Wärmende Sonnenstrahlen auf der Haut, die Beine baumeln über den Gummibootrand in die Aare. Die Sonnenbrille und ein entspanntes Lächeln im Gesicht, ein kühles Bier in der Hand: Gibt es etwas Schöneres, als sich im Sommer von der Aare durch die Idylle treiben zu lassen? Wir haben bei der Wasserpolizei, bei einem Kapitän und bei «Böötlern» nachgefragt: Welches ist die beste Strecke und worauf müssen «Schlauchbootkapitäne» achten?

Es ist Freitagabend. Die Aare ist übersät mit Gummibooten, Kajaks, Ringen und Stand-up-Paddelbrettern.

Die «Kapitäne» sind Hobbysportler und «Freizeitböötler». «Bei schönem Wetter zieht es uns nach der Arbeit immer aufs Wasser», erzählen etwa zwei junge Männer mit Stand-up-Paddelbrettern. Diese sind aufblasbar und praktisch in einem grossen Rucksack transportierbar. «Nur die Paddel sind etwas umständlich mitzunehmen.» Nebenan versuchen zwei junge Frauen, ihr Gummiboot aus dem Wasser zu ziehen. «Wir sind noch nicht so routiniert», erklärt eine der beiden entschuldigend, «wir sind das erste mal alleine auf der Aare unterwegs.» Die Strecke von Altreu nach Solothurn haben sie aber ohne Zwischenfälle hinter sich gebracht.

Was Böötler dürfen und müssen

Was weder die Frauen noch die beiden Männer wussten: Auf der Aare gibt es einige Regeln zu beachten. Bis vier Meter grosse, einfache Gummiboote gelten grundsätzlich als Badegeräte, erklärt Pascal Studer, Leiter der Sondergruppe Schifffahrt der Kantonspolizei Solothurn. «Dazu gehören auch Luftmatratzen und Ringe». Diese müssen laut Studer mit Name und Adresse angeschrieben sein. Das hat einen einfachen Grund: «Wenn wir eine herrenlose Luftmatratze finden, müssen wir davon ausgehen, dass etwas passiert sein könnte», erklärt der Polizist.

Wenn sich auf dem Gerät Kontaktdaten befinden, könne man die Personen direkt kontaktieren. Bei Stand-up-Paddelbrettern sind gar eine Schwimmweste und Paddel Pflicht. Doch wird das wirklich kontrolliert? «Wir machen etwa zehn bis zwölf Kontrollfahrten im Monat», so Studer. Eine fehlende Schwimmweste bei Stand-up-Paddlern wird angezeigt und kostet etwa 100 Franken. Studer betont, dass es der Wasserpolizei einzig darum gehe, «Böötler» auf mögliche Gefahren zu sensibilisieren.

Die Polizei fordert Schwimmer zudem auf, grelle Badekappen zu tragen. Gibt es tatsächlich Menschen, die dieser Aufforderung nachkommen? «Badekappen trifft man in der Tat eher selten an, aber viele haben einen farbigen Schwimmsack bei sich». Hauptsache farbig, so sei man immer gut sichtbar. Wasser reflektiere, ein roter Schwimmsack könne Leben retten. «Oft sind Schifffahrer auf dem Wasser weniger aufmerksam als auf der Strasse», so Studer.

Bootsfahrt auf der Aare mit Pascal Studer von der Kapo Solothurn

Pascal Studer, Leiter Sondergruppe Schifffahrt Kapo Solothurn, über die Gefahren auf, am und im Wasser.

Wissen, wo man sich befindet

Was Studer bei «Böötlern» oft auffällt: «Ich finde es bedenklich, dass gewisse Menschen auf dem Fluss keine Ahnung haben, wo sie sich befinden.» Auf der Strecke Solothurn–Olten gibt es Stauwehre, Kraftwerke, auch gefährliche Stellen mit Widerwasser. Wenn man wisse, wo man sich befinde, sei man eher auf solche Hindernisse gefasst. «Deshalb immer kurz die Strecke und die Wetterbedingungen abchecken und dann erst aufs Boot», ist Studers Devise.

Er hat zudem Mühe damit, wenn Eltern eine Schwimmweste für ihre Kinder für unnötig befinden. Und ja, er treffe immer wieder auf alkoholisierte «Böötler». Er müsse aber sagen, dass die meisten nicht über die Stränge schlagen. So erklären auch die beiden Frauen mit Gummiboot: «Wir haben auf der Fahrt zwar Bier getrunken, hätten im Notfall aber noch gut reagieren können.» Nach wie vor gilt die Grenze von 0,5 Promille auch für «Böötlifahrer».

Vorsicht bei Brückenpfeilern

Weiter rät der Leiter der Sondergruppe Schifffahrt, Ringe oder Luftmatratzen nicht zusammenzubinden. Bei Brückenpfeilern können die Seile reissen oder gar die Boote kaputtgehen. «Oft bleiben bei Pfeilern Äste hängen, manchmal stehen Drähte hervor und die Strömung ist dort auch unberechenbar.» Studer empfiehlt deshalb, mittig zwischen den Pfeilern durchzupaddeln, dann könne nichts passieren.

«Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand.» Die Aare sei ein Terrain, welches dem Menschen nicht vertraut ist. «Distanzen sind auf dem Wasser schwer einzuschätzen. Auch sich selbst überschätzt man gerne», sagt er. Deshalb empfiehlt er, immer mit dem nötigen Respekt in und an die Aare zu gehen. Pascal Studer will die Menschen aber nicht abschrecken, er selbst gehe schliesslich auch «böötlen».

Die beste Strecke? Zwischen Murgenthal und Boningen. «Dort hat es nicht so viele Leute und es sieht ein bisschen aus wie am Amazonas.» Für Neulinge empfiehlt er die Strecke zwischen Biel und Solothurn. «Aber nicht, wenn die Bise geht, sonst kommt man nicht vom Fleck», fügt er lachend hinzu. Dem stimmen auch die beiden Frauen zu: «Zwischen Altreu und Solothurn fliesst die Aare nicht schnell. Perfekt für uns Anfänger.» Zudem gibt es auf dieser Strecke keine Stauwehre, wie etwa zwischen Solothurn und Olten.

Notstopps wegen Böötlern

Zwischen Biel und Solothurn verkehren aber noch andere, etwas grössere Gefährte. Markus Bärtschi ist Chefkapitän der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft und manövriert seit Jahren das Kursschiff an «Aareböötlern» vorbei. «Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn Leute Spass haben auf der Aare. Die Strecke ist und bleibt jedoch eine Verkehrsachse», so der erfahrene Kapitän.

Das Schiff habe einen Bremsweg von 150 Metern. Wenn er vor sich zusammengebundene Ringe und niemanden mit Paddel sehe, mache er sich immer auf einen Notstopp gefasst. «Letzten Sonntag musste ich von Altreu bis Solothurn achtmal eine solche Notbremsung einlegen.» Streng genommen könnte der Chefkapitän bei jedem Notstopp Anzeige erstatten, denn wer dem Kursschiff nicht Platz macht, behindert die öffentlichen Verkehrsmittel.

Was für Bärtschi schwierig ist: Die Leute auf der Aare wollen ausspannen und sich erholen, «einige vergessen dabei völlig die Kursschiffe oder paddeln vor lauter Panik in die Mitte der Aare». Bärtschi rät: Sobald sich ein Schiff nähert, frühzeitig in Richtung Ufer zu paddeln. Denn Distanzen und die Geschwindigkeit eines Schiffes seien auf dem Wasser nicht leicht einzuschätzen. «Deshalb immer frühzeitig reagieren.» Markus Bärtschi wünscht sich zudem, dass «Böötler» die Landestellen Altreu, Grenchen und Solothurn freihalten. In Solothurn müsse er das ganze Schiff drehen, welches 50 Meter lang ist. Da habe es daneben wenig Platz für Gummiboote. Wenn man auf der Aare aber ein wenig vorausschaue, kommen laut Bärtschi alle aneinander vorbei.

Inzwischen haben die beiden Frauen ihr Boot aus der Aare gezogen, die Luft rausgelassen und es in eine grosse Tasche gepackt. «Das machen wir wieder einmal, nicht wahr?» Barfuss schlendern sie Richtung Bushaltestelle.