Am Mittwochabend brannte in Grenchen der Dachstock des Hotels Passage. Drei Einsatzkräfte wurden leicht verletzt, ein Sachschaden von mehreren 100'000 Franken entstand. Augenzeugen wollten gesehen haben, dass ein Blitzeinschlag das Feuer verursachte. Am Freitag bestätigte die Kantonspolizei Solothurn diese Interpretation. «Die Brandursachen-Abklärungen durch Spezialisten der Kantonspolizei Solothurn haben in der Zwischenzeit ergeben, dass ein Blitzeinschlag im Dachbereich den Brand verursacht hat», heisst es in der Medienmitteilung der Kapo.

Da drängt sich die Frage auf: Wie konnte das passieren? Ein Hotel muss doch eine Blitzschutzanlage haben – gab es hier gar keine solche? Die Antwort darauf ist tatsächlich: nein.

Bei einem Hotel-Neubau besteht ab 20 Betten eine Blitzableiter-Pflicht. Das Hotel Passage war allerdings kein Neubau: 1997 wurde es von einem Gewerbegebäude zu einem Hotel umgenutzt. «Und bei einem Umbau entscheidet der Brandschutzexperte gemäss der schweizerischen Brandschutznorm Fall für Fall individuell darüber, ob eine Blitzschutzanlage gebaut werden muss oder nicht», erklärt Markus Schüpbach, Direktor der Solothurner Gebäudeversicherung (SGV). Dabei werde die Verhältnismässigkeit berücksichtigt. Eine Praxis, die auch heute noch so angewandt werde.

1997, beim Umbau des Gebäudes zum Hotel Passage, entschieden die damaligen Brandschutzexperten der SGV, es sei nicht verhältnismässig, einen Blitzableiter einbauen zu lassen. «Denn dazu hätte man die Strassen rund um das Gebäude aufreissen und Kupferkabel tief in den Boden verlegen müssen», vermutet Schüpbach. Ein riesiger Aufwand und eben nicht verhältnismässig, steht das Hotel doch mitten in der Stadt.

«Im Nachhinein schlauer»

Ein Fehlentscheid? «Im Nachhinein ist man immer schlauer», bemerkt Schüpbach. Er hat allerdings Verständnis für den seinerzeitigen Entscheid der Gebäudeversicherung.

Welche Konsequenzen zieht die Gebäudeversicherung aus dem Fall? «Das müssen wir erst noch anschauen», erklärt der Direktor. Dass sich etwas ändern wird, ist aber eher unwahrscheinlich. «Wir folgen grundsätzlich den Brandschutzvorschriften», betont er. Jeder Einzelfall werde von Experten genauestens untersucht, bevor ein Betrieb auf eine Blitzschutzanlage verzichten dürfe. Dabei stehe immer die Sicherheit an erster Stelle. Gleichzeitig sei auch das Prinzip der Verhältnismässigkeit per Brandschutzvorschriften vorgeschrieben.

Eine Liste mit Beherbergungsbetrieben ohne Blitzschutz im Kanton gibt es nicht. Eine solche sei auch gar nicht unbedingt sinnvoll, meint der Direktor der Gebäudeversicherung. Im Nachhinein jeden einzelnen Hotelbetrieb mit einer Blitzschutzanlage auszurüsten, sei kaum realistisch.

Die fehlende Blitzschutzanlage hat für das Hotel Passage übrigens keine juristischen oder finanziellen Konsequenzen. Die Auflagen in Sachen Brandschutz hat das Hotel erfüllt. So wurden noch in vergangenem Jahr die Brandmelder und Notausgänge geprüft – kleinere Beanstandungen wurden zwischenzeitlich behoben. Und auch jetzt im Ernstfall haben diese einwandfrei funktioniert, so kam am Mittwoch auch kein Hotelgast zu Schaden.

Brand im Hotel Passage in Grenchen

Brand im Hotel Passage in Grenchen

Ein Brand im Dachstock hat in der Nacht auf Donnerstag das Hotel Passage am Grenchner Marktplatz schwer beschädigt. Als Ursache wird ein Blitzschlag vermutet. Verletzt wurde gemäss aktuellem Wissensstand niemand.

Von der Feuerwehrleiter aus zeigt sich der Schaden nach dem Brand im Hotel Passage in Grenchen

Von der Feuerwehrleiter aus zeigt sich der Schaden nach dem Brand im Hotel Passage in Grenchen