Zauberoper

Händels «Alcina» wird auf moderne Weise lebendig

«Alcina» Ljupka Rap kämpft vergeblich um «Ruggiero» Jan Boerner

«Alcina» Ljupka Rap kämpft vergeblich um «Ruggiero» Jan Boerner

Mit der Zauberoper aus dem Barock präsentierte das Theater Orchester Biel Solothurn TOBS zum Saisonende ein echtes Highlight.

Mit «Alcina» wird auf der Bieler und Solothurner Bühne Händels Musiktheater auf moderne und unterhaltsame Weise lebendig. In Alcinas Reich wird schamlos geflirtet, gelogen, betrogen und gemordet. In der Inszenierung von Alexander von Pfeil ist Alcina schwanger. Die Fäden laufen bei den schönen Schwestern Alcina und Morgana zusammen. Im Finale werden sie Opfer einer überbordenden Rache- und Gewaltorgie.

Denn Alcina ist böse, triebgesteuert und verdorben. Macht und Erotik sind ihre Spielwiese. Ist sie eines Liebhabers überdrüssig, verzaubert sie ihn in Felsen oder Tiere. Bis sie sich wirklich verliebt. In Ruggiero, der mit Bradamante verlobt ist.

Alcina will den Vater ihres Kindes an sich binden. Der Liebe verfallen, schwinden ihre Zauberkräfte. Ruggiero löst sich, findet zu Bradamante zurück. Gemeinsam erlösen sie die verzauberten Opfer. Danach verlieren Alcina und Morgana ihr Leben.

Glanzleistung der Damen

Die Magie der Frauen und der Zauberin lebt durch die Glanzleistung des Damenterzetts Anne-Florence Marbot, Candida Guida und Ljupka Rac sowie der süffig leichten und präzisen Stabführung von Maestro Franco Trinca, der das Sinfonie- Orchester Biel Solothurn zu einem von Virtuosität und Klangpracht sprühenden Händel-Highlight inspiriert.

Nachwuchstalent Sarah Kollé bezaubert durch natürliches Spiel und Singen in der Hosenrolle als Oberto. Wunderbar, dass mit Jan Börner die Partie des Ruggiero (ursprünglich für den Kastraten Giovanni Carestini geschrieben) für einmal nicht mit einem Mezzosopran, sondern mit einem Altus besetzt wurde.

Für den Spezialisten für Alte und barocke Musik eine willkommene Gelegenheit, auch auf der Opernbühne zu reüssieren. Als Darsteller noch ein bisschen verhalten agierend, überzeugt er musikalisch mit obertonreichem Timbre, souveränen Koloraturen und agiler Stimmführung.

Vom schmachtenden Verliebten bis zum cleveren Betrüger fächert er ein ganzes Arsenal an Gefühlen und Farben auf. Anne-Florence Marbot lenkt als frivole Morgana die amourösen Intrigen. Wobei sich die Schwester der Zauberin als gefährliche Femme fatale mit grosser Stimme entpuppt.

Anne-Florence Marbot setzt ihren Sopran expressiv und wandelbar ein («Tornami a vagheggiar»), elektrisiert mit lupenreinen Koloraturen und exzellenten Spitzentönen, singt und spielt mit vibrierender Intensität und breitem Farbenspektrum.

Eine eiskalte Verführerin

Von sinnlich verträumt bis dramatisch resignierend erlebt Ljupka Rac in der anspruchsvollen Titelpartie das ganze Spektrum weiblichen Empfindens. Ohnmächtig erkennt sie, dass sie mit den Zauberkräften auch den Sexappeal und die Magie über die Männer einbüsste.

Ljupka Rac ist eine eiskalte Verführerin, die letztlich alles verliert. Zumal ihre Nebenbuhlerin Candida Guida alias Bradamante ihren Ruggiero mit lyrischem Prachtmezzo zurückerobert und eine vokale Perle an die nächste reiht. Bewegend, wie sie die grosse Arie «All’alma fedel» gestaltet.

Bei den Männern singt Aram Ohanian einen kernigen Melisso und Valerio Contaldo ein mit Tenorschmelz ausgestatteten Oronte. In dem an Alcinas «steinernes Herz» erinnernden Einheitsbühnenbild und den eleganten Cocktailkleidern von Piero Vinciguerra entfaltet sich mit den geschmeidigen Stimmen und dem feurigen Barock-Orchester ein Opernabend, der begeistert.

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