Grundwasser belastet
Kanton Solothurn führt schweizweit grösstes Nitratprojekt Gäu-Olten weiter

Ziel nicht wirklich erreicht: Die Nitratwerte im Grundwasser in der Region Gäu-Olten sind unbefriedigend. Die Werte sind zwar weit entfernt von der Toleranzgrenze, erreichen aber auch nicht das Qualitätsziel. Der Kanton Solothurn führt daher das Nitratprojekt mit dem Bund weiter, wie der Solothurner Regierungsrat am Dienstag beschloss.

Urs Moser
Merken
Drucken
Teilen
Ein Bauer bringt Gülle aus.

Ein Bauer bringt Gülle aus.

Netzer Johannes

Versickert auf Ackerland Nitrat und gelangt ins Grundwasser, schadet das der Umwelt. In hoher Konzentration im Trinkwasser kann Nitrat auch für den Menschen gesundheitsschädlich sein. Im Gäu, wo zwischen Oensingen und Olten der Dünnern-Grundwasserstrom verläuft und rund 75'000 Menschen mit Trinkwasser versorgt, läuft deshalb seit 20 Jahren das schweizweit grösste Projekt zur Nitratreduktion.

Dieses geht jetzt in die sechste Runde, der Bund hat grünes Licht für die Fortführung bis 2026 und die Ausweitung des Projekts gegeben. Es umfasst nun auch Teile der Gemeinde Niederbipp und eine Fläche von total 2005 Hektaren, wovon 1384 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche sind. Total machen in der vierten Periode 128 Landwirtschaftsbetriebe mit.

Stabilisierung ist schon ein Erfolg

Zwei Werte sind in der Nitratdiskussion zentral: Der Toleranzwert für Trinkwasser liegt bei 40 mg/l, das Qualitätsziel für Grundwasser bei einem Nitratgehalt von maximal 25 mg/l.

Zu Beginn des Nitratprojekts lagen die Werte in den Grundwasserpumpwerken der Region Gäu-Olten klar über dem Qualitätsziel, zum Teil kamen sie haarscharf an den Toleranzwert heran. Die Werte sind zumindest nicht weiter angestiegen, sie erreichen heutzutage nirgends die Toleranzgrenze von 40 mg, sind aber auch nicht bis auf das Qualitätsziel von 25 mg gesunken. Man habe eine Stabilisierung erreicht, ohne das Nitratprojekt würde man heute jenseits der Toleranzgrenze liegen, sagt Gabriel Zenklusen, Chef des Amts für Umwelt.

Ausbringen von Jauche mit Hilfe eines Schleppschlauchverteilers.

Ausbringen von Jauche mit Hilfe eines Schleppschlauchverteilers.

Pius Amrein

Das Idealziel, da darf man sich keine Illusionen machen, wird auch nach der vierten sechsjährigen Projektperiode nicht erreicht sein. Die Senkung des Nitratgehalts ist gerade in der stark belasteten Region Gäu-Olten eine sehr langfristige Sache. Denn je länger Wasser unterwegs ist, bis es gefördert wird, desto länger dauert es, bis sich die Umstellung auf eine nitratärmere Bewirtschaftung der Böden bemerkbar macht. Und in der Region haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass das aus dem Dünnern-Grundwasserstrom geförderte Wasser wesentlich «älter» ist als lange angenommen. Kommt hinzu, dass das von landwirtschaftlichen Einflüssen geprägte Grundwasser hier nur wenig durch nitratarme Zuflüsse aus der Dünnern oder den seitlichen Talflanken verdünnt wird. Auch das macht es umso schwieriger und langwieriger, auf tiefere Nitratwerte zu kommen.

10,2 Millionen stehen für die nächste Etappe bereit

Für die nächste Periode des Nitratprojekt bis 2026 stehen 10,2 Millionen Franken zur Verfügung. Rund 80 Prozent der Kosten trägt der Bund, den Rest zum grössten Teil die sieben Wasserversorgungen der Region. Im Wesentlichen geht es darum, dass Landwirtschaftsbetriebe eine Abgeltung dafür erhalten, dass sie mit verschiedenen Massnahmen dazu beitragen, die Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser zu reduzieren.

Das kann zum Beispiel die Stilllegung von Ackerland beziehungsweise die Bewirtschaftung als extensive Wiese bedeuten. Bei einer speziellen Düngmethode geht es darum, den noch verfügbaren Stickstoff im Boden zu messen und die Düngung entsprechend anzupassen, sprich zu reduzieren. Weiter reduziert sich die Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser durch eine eingeschränkte Bodenbearbeitung und eine Winterbegrünung der Felder. Möglich ist auch die Förderung des Anbau von alternativen Kulturen mit einem niedrigen Stickstoffbedarf. Das sind zum Beispiel Quinoa, Braugerste oder Hafer.