Riedholz

Grossinvestition in die Landwirtschaft: Wallierhof wird für 4 Millionen ausgebaut

Stolze 4 Millionen Franken steckt der Kanton in den Ausbau des Wallierhofs , um mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten und Milchkühe autonom zu machen.

Trotz des Nebels ist die Baustelle auf dem Wallierhof in Riedholz schon von weither sichtbar. Der neue Geräte- und Fahrzeugunterstand, welcher erst im Dezember bei garstigem Wetter aus vorgebauten Elementen zusammengesetzt und aufgestellt wurde, steht prägnant am Rande des Gutsbetriebs.

Wie alle Bereiche des Lebens wandelt sich auch die Landwirtschaft. Neue Technologien etablieren sich, das Bauern wird weniger arbeitsintensiv, ökologischer und dabei trotzdem schneller. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, braucht es ab und an Investitionen in die Infrastruktur.

Auf dem Wallierhof in Riedholz blieben diese Investitionen seit rund 40 Jahren aus. Mitte des letzten Jahres reagierte nun der Kanton und startete ein Bauprojekt.
Der Kantonsrat hatte im Juni 2016 einem Verpflichtungskredit von 4,2 Millionen Franken für Ersatz- und Umbauten zugestimmt. Durch die 200'000 Franken, die der Bund an Mitteln zusprach, bleiben dem Kanton Nettokosten von 4 Millionen Franken.

Die vorhandene Infrastruktur wurde letztmals in den 70er- und 80er- Jahren angepasst und stammte ursprünglich aus den 1930er-Jahren. Der Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Demonstrationsbetrieb unterhielt vor den Baumassnahmen Vieh-, Schweine- und Imkereiwirtschaft, welche jedoch aufgrund von grösser gewordenen Platzansprüchen und technologischem Fortschritt nur noch schwer für Lehrzwecke nutzbar waren. Die hohe Sanierungsbedürftigkeit nahm man auf dem Wallierhof zum Anlass, sich grundlegende Gedanken über die Ausrichtung und das Angebot des in Kantonsbesitz befindlichen Gutsbetriebs zu machen.

«Die Erhaltung des Schweinestalls wäre nicht sinnvoll gewesen, da er für Lehrzwecke kaum nutzbar wäre. Aufgrund von Seuchenschutzregelungen könnte anderen Schweinehaltern gar kein Zutritt zum Stall gewährt werden», sagt Jonas Zürcher, Direktor des Wallierhofes. Guido Keune, stellvertretender Kantonsbaumeister und Leiter der Baukommission, konkretisiert: «Im Kanton Solothurn halten sehr viele Bauern Vieh und nur wenige Schweine, weshalb es Sinn macht, sich beim Lehrangebot auf die Rindviehwirtschaft zu fokussieren.»

Erneuerungsmassnahmen

Die Baukommission ist zum Schluss gekommen, dort wo früher der Jungviehstall stand, einen neuen, grösseren und moderneren Milchviehstall zu errichten und den Schweinestall durch einen den Bedürfnissen entsprechenden Geräteunterstand zu ersetzen. Zudem sollen durch den Bau eines zeitgemässen Imkereigebäudes mit Schleuder-, Kühl- und Schulungsraum optimale Weiterbildungsmöglichkeiten für Imker und Imkerinnen geschaffen werden. Das neue Gebäude ermöglicht den Besuch von Gruppen bis 25 Personen.

Vom neuen Milchviehstall, der mit 1,64 Millionen Franken zu Buche schlägt, steht mittlerweile das Fundament. Er wird neu einer Herde von über 60 Kühen Platz bieten, die aus zwei verschiedenen Kuhrassen zusammengesetzt sein wird. «Eine Rasse wird ‹weidegängig› sein, die andere nicht. Dies ermöglicht uns, zwei Haltungsweisen zu demonstrieren», erklärt Zürcher. Beide Rassen werden jederzeit die Gelegenheit haben, sich im Laufhof frei zu bewegen.

Für die «weidegängige» Kuhrasse wurde eine Unterführung unter der Höhenstrasse hindurch gebaut, um den Zugang zu den Wiesen auf der anderen Strassenseite zu gewährleisten. Jonas Zürcher: «Aufgrund der vollautomatischen Melkanlage, die im neuen Viehstall eingebaut werden wird, und dem ständigen Zugang dazu durch die Unterführung können die Kühe sich immer dann melken lassen, wenn es nötig sein wird. Mit einem Lockfutter funktioniert dieses System gut und macht die Kuh autonom.»

Das vollautomatische Melken spart Arbeitsaufwand, und neu wird der Melkprozess jederzeit vorgeführt werden können, was bis anhin nur am Morgen früh und spät am Abend möglich war. Die gewonnene Milch wird in einen Vorratsraum geleitet und gekühlt – die dabei anfallende Abwärme wird zum Heizen von Büros und zum Erwärmen von Wasser genutzt. Neben der Melkmaschine wird neu auch das Weidemanagement vollautomatisch funktionieren. Mittels eines Halsbands, welches die Kuh tragen wird, wird durch Gatteröffnung oder -schliessung gesteuert werden, auf welcher Wiese die Kuh weiden soll.

Unter dem Boden des Stalles wird eine grosse Jauchegrube angelegt, in die die Ausscheidungen der Kühe durch einen Spaltenboden direkt abfliessen. Dieser Boden hat den Vorteil, dass wenig Ammoniak freigesetzt wird und im Stall nur geringe Reinigungsarbeiten anfallen. Um für Lehrzwecke die grösstmögliche Einsicht zu gewährleisten, wird im Viehstall eine Besuchergalerie errichtet.

Auch die Remise, in welcher nicht mehr alle Fahrzeuge und Geräte verstaut werden konnten, wird erneuert. Für 569'000 Franken wird vis à vis dem neuen Viehstall ein Geräte- und Fahrzeugunterstand gebaut, in den auch die Werkstatt integriert sein wird.

Ökologische Bauweise

Bei der Modernisierung des Betriebes wurden vielerorts ökologische Aspekte berücksichtigt, da der Betrieb als Demonstrationsanlage dienen wird und so den zu schulenden Landwirten und Imkern Möglichkeiten im Bereich der Ökologie und Ökonomie aufgezeigt werden sollen. Die neuen Gebäude werden alle im gleichen Stil aus Schweizer Lärchenholz gebaut. «Das verwendete Holz ist unbehandelt und in ein paar Jahren wird man aufgrund der Patina keinen Unterschied zwischen den bestehenden und den neuen Gebäuden erkennen können. Somit fügen sie sich optimal ein», sagt Silvan Nünlist, zuständiger Projektleiter. Auf dem Dach der Remise wird eine Photovoltaikanlage platziert, welche jährlich 60 000 kWh Energieertrag liefern wird. «Die Photovoltaikanlage ist so konzipiert, dass sie den Strombedarf des Wallierhofs deckt. Die Kosten werden in 20 bis 25 Jahren amortisiert sein», erklärt Projektleiter Nünlist.

Ziele erreicht

Mit der Bedachung der Remise wurde das bauliche Jahresziel 2017 erreicht und der Zeitplan eingehalten. Im finanziellen Bereich liegt man auch auf Kurs. Guido Keune: «Selbstverständlich halten wir die finanziellen Vorgaben ein und bewegen uns im vorgegebenen Rahmen».
Die Baumassnahmen werden nach einer Pause über Neujahr diese Woche wieder aufgenommen und dauern noch bis August 2018 an.

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