Von Niederbipp nach Italien

Hakle's Swissness schwindet durch den Umzug — welche Rolle spielt die Umwelt in Zukunft?

Hakle hatte auf der Homepage einen Beitrag zum Schweizer Original. Dieser wurde gelöscht.

Hakle hatte auf der Homepage einen Beitrag zum Schweizer Original. Dieser wurde gelöscht.

Hakle wird künftig in Italien produziert. Auf der Fabrik von Kimberly-Clark in Niederbipp steht noch «Swiss made», auf der Homepage wurden Texte gelöscht. 

Man kann durchaus Profit ziehen aus der Verklemmtheit der Menschen. Ein gewisser Hans Klenk auf jeden Fall hat diese Tatsache vorzüglich zu nutzen gewusst. Klenk ist Gründer und Namensgeber der Toilettenpapier-Marke Hakle (bestehend aus den ersten Buchstaben seines Vor- und Nachnamens). Der erste Slogan von Klenk für sein Hakle 400 aus Krepp-Papier von 1938: «Verlangen  Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen!»

Das Nicht-Gesagte scheint noch immer wichtig zu sein bei Hakle, auch jetzt, da die einst deutsche Marke längst in amerikanischen Händen ist. Man will die Hygienepapierfabrik in Niederbipp verkaufen, oder man schliesst sie Ende April 2021, wenn das nicht gelingt. Weil man die Fertigungsbetriebe in Westeuropa «einer umfassenden strategischen Überprüfung» unterzogen hat, kam man zu diesem Schluss. Hakle wird künftig in Norditalien produziert.

«Im Mittelpunkt unserer Anstrengungen steht das Wohl unserer Mitarbeitenden», schreibt Kimberly-Clark auf Anfrage. Man sei sehr bestrebt, einen Käufer für die Produktionsanlagen in Niederbipp zu finden. In Gefahr sind die 265 Jobs in Niederbipp aber alleweil, die Gewerkschaft zweifelt, ob der Verkauf in wirtschaftlich so schwierigen Zeiten wie jetzt klappen wird. 

265 Jobs in Gefahr: Hakle will das WC-Papier künftig in Italien produzieren

265 Jobs in Gefahr: Hakle will das WC-Papier künftig in Italien produzieren

Hakle produziert in Niederbipp Toilettenpapier in Schweizer Qualität. Nun gab Hakle aber bekannt, dass die Produktion nach Italien ausgelagert werden soll. Damit sind jedoch 265 Arbeitsplätze in Gefahr.

Umzug nach Italien: Welche Rolle spielt die Umwelt?

Schon am Montag hatte diese Zeitung versucht, mit Hugo ter Braak, Länderchef Schweiz und Österreich von Kimberly-Clark, zu sprechen. Es klappte nicht. Doch wir kriegten schriftliche Antworten auf die drängendsten Fragen. Und die Aussicht auf ein Interview. Trotz umgehender Interessensbekundung brauchte es weitere Telefonate sowie ein Email, um am Dienstag zu erfahren, dass man sich der Dringlichkeit der Fragen bei Kimberly-Clark bewusst sei.  Aber: «Sie können sicher auch verstehen, dass Hugo ter Braak aktuell unterwegs an Gesprächen und nicht unmittelbar verfügbar ist.»

Dabei hätte es so viele interessante Fragen gegeben. Zum Beispiel diese: Warum löscht Kimberly-Clark den gesamten Text unter https://www.hakle.ch/de/uberhakle/swissness/ nach unserer Berichterstattung? Noch am Montag, das belegen unsere Screenshots, standen dort Dinge wie: «Auf die Auszeichnung «Swiss made» sind wir besonders stolz, denn der Qualität von Schweizer Produkten vertraut man weltweit.» Oder: «Für Sie als Kunde ist es ein gutes Gefühl, zu wissen, dass es ihr Hakle-Toilettenpapier nicht weit zu Ihnen nach Hause hat. Denn kurze Wege schonen die Umwelt.» Daraus ergeben sich Folgefragen: Was sind die Auswirkungen, wen nicht mehr in der Schweiz gefertigt wird? Und welche Rolle spielt die Umwelt künftig?

..

Die Antworten darauf fehlen vorläufig. Aber die Fragen verschwinden nicht. Ganz abgesehen davon, dass das Nicht-Gesagte schon immer irgendwie zur Identität des Toilettenpapierherstellers gehörte. Auch wenn heute niemand mehr Mühe hat, von Toilettenpapier zu sprechen.

Meistgesehen

Artboard 1