Mitte Mai publizierte die kantonale Wirtschaftsförderung im Amtsblatt eine ungewöhnliche Ausschreibung. Gegenstand ist die «Gründungsberatung ab 2014 im Kanton Solothurn». Demnach können sich Dienstleister für den Auftrag zur Förderung von Jungunternehmen im Kanton Solothurn bewerben. Der Auftrag umfasst eine dreijährige Leistungsvereinbarung mit dem Kanton mit einem Kostendach von jährlich 75000 Franken. Eingeschlossen ist eine Option auf Verlängerung des Auftrages.

Seit 1998 ist für diese Dienstleistung das Gründerzentrum Kanton Solothurn zuständig. Der Verein finanziert sich über Mitglieder- und Sponsorenbeiträge (Firmen, Verbände und Gemeinden). Hinzu kommt eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Solothurn über 75000 Franken jährlich.

Diese Vereinbarung läuft Ende 2013 aus und der Geschäftsführer des Gründerzentrums, Roland Simonet, wird auf denselben Zeitpunkt hin pensioniert. Deshalb spricht Karin Heimann, Leiterin der kantonalen Wirtschaftsförderung, von «einem günstigen Zeitfenster und einer Chance, um neue Ideen zur Jungunternehmerförderung einzubringen». Sie will die Ausschreibung nicht als Kritik an der bislang geleisteten Arbeit des Gründerzentrums oder gar als Misstrauensvotum verstanden wissen. «Das Zentrum engagiert sich sehr.»

«Erhoffte Wirkung nicht erzielt»

Allerdings zeigen die Ausschreibungsunterlagen, dass die Wirtschaftsförderung Handlungsbedarf sieht. Von der ursprünglichen Idee des Gründerzentrums, das Jungunternehmertum zu unterstützen, «ist aus verschiedenen Gründen nicht viel übrig geblieben». Und: «Das Gründerzentrum konnte die ursprünglich beabsichtigte Wirkung, nämlich wertschöpfungsintensive Neugründungen im Kanton dank eines Gründerzentrums, nicht erreichen.» Bei der grossen Mehrheit der Beratungen handle es sich um Neugründungen im Dienstleistungsbereich mit «geringer volkswirtschaftlicher Relevanz».

Diese Bilanz will Roland Simonet nicht schönreden, aber einordnen. Das Zentrum habe sich auf Erstberatungen und auf die Vermittlung weiterführender Dienstleistungen konzentriert. In der Tat handle es sich mehrheitlich um gewerblich- und dienstleistungsorientierte Selbstständigerwerbende. «Aber wir leisten gute Dienste für die Wirtschaft.» So würden jährlich rund 40 Erstberatungen geführt, woraus durchschnittlich 15 Neugründungen entstanden seien. 2012 seien es bislang 6 Gründungen aus 17 Erstberatungen.

Strategie abgesegnet

Zudem basiere die heutige Strategie und das verfolgte Geschäftsmodell auf Beschlüssen aus dem Jahr 2007, die unter Mitwirkung der Wirtschaftsförderung – sie ist im Vorstand des Vereins vertreten – entwickelt und gefällt worden seien. Die bis 2011 laufende Leistungsvereinbarung sei ohne wesentliche Veränderungen bis Ende 2013 verlängert worden, sagt Simonet. Die Einschränkung der angebotenen Leistungen sei auch finanziell bedingt, durch den Rückgang der Gönner- und Mitgliederbeiträge sowie die Kürzung des Kantonsbeitrages um 25000 Franken. «Insbesondere sind unter den seit 2008 geltenden Voraussetzungen keine grossen Marketingaktivitäten mehr möglich.»

Oberste Maxime sei, in einem möglichst frühen Stadium, bevor sich ein Klient definitiv für die Selbstständigkeit entscheide, mitzuhelfen herauszufinden, «ob die Geschäftsidee auf dem Markt eine Chance hat und ein nachhaltiges Einkommen möglich ist.»

Dass damit nicht die grossen Firmenansiedlungen erreicht werden, liegt auf der Hand. Deshalb betont Wirtschaftsförderin Heimann nochmals, dass die Einschätzung der Wirkung des Gründerzentrums «nichts mit der angebotenen Dienstleistungsqualität» zu tun habe. Es gehe vielmehr darum, den neuen Gegebenheiten Rechnung zu tragen. So seien viele Projekte für die Jungunternehmerförderung entstanden. Sie erwähnt «plug&start» und «UpStart» der FHNW, den BusinessParc im Schwarzbubenland oder «InnoStart» vom Wirtschaftsförderungsverein Innostep. «Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen wird die staatlich finanzierte Jungunternehmerberatung im Kanton Solothurn grundsätzlich überprüft.» Die neue Organisation müsse offen für eine Zusammenarbeit sein.

Grosses Interesse am Auftrag

Auf die Ausschreibung hätten sich, so Heimann, bereits rund 20 Interessenten gemeldet. Ob der Verein Gründerzentrum Solothurn ein eigenes Angebot einreichen wird oder in Kooperation mit jemand anders, werde der Vorstand im August festlegen, hiess es an der Generalversammlung diese Woche. Vereinspräsident Fritz Tanner zeigte sich zuversichtlich, eine gute Lösung für die Zukunft des Gründerzentrums zu finden.

Leise Kritik am Vorgehen der Wirtschaftsförderung äussern die Handelskammer, in die das Gründerzentrum eingebettet ist, sowie der Gewerbeverband. Als massgebliche Vertreter aller Solothurner Unternehmen und damit auch als Ansprechpartner für die Verwaltung hätte man es sehr begrüsst, in die Vorbereitungen der öffentlichen Ausschreibung eingebunden zu werden.