Birdwatch 2019

Gut gelaunt auf der Suche nach Zugvögeln

Am europaweiten Zugvogeltag zeigten sich den Mitgliedern des Balsthaler Natur- und Vogelschutzvereins nur wenig gefiederte Freunde.

Die Zugvögel, um die es an diesem Wochenende ging, blieben am Samstag wohl lieber an einem trockenen Ort. Kaum blicken liessen sie sich jedenfalls in Sichtweite des Balsthaler Oberbergs, auf dem sich rund 20 Mitglieder des Balsthaler Vereins Natur- und Vogelschutz mit Feldstechern eingefunden hatten. «Es hat halt noch geregnet heute Morgen», meint Vereinsmitglied und Ehrenpräsident Hugo Roth. «Die Vögel brauchen es sonnig.» Unterdessen drehen zwei Rotmilane ihre Kreise über dem Tal. Ein Turmfalke lässt sich auf dem Dach einer Hütte in der Nähe nieder, um dann wieder seine Kreise um die Bäume in der Nähe zu ziehen.

Auf einem Tisch liegen verschiedene Flyer, etwa solche vom Verein und vom Naturpark Thal neben einer Zeitschrift über Vögel sowie ein viel benutzter Vogelführer mit zahlreichen Markierungen und Post-it-Zetteln. Eine handgeschriebene Liste zeigt, welche Vögel an diesem Morgen seit zehn Uhr bereits über den Oberberg geflogen sind. Vorne mit dabei sind der Star und der Buchfink, von denen sich je rund ein Dutzend zeigten. Diese Informationen schickt der Verein später an die Vogelwarte Sempach.

Europaweiter Anlass rund um Zugvögel

Am Wochenende fanden im Rahmen des «EuroBirdwatch» in ganz Europa Veranstaltungen statt, bei denen Zugvögel beobachtet wurden. Rund 60 Veranstaltungen fanden am Samstag und Sonntag allein in der Schweiz statt, organisiert von lokalen Sektionen und Partnerorganisationen von BirdLife Schweiz. In der Region Thal-Gäu luden neben Balsthal auch Vereine in Egerkingen, Gänsbrunnen (Subigerberg), Hägendorf, Herbetswil, Kestenholz, Mümliswil, Neuendorf und Oensingen zur Zugvogelbeobachtung ein.

Obwohl sich an diesem Samstag nur wenige Vögel blicken lassen und immer wieder Regenschauer fallen, lassen sich die Vereinsmitglieder die Stimmung nicht vermiesen. Vor dem Mittag sehnlichst erwartet wird die Suppe, die Vereinspräsident Walter Meister im Vereinslokal in Balsthal gekocht hat und auf den Berg hochbringt. «Jetzt kommt die Suppe!», ruft jemand. «Wo?», ruft jemand anderes. «Dort oben!», so das erste Vereinsmitglied lachend und auf die nahenden Nebelschwaden deutend. Etwas später trifft der Vereinspräsident samt Suppe dann doch ein und die Vereinsmitglieder ziehen sich in die warme Hütte zurück. Dort singen sie dem Vereinspräsidenten ein Lied zu seinem Geburtstag, der auf diesen Samstag fällt.

Die Gäste befreundeter Vereine blieben aus

«Die letzten Jahre hatten wir mehr Glück mit dem Wetter», findet Sonja Cadonau. «Jetzt müssen wir halt ein bisschen Sitzleder beweisen, bis das Wetter am Nachmittag hoffentlich besser wird.» Sie und ihre Vereinskollegin Daniela Spring sind beide seit rund vier Jahren Mitglied im Verein und waren schon mehrmals am ersten Oktoberwochenende auf dem Oberberg. «Normalerweise haben wir Gäste von anderen Vereinen. Diese gehen wir dann am Sonntag besuchen, wenn sie selbst eine Veranstaltung haben», sagt Cadonau, die vor vier Jahren mit ihrer Tochter den Anlass «Nacht der Eule» besuchte und sich dort für den Verein begeistern liess.

Neben dem Zugvogeltag beteiligt sich der Verein an allen Veranstaltungen der kantonalen Sektion, erzählt Vereinspräsident Meister. Weiter treffen sich jeden Monat rund 25 der über 60 Vereinsmitglieder zum «Vereinshöck». Hinzu kommen mehrere Exkursionen zu verschiedenen Themen in der ganzen Schweiz, etwa zu Wasser- oder Gartenvögeln. Dafür kann der Verein auf zwei ausgebildete Exkursionsleiter in den eigenen Reihen zurückgreifen. Ausserdem pflegen sie ein Biotop mit Weiher in St. Wolfgang im Auftrag der Bürgergemeinde. In Zweierteams reinigen und kontrollieren sie jährlich die knapp 550 Nistkästen in Balsthal und Umgebung, an denen sich Meisen, Sperlinge und Stare erfreuen.

Seit neun Jahren im Dienste des Vogelschutzes

Der Verein existiert in seiner jetzigen Form seit 2010, als sich die Abteilung Vogelschutz vom ornithologischen Verein Balsthal und Umgebung abspaltete und einen eigenen Verein gründete. Hugo Roth, zuvor Obmann der Vogelschutzabteilung, wurde zum ersten Vereinspräsidenten. Vor rund drei Jahren löste ihn Meister ab, Roth bekam den Titel des Ehrenpräsidenten verliehen.

Nach der wärmenden Suppe geht es weiter ans Beobachten bis am Nachmittag. Vorher warten aber noch Kaffee, eine Linzertorte und ein Cake auf die Vereinsmitglieder.

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