Solothurner Wirtschaft

Handelskammer-Direktor zur Corona-Krise: «Es gibt trotz allem auch Zuversicht»

Rasches Handeln ist nun für  Daniel Probst gefragt. (Archiv)

Rasches Handeln ist nun für Daniel Probst gefragt. (Archiv)

Handelskammer-Direktor Daniel Probst über die wirtschaftlichen Probleme, die durch das Corona-Virus auf den Kanton Solothurn zugerollt sind.

Wie beurteilt die Handelskammer die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise im Kanton Solothurn derzeit?

Daniel Probst: Wenn Bund und Kantone keine zusätzlichen Massnahmen ergreifen, droht eine verheerende Situation, die mindestens das Ausmass der letzten Finanzkrise im Jahr 2009 annehmen wird. Vieles hängt auch davon ab, ob, wie und wie rasch wir die Ausbreitung des Corona-Virus in den Griff bekommen.

Was braucht es derzeit am dringendsten?

Es braucht schnelle und unbürokratische Unterstützung. Vor allem ist es wichtig, dass die KMU mit Liquidität versorgt werden, weil ansonsten rasch die Insolvenz droht.

Der Bund steht in der Kritik, er stelle zu wenig Mittel zu Verfügung. Was halten Sie davon?

Der Bund hat in einem ersten Schritt 10 Mia. Franken zur Verfügung gestellt. Diese Mittel helfen kurzfristig, reichen aber nicht aus – die Funktionsfähigkeit des gesamten Wirtschaftssystems ist gefährdet.

Und was ist mit dem Kanton?

Er soll subsidiär unterstützen, insbesondere in den ersten Tagen schnell und unbürokratisch helfen, bis die Bundesmassnahmen greifen. Vor allem bei Einzelfirmen und Selbstständigen ist der Handlungsbedarf gross.

Konkret: Was fordern Sie?

Vor allem eine Ausweitung der Kurzarbeit auf weitere Personengruppen wie befristete Angestellte und geschäftsführende Inhaber, eine Unterstützung der Selbstständigen sowie grosszügige und günstige Überbrückungskredite und Bürgschaften.

Und welche Rolle sollte die Finanzwirtschaft spielen?

Die Banken haben derzeit eine wichtige Funktion, weil sie beim Thema Liquidität eine entscheidende Rolle spielen. Die hier tätigen Bankinstitute sind offen für die gemeinsame Erarbeitung von pragmatischen und tragfähigen Lösungen.

Über den Tag hinaus: Was ist für die hiesige Wirtschaft zentral?

Wenn Mobilitätsrestriktionen, Lieferengpässe und Arbeitsausfälle bis zum Sommer hinein anhalten oder die Massnahmen gar verschärft werden, wird es sehr hart werden. Ansonsten ist es wichtig, dass die Unternehmen dank Kurzarbeit und Liquiditätsüberbrückungen überleben und weiterhin die Löhne der Angestellten bezahlen können.

Gibt es etwas, das Sie in dieser Situation trotz allem zuversichtlich stimmt?

Ja, das gibt es. Erstens wissen wir aus vergangenen Krisen, dass unsere Unternehmen unglaublich agil, kreativ, und widerstandsfähig sind. Zweitens bin ich zuversichtlich, dass die Politik und die Behörden in der Krise die richtigen Instrumente findet. Und drittens spüre ich in der Bevölkerung – bei wenigen Ausnahmen – eine grosse Solidarität und Hilfsbereitschaft.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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