Gründung einer Stiftung
Grosse Passion einer jungen Frau soll Freiberger Pferde retten

Arabella Jennifer Biehler entdeckte entsetzt, dass die Zeiger für das reinrassige Freiberger Pferd auf fünf vor zwölf stehen. Mit ihren Ersparnissen und tatkräftiger Unterstützung ihres Vaters gründete sie die Freiberger Pferde Stiftung.

Daniela Deck
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Arabella Jennifer Biehler setzt sich dafür ein, dass Freiberger (das Pferd Lolipop rechts) nicht von anderen Rassen verdrängt werden.

Arabella Jennifer Biehler setzt sich dafür ein, dass Freiberger (das Pferd Lolipop rechts) nicht von anderen Rassen verdrängt werden.

Zur Verfügung gestellt

Alles begann vor anderthalb Jahren, als Arabella Biehler sich Gedanken zur Abschlussarbeit ihrer kaufmännischen Ausbildung machte. Die passionierte Reiterin und Besitzerin des Freibergers Moritz entschied sich, die Arbeit über diese Pferderasse zu schreiben. Dabei entdeckte sie, dass die Freiberger von unzähligen Seiten in ihrer Existenz bedroht sind: Die rund 3000 Zuchtstuten bringen immer weniger reinrassige Fohlen zur Welt, das heisst Fohlen mit weniger als zwei Prozent Anteil von anderen Pferderassen.

Die schlechte Wirtschaftslage in Kombination mit steigenden Futterpreisen macht die Zucht der Freiberger zunehmend unrentabel. «Ich war schockiert, als ich das erfahren habe», sagt Arabella Biehler. Für einen jungen gesunden Freiberger ohne Ausbildung werden derzeit Preise von 4500 bis 6000 Franken bezahlt, 3-jährig, nach dem Feldtest, das heisst nach der Grundausbildung im Reiten und Fahren, sind es ungefähr 7000 bis 9000 Franken. Ausländische Pferderassen kosten oft ein Mehrfaches dieser Beträge.

Stiftungssitz im Kanton Solothurn

Arabella Biehler erzählte ihrem Vater von ihren beunruhigenden Erkenntnissen. Sie stellten fest, dass diverse Vereine bestehen, die sich für den Fortbestand der Freiberger Pferde einsetzen, aber keine Stiftung. Die bekannte Stiftung für das Pferd in Le Roselet, die neben anderen Rassen Freiberger züchtet, hat sich nicht explizit der Erhaltung dieser letzten Schweizer Pferderasse verschrieben. «Da war für Arabella der Fall klar. Sie beschloss eine Stiftung zur Rettung des Freiberger Pferdes zu gründen und schrieb den Businessplan dafür», erzählt Ronald Biehler.

Die Familie wohnt im Emmental, wo Arabella Biehler auf einem Pferdehof arbeitet. Beruflich ist ihr nächstes Ziel eine Ausbildung in alternativer Tierheilmedizin. Ihre Kenntnis der Freiberger Pferde-Szene bewog Arabella Biehler dazu, die Stiftung im Kanton Solothurn anzusiedeln. Sie erklärt das folgendermassen: «Viele Züchter leben entweder im Kanton Jura oder im Berner Jura. Uns geht es um die Pferde. Wir wollen nicht politische Gefühle verletzen, wie das geschehen könnte, wenn der Sitz der Stiftung im Kanton Bern oder im Kanton Jura läge.» Deshalb wird die Stiftung Ende Juli Büroräumlichkeiten in Horriwil beziehen.

Stifterin im Ausland bekannt

Schon vor dem Gründungsakt am 13. Mai in Grenchen stellte Arabella Biehler fest, dass sie als erst 19-jährige Stifterin über die Landesgrenzen hinaus Aufsehen erregte. Anfang April wurde sie zum internationalen Stiftertreffen in Baden-Baden eingeladen. Mitte Mai folgte die Teilnahme am deutschen Stiftungstag in Düsseldorf. An beiden Orten konnte sie ihre Stiftung und deren Zweck einem breiten Fachpublikum präsentieren. So gross war das Echo, dass sie vom deutschen Bundesministerium für Landwirtschaft eingeladen wurde, diesen Herbst die Freiberger Pferde Stiftung vorzustellen. In der Schweiz hatte die Stiftung ihren ersten öffentlichen Auftritt an der Mittelländer Ausstellung in Grenchen - leider ohne Pferde, weil diese als Fluchttiere den Lärm des Lunaparks nicht ertrugen.

Ein verlässliches Wesen

«In Deutschland wächst das Interesse am Freiberger. Ebenso wie in Frankreich besteht in Deutschland eine Vereinigung zur Verbreitung des Freibergers. Mit seiner Kraft und seinem verlässlichen Wesen eignet er sich ausser für Spitzensport für praktisch jede Verwendung, vom Freizeit-, Turnier- und Westernpferd bis zum Therapiepferd», erklärt Ronald Biehler und fügt an, dass ihm besonders der Aspekt des Therapiereitens am Herz liegt. «Denn da besteht in der Schweiz Nachholbedarf. Ich weiss von behinderten Menschen, für die das Therapiereiten den Höhepunkt im Alltag bedeutet. Aber es gibt zu wenig Plätze, die es anbieten.»

Noch sucht man die Freiberger Pferde Stiftung vergeblich im Solothurner Stiftungsverzeichnis. Auf Nachfrage bei der BVG- und Stiftungsaufsicht wird versichert, dass die Rechtskraft der Stiftung soeben bescheinigt wurde und die Freiberger Pferde Stiftung Mitte Juli im Verzeichnis aufgeschaltet werde.

Eine Stiftung mit ambitionierten Zielen

Die Freiberger Pferde Stiftung bezweckt den Erhalt dieser Tiere, als letzte reine Schweizer Pferderasse, als schweizerisches Kulturgut und zugleich als letzter Vertreter des leichten Kaltblutpferdes in Europa. Dies geschieht durch die Förderung von Aus- und Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit und die Unterstützung wissenschaftlicher Forschung zum Freiberger Pferd. Die Vernetzung mit andern Interessevertretern dieser Pferderasse wird gefördert. Zudem unterstützt die Stiftung Halter und Züchter von Freibergern in Härtefällen, kümmert sich um Pflegeplätze und kommt für Kosten auf, die das Überleben des Pferdes sichern. (dd)
Infos: www.freiberger-pferde.ch