Der Andrang auf die Notfallstationen der Solothurner Spitäler ist gross: Der Virus mit dem Namen Influenza AH3N2 grassiert, die Grippewelle hat den Kanton mit voller Wucht erfasst. «Bei uns melden sich derzeit jeden Tag etwa 60 Personen mit Grippesymptomen und von denen haben etwa zwei Drittel tatsächlich die Grippe», sagt Eva Maria Genewein, die leitende Ärztin der Notfallstation des Solothurner Bürgerspitals.

«Das sind sehr viele. Die meisten können zwar wieder nach Hause, aber seit einiger Zeit werden bei uns rund zehn Grippepatienten mit Komplikationen stationär behandelt. Diese bleiben jeweils etwa fünf Tage im Spital, bis es ihnen wieder besser geht.»

In Olten ist der Ansturm etwas weniger stark. Durchschnittlich werden im Oltner Kantonsspital konstant etwa sechs Personen behandelt, die unter Komplikationen leiden. «Bereits geschwächte Personen, die sich mit der Grippe angesteckt haben, können zum Beispiel eine lebensgefährliche Lungenentzündung bekommen», erklärt Eva Maria Genewein. 

Dann sei eine stationäre Pflege angezeigt. «Es kommen Patienten in den Notfall, die sich so schwach fühlen, dass sie kaum mehr gehen können. Oft brauchen diese Sauerstoff und Infusionen, weil sie unter Atemnot leiden, sehr hohes Fieber haben und kaum mehr Trinken können.»

Bei Symptomen zu Hause bleiben

Sich selber vor der Grippe zu schützen, das sei schwierig, meint die Expertin. Den weiteren Verlauf der Epidemie könnten zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich nur die bereits angesteckten Leute bremsen. «Wer sich krank fühlt, sollte zu Hause bleiben», rät Genewein. «Für eine Impfung ist es jetzt zu spät, denn es dauert zwei bis drei Wochen, bis eine Impfung optimal vor der Grippe schützt.»

Gefährliche Inkubationszeit

Und die Grippe ist heimtückisch: Nach einer Ansteckung dauert es oft zwei bis drei Tage, bis der Körper mit den typischen Krankheitssymptomen reagiert. In dieser Phase, der sogenannten Inkubationszeit, kann eine scheinbar gesunde Person den Virus bereits weitergeben und andere Leute anstecken.

Im Kampf gegen die Grippe werden die Besucher der Solothurner Spitäler aufgefordert, im Eingangsbereich die Hände zu desinfizieren.

Im Kampf gegen die Grippe werden die Besucher der Solothurner Spitäler aufgefordert, im Eingangsbereich die Hände zu desinfizieren.

«Wir weisen deshalb bereits im Eingangsbereich deutlich auf Hygienemassnahmen hin», beschreibt Mediensprecher Eric Send die vorbeugenden Massnahmen der Solothurner Spitäler AG (soH). «Ist der Grippetest positiv ausgefallen, werden diese Patienten isoliert, um Ansteckungen im Spital zu vermeiden. Für Grippepatienten, deren Besucher und das betreuende Spitalpersonal gilt im ganzen Kanton Solothurn die Pflicht, eine Gesichtsmaske zu tragen. «Wir bitten Personen, die Grippesymptome spüren, ganz auf Krankenbesuche zu verzichten. Auch das Pflegepersonal bitten wir, bei Symptomen vorsichtshalber daheim zu bleiben», sagt Send.

Kleinkinder besonders betroffen

«Der Höhepunkt der Grippewelle ist erreicht», schreibt das Bundesamt für Gesundheit BAG in seiner wöchentlichen Analyse. Die statistische Verbreitung ist in der Nordwestschweiz mit 439 Fällen auf 100'000 Einwohner sehr hoch. Bereits ab 60 Kranken gilt eine Grippewelle offiziell als Epidemie.

Die Gesamtzahl der neuen Erkrankungen stagniert derzeit auf hohem Niveau, aber für eine Entwarnung ist es noch zu früh: Bei Kindern unter vier Jahren ist die Verbreitung des Grippevirus mit 755 Erkrankungen auf 100'000 Kleinkinder nämlich nicht nur besonders gross, sie steigt auch weiterhin an.