An der Wohnungstüre von Marcel von Arx hat sich ein grosses Insekt mit langen Beinen und einem getigerten Hinterleib niedergelassen. Die Musterung irritiert von Arx: Ist das etwa eine der gefährlichen Tigermücken, die mittlerweile in der Schweiz Einzug gehalten haben?

Die Recherche im Internet bringt keine klaren Ergebnisse: «Die dort abgebildeten Tigermücken sind alle weiss-schwarz gebändert und nicht gelb und eher von etwas anderer Körperform. Aber die meisten Fotos sind nicht sehr gut, was eine Bestimmung erschwert», schreibt von Arx in seiner E-Mail an die Redaktion.

Mückenexperte Pie Müller vom Schweizerischen Tropeninstitut in Basel nimmt die Fotografie von Marcel von Arx unter die Lupe. Bald gibt er Entwarnung. «Es handelt sich dabei nicht um eine Stechmücke, sondern um eine Wespe», erklärt Müller auf Anfrage. Und er präzisiert: «Das müsste eine Pflanzenwespe sein, die ihre Eier in Blätter oder Stengel legt».

Keine Mücken im Kanton Solothurn

Der auf medizinische Entomologie (Insektenkunde) spezialisierte Forscher ist Leiter des Pilotprojekts zur Bekämpfung der Tigermücke in der Schweiz, das vom Bundesamt für Umwelt in Auftrag gegeben wurde. Der am Donnerstag veröffentliche Bericht zu den Ergebnissen zeigt: Spuren der Mücke konnten in der Deutschschweiz an drei Standorten nachgewiesen werden. Der Kanton Solothurn zählt jedoch nicht dazu: Die nachgewiesene Eiablagen wurden auf Raststätten in den Kantonen Uri, St. Gallen und Bern gefunden.

Eine weibliche Tigermücke zu Beginn der Blutmahlzeit.

Eine weibliche Tigermücke zu Beginn der Blutmahlzeit.

Dort besteht jedoch keine Gefahr: Es hätten sich keine Hinweise auf flugfähige Tigermücken ergeben, heisst es im Bericht. Ausserdem würde das wärmeliebende Insekt den Wintern nördlich der Alpen wohl sowieso kaum überleben. Im Tessin dagegen hat sich die Mücke bereits vor Jahren angesiedelt.

Bekämpfung wird weitergeführt

Die Tigermücke kann tropische Krankheiten wie das Chikungunya-Fieber übertragen. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt sind die in der Schweiz vorkommenden Populationen aber nicht mit dem Virus infiziert und können den Menschen auch nicht anstecken. Bereits verzeichnete Fälle von Erkrankungen seien auf Reiserückkehrer zurückzuführen.

Mithilfe eines nationalen Programms möchte der Bund ab dem kommenden Jahr gewährleisten, dass ein allfälliges Einwandern der Mücken rechtzeitig erkannt und bekämpft werden kann. (ckk/sda)