Lehrertag

Grösstes Klassentreffen aller Zeiten: 2000 Lehrerinnen und Lehrer versammeln sich in Olten

Präsident Mathias Stricker mit Vorgängerin Dagmar Rösler vor 2000 versammelten Lehrkräften in der Stadthalle Olten.

Präsident Mathias Stricker mit Vorgängerin Dagmar Rösler vor 2000 versammelten Lehrkräften in der Stadthalle Olten.

Die Stadthalle in Olten war voll, noch nie zählte man so viele Teilnehmer am kantonalen Lehrerinnen- und Lehrertag. Das freute Mathias Stricker als neuen Präsidenten des Lehrerverbands natürlich ganz besonders, denn mit dem Grossaufmarsch setze man ein klares Zeichen der Stärke.

Man könnte vom grössten Klassentreffen aller Zeiten sprechen: 2000 Lehrkräfte fanden am Mittwoch den Weg in die Oltner Stadthalle zum kantonalen Lehrerinnen- und Lehrertag, so viele wie noch nie. Zu ihren Jahresversammlungen finden sich die einzelnen Fraktionen des Lehrerverbands jeweils am Nachmittag zusammen, das Treffen am Vormittag ist im Grunde formlos, entspricht aber offensichtlich einem Bedürfnis, wie der Grossaufmarsch zeigt.

Die diesjährige Zusammenkunft stand unter dem Motto «Kreativität macht Schule». Wer etwas erreichen und verändern will, müsse alte Gewohnheiten von Zeit zu Zeit überdenken und auch einmal querdenken, meinte der neue Verbandspräsident Mathias Stricker dazu. Inputs, wie Kreativität eben Schule machen könnte, lieferte als Hauptreferent des Tages Dennis Lück. Er ist der Kreativchef der Zürcher Agentur Jung von Matt/Limmat und in dieser Funktion zum Beispiel der Kopf hinter der Aktion mit dem Fotografier-Verbot, mit der die Bündner Gemeinde Bergün weltweit Schlagzeilen machte.

Lück würde übrigens glatt Roger Siegenthaler, dem Präsidenten des Einwohnergemeindeverbandes, einen Job anbieten. Der punktete bei den Lehrerinnen und Lehrern nämlich mit einer launigen Grussadresse, in die er kleine Spitzen («ich musste frei nehmen, um heute hier sein zu können»), aber auch durchaus selbstkritische Gedanken einbaute: Auch in den Köpfen von manchen Gemeindebehörden würden heute die Schule und die Lehrkräfte praktisch nur noch als Budgetposten wahrgenommen. Das sei «ganz schlecht», wo die Gemeinden ja die Schulträger sind. «Das Verständnis auf beiden Seiten muss unbedingt wieder wachsen», forderte Siegenthaler.

Am diesjährigen Kantonaltag hatte Mathias Stricker seinen ersten grossen Auftritt als neuer Präsident des Lehrerverbands. Zeit und Gelegenheit also für so etwas wie eine Regierungserklärung. Eine gute Schule müsse gute Rahmenbedingungen für Schüler wie auch Lehrer bieten und sich weiterentwickeln, ohne dass dabei Bewährtes vergessen geht: dies seine zwei Zielsetzungen. Auf der pädagogischen Ebene heisst das zum Beispiel konkret: Die Struktur der Sekundarstufen-Reform ist noch einmal grundsätzlich zu hinterfragen. Auf der verbandspolitischen Ebene: Jegliche Bestrebungen, den Gesamtarbeitsvertrag zu schwächen, sind zu unterbinden. Hier hakte auch Roland Misteli, Geschäftsführer des Lehrerverbands, noch einmal ein. Man erlebe wieder eine Zeit des Lehrermangels. Dass die Situation in Solothurn angespannt, aber nicht so akut sei wie etwa in Zürich, Bern und im Aargau, liege nicht zuletzt auch daran, dass man hier bei den Lehrerlöhnen im vorderen Drittel liegt. Ein weiterer, nicht kantonsspezifischer Punkt für das Image und die Attraktivität des Lehrberufs sind für ihn die Ausbildungsanforderungen. Bei den Primarlehrkräften sei die Schweiz in dieser Beziehung schon fast ein «Drittweltland». Fast überall führe ein Master-Abschluss zum Lehrberuf, mittelfristig werde man auch in der Schweiz nicht darum herumkommen.

Am Freitag wird Bildungsdirektor Remo Ankli eine umfassende Überarbeitung des Volksschulgesetzes präsentieren. Er benutzte am Lehrertag die Gelegenheit, um die Lehrkräfte diesbezüglich zu beruhigen: Es gehe dabei nicht um eine neue Schulreform, sondern darum, das in die Jahre gekommene Gesetzeswerk auf einen zeitgerechten Stand zu bringen. Er halte an seinem «Kurs der «Konsolidierung» fest, so Ankli.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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