Bühne Burgäschi

«Grüezi» nimmt Sitten und Gebräuche mit viel Augenzwinkern aufs Korn

«Grüezi», eine Operette aus dem Dreissiger Jahren, wird von der Bühne Burgäschi dem heutigen Publikum schwungvoll erzählt.

Das muss man einfach gesehen haben: Rekordverdächtig 14 Meter hoch und mächtig breit ragt die als Bergmassiv ausgeformte Kulisse in der eigens für die kommenden 20 Vorstellungen der Operette «Grüezi» errichtete Bühnen- und Zeltstadt westlich des Aeschisee auf. Eingefügt in diese Spiellandschaft sind unterschiedlichste Plattformen, zu öffnende Fenster und der ganz raffiniert überdeckte Raum für das Orchester.

1934 war «Grüezi» von Robert Stolz und seinem Autorenteam in Zürich uraufgeführt worden und sollte für die Schweiz so erfolgreich und landestypisch sein, wie die Ralph Benatzky- Operette «Im weissen Rössl am Wolfgangsee» für Österreich. Entstanden ist hier nun ein prall-bunter Bilderbogen, der hiesige Gebräuche, Sitten, Verhaltensmuster und auch Volksmusik – gelegentlich als Klischees – mit viel Augenzwinkern aufs Korn nimmt. Dass dieses pittoreske Stück in den politisch hoch belasteten Dreissiger Jahren einen doppelbödigen Charakter als Gegenpol zum Nazi-Regime aufweisen sollte, greift die heutige Inszenierung von Melanie Gehrig Walthert in ihrer an Ironie und Persiflage reichen Erzählweise auf. Eine «Reise in die Schweiz» war damals und ist eben auch heute noch etwas Besonderes.

Erlebnisreiches Zuschauen

Der Inhalt dieses Opus ist schnell erzählt: Um die Gunst der Hotelsekretärin Gritli (Melanie Gehrig Walthert) bewerben sich die drei Söhne von Hotelier Gottlieb Blümli, die dreisprachig aufgewachsenen Francesco (Fabio De Giacomi), Francois (Tobias König) und Franz (Michael Hasenfratz). Dem lieben Familienfrieden zuliebe, will auch der «opferbereite» Blümli (Hermann Gehrig) plötzlich das Gritli heiraten. Einen Strich durch die Rechnung macht allen Filmregisseur Karl Hell (Roger Bucher), der nach kurzem Missverständnis Gritli doch für sich gewinnt. Die Söhne trösten sich mit den Feriengästen Marie (Fabienne Skarpetowski), Marietta (Melanie Braun) und Marianne (Arlette Wismer). Ein Multitalent ist Portier Köbi (Emanuel Gfeller), der sich später sogar in eine klamaukig-angriffslustige Sennerin verwandelt.

Die gesamte Handlung lebt von den originell-zelebrierten Einfällen. Liebevoll veralbert mit komödiantisch kurzen Akzenten wird alles militärische. Aber Musse für ein stimmungsvoll gestaltetes Jodelduett (Wismer/König), ein Alphorn-Solo und eine Einlage in Steinstossen und Schwingen besteht auch. Ständig belebt ist die breite Bühne durch Handlungen der zahlenmässig grossen Statisterie, die als Hotelpersonal, Chor, Wander- und Tanztruppe und sogar etwas schräg als Zwerge mitwirkt. Nicht vergessen werden darf die übrige Ausrüstung wie die Gondel, die nostalgische kleine Eisenbahn mit viel Dampf und ihr grosses Loki-Pendant.

Mitreissendes Zuhören

Dirigent Reimar Walthert umgibt das aktionsreiche Bühnengeschehen mit einem musikalischen Kunstwerk, das er und seine Instrumentalisten aus der Stolz-Komposition hervorzaubern. Sie bewältigen genussvoll als Big-Band-Orchester die aus Operetten wohlbekannten Rhythmen bis hin zu den eingängigen, musical-leichten Melodien. In Soli, Duetten und Quartetten gefallen vor allem die vier Paare in ihren teils operettenhaften, teils volkstümlichen und poppigen Auftritten. Fürs Zuschauen gedacht sind die umrahmenden Auftritte eines Tänzer-Terzetts, wobei die Breakdance-Einlagen vermutlich der Satire dienen sollen.

Herzlich bedankte sich das Premierenpublikum, zu der Regierungs-, Parlaments- und Kommunalpolitiker zählten, bei allen Mitwirkenden auf und neben der Bühne. Die gesamte Leistung der Burgäschi-Mann- und Frauschaft ist bewundernswert.


Vorverkauf www.burgaeschi.ch. Weitere Aufführungen bis 9. Juli.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1