Attacke
«Gute Freunde»: SVP-Kantonsrat empfindet diesen Facebook-Post als Hetze

Leonz Walker bezeichnet SP-Sekretär Niklaus Wepfer als «Brandstifter» – allein deshalb, weil dieser auf einem Foto mit zwei dunkelhäutigen Freunden posiert.

Sven Altermatt
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Der Facebook-Post von Niklaus Wepfer wird von Leonz Walker mit «Brandstifter» kommentiert.

Der Facebook-Post von Niklaus Wepfer wird von Leonz Walker mit «Brandstifter» kommentiert.

Facebook

Drei Männer, die entspannt in die Kamera lächeln. Drei Vertraute, die gemütlich auf einer Festbank sitzen. Drei Freunde, die eine Veranstaltung der Sozialdemokraten besuchen.

«Gute Freunde» gar, wie Niklaus Wepfer dazu schreibt. Der Parteisekretär der Solothurner SP ist der Mann in der Mitte des Fotos; am vergangenen Wochenende hat er dieses auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht.

Das entspannte Lächeln dreier Freunde, es kann ansteckend wirken. Und doch scheint das Bild bei manchen nichts als Zorn auszulösen: Der Bettlacher SVP-Kantonsrat Leonz Walker bezeichnet Wepfer in einem Kommentar als «Brandstifter» – weil er ebendieses Foto verbreitet hat. Der SP-Mann benutze Facebook, um Stimmung zu machen. «Er hetzt und missbraucht seine zwei Freunde.» Traurig sei das, folgert Walker und fragt: «Typisch SP?»

Hetzen, missbrauchen, brandstiften. Was hat Leonz Walker dazu veranlasst, Niklaus Wepfer nach der Veröffentlichung eines Bildes mit derart schweren Vorwürfen einzudecken? Offenbar fusst sein Kommentar auf einer reinen Äusserlichkeit: der Hautfarbe von Wepfers Freunden. Oder, nach seiner Logik: der falschen Hautfarbe. Die beiden Männer sind dunkelhäutig.

«Linke Stimmungsmache»

Walkers Kommentar sorgt auf Facebook für Empörung. Der Spitzengewerkschafter und SP-Kantonsrat Markus Baumann etwa bezeichnet den Post als «unterste Schublade». Derweil kommentiert der Schriftsteller Felix Epper, ihm könne Walker einfach nur leidtun. «Wie arm muss ein Leben sein, wenn man auf ein Bild mit fröhlichen Menschen so reagiert.»

Gegenüber dieser Zeitung spricht Walker von einer «bewussten Provokation Wepfers». In Zeiten von Flüchtlingskrisen sei ein «Bild mit solchen Leuten» falsch, sagt der SVP-Kantonsrat. «Es geht dabei um reine Symbolik und linke Stimmungsmache.»

Dunkelhäutig gleich Flüchtlinge gleich fehl am Platz? So einfach ist die Gleichung natürlich nicht. Da soll und darf sie auch nicht sein. Nicht nur, dass es sich bei den beiden Männern um «liebe und von mir geschätzte Freunde» handelt, wie SP-Sekretär Niklaus Wepfer auf Anfrage erklärt. «Einer von ihnen ist überdies ein verdientes Mitglied der Sozialdemokraten, und beide sind stolz auf die Schweiz mit ihrer gelebten Demokratie.»

Auf den Inhalt von Walkers Kommentar mag Wepfer nicht weiter eingehen. «Der Text zeigt offenbar einfach, dass er ein Problem damit hat, wenn sich Menschen integrieren und friedlich zusammenleben.» Damit konfrontiert, gibt sich Leonz Walker unbeirrt. Der persönliche Hintergrund der Männer auf dem Foto spiele in diesem Fall für ihn keine Rolle.

Wie wenig andere Politiker in Solothurn versteht es der langjährige Kantonsrat, die sozialen Medien zu nutzen. Bei Facebook äussert er sich zur Weltlage und nimmt dabei selten ein Blatt vor den Mund. So prangte auf dem Bild eines Posts etwa bereits die Parole: «Heute sind wir tolerant, morgen fremd im eigenen Land.»

Über linke Politiker nervt er sich ebenso wie über «Abschaumjournalisten», die nichts von den Problemen im Asylwesen wissen wollten. «Ich stehe zu meinen Haltungen», sagt Walker. Und genau das werde geschätzt.