlt man nächstes Jahr in Biezwil und Lüterswil-Gächliwil im Bucheggberg mit 25.18 Rp./kWh.

In der günstigsten Gemeinde Neuendorf im Gäu ist es mit 12.95 Rp./kWh kaum mehr als die Hälfte. Über ein ganzes Jahr gerechnet macht das für einen typischen Haushalt (sogenanntes Verbrauchsprofil H4: vierköpfige Familie, Fünfzimmerwohnung mit Elektroherd und Tumbler, ohne Boiler, Verbrauch 4500 kWh) einen doch happigen Unterschied von 550 Franken.