An Bundesrat
«Hände weg von Moutier-Bahn!»: VCS Solothurn lanciert Petition

An vielen Fronten wird bereits für den Erhalt der Bahnlinie Solothurn–Moutier gekämpft. Nun kommt eine weitere dazu: Der VCS sammelt Unterschriften für den Fortbestand. Die Bahn sei «unverzichtbar», so der VCS.

Sven Altermatt
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Die Moutier-Bahn steht einmal mehr vor einem beschwerlichen Aufstieg.
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2007 musste in Solothurn über die Gibelinstrasse eine Notbrücke eingerichtet werden
Solothurn-Moutier-Bahn
Der Bahnhof Gänsbrunnen präsentiert sich als Welt des Dämmerlichts
Im Berner Jura fährt die Bahn durch beeindruckende Schluchten
Bei Belphrahon im Berner Jura hat die Moutier-Bahn einen steilen Aufstieg vor sich

Die Moutier-Bahn steht einmal mehr vor einem beschwerlichen Aufstieg.

SZ-Archiv

Die Mitteilung ist lang, die Wortwahl eindringlich: «Hände weg von der Moutier-Bahn!» Wie am Mittwoch bekannt wurde, will sich nun auch der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) für den Erhalt der Bahnlinie Solothurn–Moutier einsetzen. Und zwar mit einem ziemlich populären Mittel: Der Verband lanciert eine Petition an den Bundesrat. Am Samstag sollen an den Solothurner Mobilitätstagen die ersten Unterschriften gesammelt werden. Unterstützt wird die Aktion auch von den Sektionen Basel, Bern und Jura, sagt Heinz Flück vom VCS Solothurn. «Diese Bahn ist weit über die Region hinaus beliebt und darf keinesfalls verschwinden.»

Doch genau das könnte bald passieren, wie Recherchen dieser Zeitung im August publik gemacht haben. Aus Sicherheitsgründen muss der Weissensteintunnel, das Herzstück der Linie, spätestens 2016 saniert werden. 170 Millionen Franken soll die Erneuerung kosten, heisst es beim Bund. Deshalb spielt man in Bern mit dem Gedanken, den Tunnel zu schliessen und die defizitäre Bahn aufs Abstellgleis zu schieben. Solche Planspiele stossen beim VCS auf Unverständnis. Für den Verband ist die Moutier-Bahn «die Lebensader vieler Gemeinden, ein wichtiger Bestandteil für den effizienten Weg zu Schule oder Arbeit und unverzichtbar für einen sanften Tourismus im Thal».

Opposition soll sich bündeln

Doch natürlich weiss Heinz Flück – der für die Grünen im Solothurner Gemeinderat sitzt –, dass sich mit mahnenden Worten allein wenig ausrichten lässt. «Die Opposition muss gebündelt werden», fordert er. So habe etwa Region Solothurn Tourismus bereits angekündigt, die Petition zu unterstützen.

Gekämpft wird längst an mehreren Fronten: CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt hat diese Woche wie angekündigt einen Vorstoss im Parlament eingereicht. Der Bundesrat wird sich also ohnehin zum Fortbestand der Bahn äussern müssen. Antworten fordert auch die SP-Fraktion im Solothurner Kantonsrat. Und die Thaler Gemeindepräsidenten appellieren in einem Brief an Verkehrsministerin Doris Leuthard. Ihre Sorgen sind augenfällig: Wenn die Bahnstrecke schliesst, wird eine zentrale Verbindung ins Mittelland gekappt. Mitstreiter finden sich nicht zuletzt im Leberberg und bei der Seilbahn Weissenstein. Diese ist darauf angewiesen, dass ihre Talstation in Oberdorf vom öffentlichen Verkehr erschlossen wird.

«Eine Luxus-Variante»

Die Bahnlinie nach Moutier sei ein unverzichtbarer Teil im Netz des öffentlichen Verkehrs, schreibt der VCS. «Sonst entsteht eine Lücke.» Der Verband warnt vor einer gefährlichen Spirale: Wenn die Strecke geschlossen wird, so die Befürchtung, habe das Auswirkungen auf nahe Bahnlinien.

Schwer verdaulich sind für den VCS auch die Zahlen, die der Bund auftischt. Natürlich seien 170 Millionen Franken viel Geld, sagt Heinz Flück. «Aber hier wurde wohl eine Luxus-Variante gewählt.» Wie viele andere kann er nicht verstehen, wie sich die Sanierungskosten zusammensetzen. Beim Betrag handle es sich um eine Schätzung, erklärte das Bahnunternehmen BLS im August. Man stütze sich auf eine Betriebsdauer von 50 Jahren – wie von der öffentlichen Hand gewünscht.

Erste Gespräche nächste Woche

Entschieden ist offiziell noch nichts. Das Bundesamt für Verkehr betont abermals: «Alle Optionen sind offen.» Dazu gehört eben die Möglichkeit, den Weissensteintunnel zu schliessen und die Bahnlinie stillzulegen. So oder so müssen die Kantone Bern und Solothurn weiterhin bereit sein, die Strecke zu betreiben und für ungedeckte Kosten aufzukommen. Nächste Woche treffen sich die Kantone mit dem Bund und der BLS zu ersten Gesprächen, wie Behördenkreise bestätigen. Und noch in diesem Monat ist ein Augenschein im Weissensteintunnel geplant.