Schon zum neunten Mal organisierte die Fachstelle Integration des Alten Spitals zusammen mit der Interessengemeinschaft «Zweijährige Grundbildung» eine Infoveranstaltung, an der Lehrangebote, die mit einem eidgenössischen Berufsattest abgeschlossen werden, vorgestellt werden. Die Standmesse richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule B.

Im Alten Spital hatten die jungen Besucher die Möglichkeit, Ausbildungsangebote aus verschiedensten Bereichen kennen zu lernen. Neben vielen handwerklichen Berufen wie Schreiner oder Strassenbaupraktiker wurden auch körperlich weniger anspruchsvolle Lehrangebote wie Büroassistent oder Assistent Gesundheit und Soziales vorgestellt.

Das eidgenössische Berufsattest (EBA) soll Schulabgänger in die Wirtschaft integrieren, die praktische Begabungen aufweisen, jedoch mit Lernschwierigkeiten zu kämpfen haben. Im Gegensatz zu üblichen Ausbildungen, die mit einem eidgenössichen Fähigkeitszeugnis (EFZ) abgeschlossen werden, geht es in EBA-Lehren vor allem um die praktische Umsetzung und weniger um Theoretisches. Im Normalfall absolvieren die Lernenden eine zweijährige Ausbildung, welche sie zum Praktiker in ihrem Beruf qualifiziert. Im Kanton Solothurn gibt es jährlich ungefähr 300 solcher Lehrverhältnisse. Nach einem EBA-Abschluss besteht die Möglichkeit, eine verkürzte Berufslehre mit EFZ-Abschluss zu absolvieren.

In der Wirtschaft beschäftigt

Das Interesse der Schüler an solchen Ausbildungen ist gross. Am Morgen waren die 23 Infostände im Alten Spital gut besucht, sodass bis zum Mittag 400 Schülerinnen und Schüler gezählt wurden. Für den Nachmittag wurden weitere 350 Schüler erwartet.

Die Besucherzahlen des zum neunten Mal stattfindenden Anlass steigen seit Jahren. 2014 besuchten rund 400 Schüler den Infotag. Dieses Jahr waren es rund 750. Nebst den Ständen, an denen die Schüler selbstständig in den Unterlagen stöbern und die Aussteller zu ihren Lehrangeboten befragen konnten, wurde auch ein geführter Rundgang angeboten.

An diesem nahmen rund 40 Personen teil, die sich aus interessierten Eltern, Behördenvertretern und Politikern, darunter Regierungsrat Remo Ankli, zusammensetzten. Markus Glauser, Berufsinspektor beim Amt für Berufsbildung, sprach bei seiner Rede an, dass das Engagement zugunsten der EBA-Ausbildungen nicht nur sozialer Art sei. Die Erfahrungen zeigten, dass die Wirtschaft EBA-Absolventen durchaus aufnehmen würde. Zwar habe man keine genauen Zahlen, doch sei davon auszugehen, dass die 70 Prozent, die sich nach einer EBA-Lehre nicht weiter ausbilden lassen, in der Wirtschaft beschäftigt seien.

Die meisten EBA-Lehren werden indes im Detailhandel absolviert. Die Tätigkeiten, die die Lernenden dort ausführen, seien durchaus ähnlich wie in einer EFZ-Lehre.

Die Schüler konnten vom Besuch viel Lehrreiches mitnehmen. Sarah und Sherin, die mit ihrer Klasse am Infotag teilnahmen, haben, wie sie sagen, viel Neues gelernt: «Wir haben gemerkt, dass man in manchen Berufen viel Verantwortung übernehmen muss. Es war gut, zu sehen, was man alles machen kann.» Albin und Emmanuele, die sich auf der Treppe gerade eine Pause gönnen, haben eine andere Meinung. Emmanuele: «Ich wusste sowieso schon, dass ich eine kaufmännische Lehre machen will. Aber jetzt kenne ich den Unterschied zwischen EBA und EFZ viel genauer als vorher. Dass wir hier waren, hat also schon etwas gebracht.»