Kanton Solothurn
Grippe-Impfung: Wegen Corona rechnen Apotheken und Praxen mit «Ansturm»

Gibt es genügend Impfstoff? Wer soll sich wann impfen lassen? Die saisonale Grippe beschäftigt aufgrund der Coronapandemie dieses Jahr mehr als üblich. So schätzen Fachpersonen aus Arztpraxis, Apotheke und Spital die Situation im Kanton ein.

Noëlle Karpf
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Wird Personen der Risikogruppe und deren Angehörigen im Gesundheitswesen empfohlen: Die Grippeimpfung.

Wird Personen der Risikogruppe und deren Angehörigen im Gesundheitswesen empfohlen: Die Grippeimpfung.

Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Meist bricht die saisonale Grippewelle nach Weihnachten, im Januar, über die Schweiz herein. Aktuell wird das Thema aber schon im Oktober; ab Mitte Monat empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit die Grippeimpfung. Dieses Jahr wird das Thema auch von der Coronapandemie geprägt. So heisst es auf der Website des Kantons, es sei wahrscheinlich, «dass das Coronavirus während der regulären Grippesaison 2020/21 zirkulieren wird.» Weil sowohl zur Grippe als auch zum Coronavirus Symptome wie Husten oder Fieber gehörten, könne dies das Gesundheitssystem doppelt belasten.

«Es wird erwartet, dass in dieser Saison die Nachfrage nach dem Impfstoff grösser wird als der zur Verfügung stehende Impfstoff.» Den eigenen Mitarbeitenden empfiehlt der Kanton, dass in einer ersten Phase Personen geimpft werden, die der Risikogruppe angehören. Nebst den Symptomen ist auch die Risikogruppe sowohl beim Coronavirus als auch bei der Influenza (gewöhnliche Grippe) dieselbe: Personen ab 65, Schwangere, Menschen mit gewissen Vorerkrankungen.

Apotheken spüren Unsicherheiten

Impfen lassen kann man sich im Spital, in einer Arztpraxis oder in 19 Apotheken im Kanton. Eine davon liegt in Dulliken, dort arbeitet Melanie Grütter, die auch den kantonalen Apothekerverein präsidiert. Auch hier gilt: Zuerst sollen sich Angehörige der Risikogruppen – und deren Angehörige – im Gesundheitswesen impfen lassen. Danach die restlichen Interessierten.

Melanie Grütter Präsidentin des kantonalen Verbandes der Apothekerinnen und Apotheker.

Melanie Grütter Präsidentin des kantonalen Verbandes der Apothekerinnen und Apotheker.

Zur Verfügung gestellt

«Auf der einen Seite wegen der möglichen Doppelbelastung des Gesundheitssystems, andererseits auch wegen der möglichen Doppelerkrankungen.» Grütter empfiehlt eine Impfung ab Ende Oktober, Anfang November. Aber schon jetzt spüre man eine erhöhte Nachfrage. «Wir rechnen mit einem grösseren Ansturm auf die Grippeimpfung als in den Vorjahren.»

Gleichzeitig beruhigt die Präsidentin des Apothekervereins: «Niemand wird ohne gute Lösung aus der Apotheke nach Hause geschickt.» Sie habe zweimal Impfstoff bestellt – einmal gemäss den Zahlen aus dem Vorjahr, beim zweiten Mal tätigte sie eine Nachbestellung für zusätzliche Impfdosen, die im Dezember eintreffen sollen. Auch dann sei eine Impfung noch sehr sinnvoll, meint Grütter. «In der zweiten Impfwelle im Dezember hat es bestimmt genügend Impfstoff, um alle Interessierten zu impfen.»

Ärzte müssen Impfdosen rationieren

Wie Grütter spürt auch Michael Fluri in Bezug auf die Impffrage eine Unsicherheit in der Bevölkerung – und ein erhöhtes Interesse. Fluri ist Arzt in der Hausarztpraxis Weissenstein in Langendorf und Mitglied im Vorstand der Solothurner Hausärztinnen und Hausärzte. Für gewöhnlich hätten im Herbst alljährlich dieselben Stammkunden einen Impftermin in der Praxis, berichtet Fluri. «Nun haben wir aber auch schon Anfragen von jüngeren Leuten; von Personen, bei denen eine Impfung durchaus Sinn macht – die sich aber zuvor nicht dafür interessiert haben.»

Michael Fluri Im Vorstand des Solothurner Verbands der Hausärztinnen und -ärzte.

Michael Fluri Im Vorstand des Solothurner Verbands der Hausärztinnen und -ärzte.

Solothurner Zeitung

Das stellt die Praxis, in der drei Ärzte tätig sind, vor Herausforderungen. Bestellt werden die Impfdosen nämlich auch hier im März. Nur: «Im März rollte die Pandemie erst an», erklärt Fluri. Folgen wie eine erhöhte Nachfrage nach Grippeimpfungen waren noch nicht wirklich einschätzbar. Die Praxis bestellte damals 10 Prozent mehr Impfstoff. Und später – wie die Apotheke in Dulliken – orderte man Nachschub, zusätzliche Impfdosen für den Dezember. «Auf unser Risiko», wie Fluri sagt. Impfstoff ist nicht ewig haltbar. «Im nächsten Jahr können wir den nicht mehr brauchen.»

Den vorhandenen Impfstoff gilt es nun auf die Patientinnen und Patienten aufzuteilen. «Stammkunden, die sich unserer Meinung nach dringender impfen lassen sollten, erhalten wie immer einen Termin.» Anderen Personen, die etwa nicht zur Risikogruppe gehören, empfehle man, Ende November noch einmal anzurufen. «Wir überlegen uns in jedem Einzelfall, ob wir jetzt im Herbst oder erst später impfen.»

Heime und Spitäler empfehlen Impfungen

Derzeit bietet die Praxis zudem Pflegepersonal umliegender Heime Impfungen an; Mitarbeitende können sich relativ spontan impfen lassen. «Ich habe den Eindruck, dass sich dieses Jahr mehr Leute aus dem Gesundheitswesen impfen lassen», so Fluri.

Laut Tony Broghammer, Präsident der Gemeinschaft der Alters- und Pflegeheime im Kanton, ist im Zusammenhang mit der Grippeimpfung beim Pflegepersonal immer auch etwas «Überzeugungsarbeit zu leisten». Man empfehle den Mitarbeitenden aber, sich gegen die Grippe zu impfen – so macht es auch die Solothurner Spitäler AG. Ob es aufgrund der Coronakrise dieses Jahr so etwas wie eine offizielle Impfstrategie im Kanton gibt, ist unklar – offenbar soll das Thema demnächst aber aufgenommen werden.