Solothurner Gastro-Szene
Grüsel-Beizen sind Ausnahmen: «Man kann bedenkenlos essen gehen»

Vertreter der Amts für Wirtschaft und Arbeit und des kantonalen Gastroverbandes nehmen nach Berichten über Grüsel-Beizen im Kanton die Branche im Schutz. Die Mehrheit leiste sehr gute Arbeit. Was die Offenlegung von Kontrollberichten von Restaurants für die Gäste angeht, sind sie die beiden Auskunftspersonen aber nicht gleicher Meinung.

Noëlle Karpf
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Verdorbene Speisen im Lager und tote Fliegen auf einer verdreckten Küchenablage: Solche Beispiele gibt es auch aus der Solothurner Gastro-Szene. Es handelt sich jedoch um krasse Einzelfälle.

Verdorbene Speisen im Lager und tote Fliegen auf einer verdreckten Küchenablage: Solche Beispiele gibt es auch aus der Solothurner Gastro-Szene. Es handelt sich jedoch um krasse Einzelfälle.

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Peter Oesch, Präsident des Branchenverbandes Gastro Solothurn, erfuhr an der Oltner Fasnacht von den Recherchen von Tamedia, bei welcher über 700 Strafanzeigen ausgewertet wurden – und auch Solothurner Beispiele verdorbener Lebensmittel und verdreckter Küchen aufgedeckt worden sind. «Ich habe schon etwas aufgehorcht», sagt Oesch.

Gleichzeitig wehre er sich auch gegen eine Pauschalverurteilung der Branche: «Die Mehrheit der Wirte macht einen super Job.» Anders als früher sei aber beispielsweise, dass man in Kantinen, Restaurants und Badi-Beizen nicht mehr vorwiegend Berufsleute vorfinde – sondern jeweils eine Person mit gesetzlicher Zulassung. «Beim restlichen Personal handelt es sich oft um eher wenig geschulte Personen; da ist das Verständnis für etwa Hygienevorschriften natürlich nicht gleich gross.»

Die Anforderungen für die Zulassung als Wirt sind 2016 verschärft worden; Neueinsteiger müssen einen Kurs absolvieren und gewisse Anforderungen nachweislich erfüllen, ehe sie einen Betrieb eröffnen. Hier könnte sich die gesetzliche Grundlage aber wieder leicht ändern. Derzeit wird das kantonale Wirtschafts- und Arbeitsgesetz teilrevidiert. Den Nachweis für den absolvierten Kurs sollen Wirte demnach auch noch während des ersten Betriebsjahres nachweisen können. Das lehnt der Verband klar ab, so Oesch.

Zudem: «Wir haben im Rahmen der Vernehmlassung klar deponiert, dass es im Bereich der Hygieneanforderungen keine Lockerungen geben darf», sagt der Präsident von Gastro Solothurn.

Die Änderungen sollen laut Amt für Wirtschaft und Arbeit 2021 in Kraft treten. Zur aktuellen Situation in der Branche im Kanton betont Amtsleiter Jonas Motschi zudem, dass die Gastwirtschaftsbetriebe «einen hohen Qualitätsstandard aufweisen» –«Man kann wirklich bedenkenlos essen gehen.» Was laut Motschi die Transparenz für Gäste und Eigenverantwortung der Betriebe erhöhen würde: eine Selbstpublikation der Ergebnisse der Lebensmittelkontrolle durch die Gastbetriebe.

Anderer Meinung ist da Oesch: «Erstens ist das immer nur eine Momentaufnahme. Zudem: Wenn
ein Restaurant schlecht abschneidet, bleibt dieses Restaurant in den Köpfen haften, auch wenn die Probleme umgehend behoben werden», so Oesch. Und auch wenn ein neuer
Wirt übernimmt, der einwandfrei wirtet.