Dornach
Grosse Bühne des Goetheanums ist fertig saniert

Die Bühne eröffnet nun ganz neue Möglichkeiten – mit einem Glasfaser-Vorhang, einer weltweit einzigartigen Messsonden-Technik, aber auch mit altbewährten Maschinen für Donner, Regen und Wind.

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Die neue Bühne im Grossen Saal des Goetheanums, mit Blick in den Zuschauerraum.

Die neue Bühne im Grossen Saal des Goetheanums, mit Blick in den Zuschauerraum.

Thomas Brunnschweiler

Die 1927 eingerichtete Grosse Bühne des Goetheanums hat Theatergeschichte geschrieben. Hier wurde 1938 erstmals die ungekürzte Fassung von Goethes Faust I und II aufgeführt, ein Vorhaben, das laut Regisseur Christian Peter auch heute noch 20 bis 22 Stunden Spielzeit in Anspruch nimmt. Einiges, was ursprünglich geplant war – etwa der Orchestergraben – wurde nie ausgeführt. Und nach fast 80 Jahren war die Bühne mit ihren 37 handbetriebenen Prospektzügen dermassen in die Jahre gekommen, dass auch die Sicherheit nicht mehr gewährleistet war.

«Da in der Schweiz der Betreiber die Sicherheit garantieren muss, beschloss man früh, sich den Richtlinien des deutschen TÜV unterzuordnen», sagt Nils Frischknecht, der Geschäftsführer der Goetheanum-Bühne. 2012 trat die Planung in die heisse Phase und war so effizient, dass die Sanierung nur ein Jahr dauerte. Aufgebracht wurden die erforderlichen neun Millionen Franken mehrheitlich von Spendern. Zwei Millionen Franken waren Eigenmittel, die durch den Verkauf von Liegenschaften beschafft wurden.

«Eiserner Vorhang» ist weg

Im riesigen Kubus, der Unterböden, Orchestergraben, höhenverstellbare Podeste, Bühne und Schnürboden ummantelt, gibt es gleichermassen technische Weltneuheiten wie alte Theatertechnik. So gibt es etwa einen «intelligenten Schnürboden». Er ist im bestehenden Betonträgerwerk aufgehängt und mit Messsonden ausgestattet. Wenn es an einer Stelle zu Überlastung kommt, werden andere technische Elemente automatisch blockiert. Die Bühne ist damit fast ein kybernetischer Organismus.

Eine Besonderheit stellt der Schutzvorhang dar, der aus Glasfasergewebe mit Stahleinlagen besteht und den viel schwereren «Eisernen Vorhang» ersetzt. Insgesamt wurden bei der Sanierung 200 Tonnen Stahl aus- und wieder eingebaut. «Die neue Maschinentechnik erlaubt eine mit der Steuerung der Lichtanlagen vergleichbare dynamische, nuancierte Bewegung», erklärt Nils Frischknecht.

Dass es im ersten Unterboden nun einen Orchestergraben hat, ermöglicht es, auch Opern in einer adäquaten Darbietungsweise zu präsentieren. Für rasche Szenenwechsel bei den grossen Mysterienspielen, aber auch für Opern, sind die beiden Bühnenportale auf den Seiten hilfreich.

Auch die zwei Hubpodien zum Schrägstellen der Bühnenfläche und demontierbare Einlegetafeln im hintern Teil der Bühne sowie die Schräge für die Eurythmie erlauben mehr Effekte. Schliesslich wurden die alten Wind-, Donner- und Regenmaschinen wieder eingebaut.

Kleintheater mit Riesenbühne

Auch für die Statiker war die Sanierung eine Herausforderung, steht doch die Konstruktion des Bühnenbodens nur auf sechs Positionen auf der Decke und den Stützsäulen des Grundsteinsaals. Gewonnen hat die Goetheanum-Bühne nicht nur punkto Technik, sondern auch hinsichtlich des Raums. Der Portalbereich kann jetzt bis 12 Meter in der Höhe geöffnet werden, was 2,5 Meter Platzgewinn bedeutet. Die Breite lässt sich bis zu 15 Meter nutzen, zuvor nur zu 12,5 Meter. Neben dem festen Eurythmieensemble werden auf der Grossen Bühne Operngastspiele, Schauspiele und die grossen Mysterienspiele von Rudolf Steiner zu sehen sein.

Daneben ist die Bühne für Konzerte geeignet – und dementsprechend begehrt. Die Goetheanum-Bühne ist nunmehr technisch auf einem sehr hohen Stand. Betriebsmässig jedoch ist sie ein Unikum. Denn sie ist einerseits eine der grössten Bühnen der Schweiz, andererseits wird sie betrieben wie ein Kleintheater; zur technischen Mannschaft gehören nur fünf Mitarbeiter.

Die nächste wichtige Aufführung ist die Schweizer Erstaufführung der Oper «Der Sturz des Antichrist» von Viktor Ullmann am 25. Oktober.