Was nach einem Widerspruch tönt, bereitet der Fachwelt kein Kopfzerbrechen: Zwar stieg die Zahl der Grippeerkrankungen in der Region laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) letzte Woche nochmals an. Hochgerechnet auf 100 000 Einwohner gingen in den Kantonen Solothurn, Aargau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt 633 Personen wegen Grippesymptomen zum Arzt (in der Woche zuvor waren es noch 458 Personen). Schweizweit dagegen meldeten die Ärzte letzte Woche bereits 10 Prozent (404 Patienten) weniger Erkrankungen. Ab 70 Grippefällen spricht das BAG von einer Epidemie.

Hausärzte widersprechen BAG

Warum diese regionalen Unterschiede? «Aus meiner Praxis sowie aus Erzählungen von Kollegen kann ich sagen, dass die Grippe auch in Solothurn bereits am Abklingen ist», beschwichtigt Christian Rohrmann. Dass er mit dieser Einschätzung dem BAG widerspricht, ist für den Präsidenten der Solothurner Hausärzte leicht erklärbar: «So, wie der Bund die Grippezahlen erfasst, hinkt das BAG immer etwas hinterher.» 

Ähnlich tönt es bei den Solothurner Spitälern (soH): «Wir spüren die Grippe nicht gross», sagt Eric Send. Regionale Unterschiede gebe es keine. «Die Patientenzahlen sind stabil.» Und der Sprecher der soH ergänzt, nicht jeder Atemwegsinfekt oder jede virale Erkrankung müsse auch gleich eine Grippe sein. Werde der Influenza-Virus jedoch festgestellt, würden automatisch Isolationsmassnahmen angeordnet, damit sich nicht weitere Leute anstecken.

Südschweiz kränkelt, Berner topfit

Über die ganze Schweiz betrachtet sind laut den gestern veröffentlichten BAG-Zahlen Kleinkinder und Jugendliche noch immer am häufigsten von der aktuellen Grippewelle betroffen. Zudem würden sich neu verstärkt Menschen über 65 Jahre anstecken. Geografisch betrachtet hat die Grippewelle derzeit das Tessin und den Kanton Graubünden am stärksten im Griff (mit 741 grippebedingten Arztbesuchen auf hochgerechnet 100 000 Bewohner). Am tiefsten sind die Grippewerte aktuell in den Kantonen Bern, Freiburg und Jura (mit 209 Erkrankungen).