Gastkolumne

Hände weg vom Investitionsprotektionismus!

Mit dem Export von Waren und Dienstleistungen verdient die Schweiz jeden zweiten Franken im Ausland.

Mit dem Export von Waren und Dienstleistungen verdient die Schweiz jeden zweiten Franken im Ausland.

Gastkolumne zum Thema warum Schweizer Unternehmen nicht vor ausländischen Übernahmen geschützt werden sollen

Es ist hinlänglich bekannt, dass unser Wohlstand massgeblich vom Aussenhandel abhängt. Mit dem Export von Waren und Dienstleistungen verdient die Schweiz jeden zweiten Franken im Ausland.

Weniger bekannt ist die Bedeutung von Direktinvestitionen für unser Land. Bei Direktinvestitionen erwerben ausländische Investoren Produktionsmittel wie Grundstücke, Betriebe oder Beteiligungen. Darunter fallen auch Gründungen von Tochtergesellschaften oder Auslandsniederlassungen. Sitze von ausländischen, multinationalen Unternehmen sind typische Beispiele für Direktinvestitionen.

Im September 2018 hat sich Avenir Suisse in einem Bericht ausführlich mit dem Thema beschäftigt. Als reiches Land ist die Schweiz sowohl eine wichtige Quelle wie auch ein wichtiges Ziel von grenzüberschreitenden Investitionen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung gehört die Schweiz zu den bedeutendsten vier Investitionsstandorten der OECD.
Direktinvestitionen sind ein wichtiger Treiber des Wohlstands der Schweiz. Dazu reicht ein Blick auf die «Multis» in unserem Land. Diese haben in der Regel ein höheres Produktivitätsniveau, zahlen tendenziell bessere Löhne, betreiben mehr Forschung und Entwicklung und werfen höhere Gewinne ab als ein durchschnittliches Schweizer KMU. Davon profitiert auch die inländische Wirtschaft, durch höhere Einkommen, Beschäftigung und Steuereinnahmen.

Nun führt die Globalisierung dazu, dass die ausländischen Investoren nicht mehr nur aus westlichen Industrienationen stammen, sondern vermehrt aus Schwellenländern. Das weckt natürlich politische Befindlichkeiten, vor allem wenn das grosse und ambitionierte China dahintersteckt und Schweizer Traditionsunternehmen wie Syngenta, Gategroup, Kuoni, Sigg, Eterna und Swissmetal betroffen sind.

Auch international hat sich der Wind gedreht. Zwar nehmen Direktinvestitionen weiterhin zu, aber seit Mitte 2017 grassieren in westlichen Industrieländern politische Initiativen, welche grenzüberschreitende Investitionen verhindern oder behindern wollen. Statt auf Wettbewerb zu setzen, soll die heimische Wirtschaft geschützt werden. In der Schweiz fordern vor allem nationalkonservative Politiker, zusammen mit globalisierungskritischen Kreisen, striktere Massnahmen von Investitionsprotektionismus.
Wichtigstes Argument einer restriktiveren Investitionspolitik ist der Schutz der nationalen Sicherheit und des nationalen Interesses. Es ist von strategischen Abhängigkeiten, von feindseligen Technologietransfers und von Unterwanderung die Rede.

Bis heute hat es die Schweiz weitgehend vermieden, bestimmte Technologiesektoren und Industrien zu schützen oder Direktinvestitionen zu kontrollieren. Das ist richtig so! Denn erstens sind bei uns sensible Bereiche wie die Infrastruktur, die Rüstungsindustrie, die Medien, die Stromwirtschaft und der Immobiliensektor bereits heute ausreichend gegen Übernahmen von ausländischen Investoren geschützt. Und zweitens tendieren die diskutierten Massnahmen dazu, allzu leicht Opfer von protektionistischen Partikularinteressen zu werden, statt wirklich zu schützen. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund, dass sie – vor allem vor den Wahlen – von vielen Politikern befürwortet werden.

Die Schweiz hat keinen Grund, von ihrem liberalen, wenn auch nicht schrankenlosen Weg abzuweichen. Direktinvestitionen haben in unserem Land massgeblich zum Wohlstand beigetragen. Sie haben unsere Volkswirtschaft gestärkt und die Schweiz gegenüber Krisen resistenter gemacht.

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