Grenchen
13 Vollzeit-Lernende am ZeitZentrum durften Zeugnisse entgegennehmen

An der Lehrabschlussfeier am ZeitZentrum konnten 13 Vollzeitlernende des ZeitZentrums ihre Abschlusszeugnisse und Preise entgegennehmen. Darüber hinaus haben 22 weitere Uhrmacherinnen und Uhrmacher aus Fachgeschäften und Industrie aus der ganzen Deutschschweiz mit unterschiedlichen Lehrgängen ihre berufliche Grundbildung erfolgreich abgeschlossen.

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Die vierjährige Ausbildung erfolgreich gemeistert und bereit für neue Herausforderungen: Die Abschlussklasse der Vollzeit-Lernenden am ZeitZentrum, die ihre Lehre im Sommer 2017 begonnen hatte.

Die vierjährige Ausbildung erfolgreich gemeistert und bereit für neue Herausforderungen: Die Abschlussklasse der Vollzeit-Lernenden am ZeitZentrum, die ihre Lehre im Sommer 2017 begonnen hatte.

zvg

Gewöhnlich füllt die Lehrabschlussfeier an der Uhrmacherschule ZeitZentrum locker den Saal des Parktheaters Grenchen. Wie schon im Vorjahr musste die Schule auf die Organisation eines Grossanlasses verzichten und führte die Abschlussfeier am 9.Juli distanzregelkonform in kleinem Rahmen durch. Es waren nicht nur die Lernenden aus der Industrie und den Fachgeschäften abwesend, ausser den Eltern der anwesenden erfolgreichen Berufsleute waren heuer keine Gäste zugelassen.

Rektor Daniel Wegmüller richtete sich in der Aula des BBZ Grenchen an den «harten Kern» der Lernenden am ZeitZentrum, jene nämlich, die ihre praktische Ausbildung am ZeitZentrum durchlaufen haben. Die Lehrwerkstätten am ZeitZentrum verfügen über eine Kapazität von 14 Ausbildungsplätzen pro Lehrjahr; nach vier Lehrjahren und erfolgreichem Lehrabschluss können die Absolventinnen und Absolventen ihr Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis für Uhrmacherinnen und Uhrmacher der Fachrichtung Rhabillage entgegennehmen. In diesem Jahr haben 13 Lernende, die diesen Weg gegangen sind, die Schlussprüfungen erfolgreich bestanden.

Der Atelierchef des vierten Lehrjahrs Peter Walter präsentiert auf branchengerechte Weise Diplomarbeiten, welche die Diplomandinnen und Diplomanden als Erinnerung behalten dürfen.

Der Atelierchef des vierten Lehrjahrs Peter Walter präsentiert auf branchengerechte Weise Diplomarbeiten, welche die Diplomandinnen und Diplomanden als Erinnerung behalten dürfen.

zvg

Ein Novum stellte die Video-Grussbotschaft von Erziehungsdirektor Remo Ankli dar, der freilich nicht der einzige blieb, der die Bedeutung der dualen Berufsbildung in der Schweiz und die sich daran anknüpfenden beruflichen Entwicklungschancen unterstrich.

Die jungen Berufsleute bedankten sich nicht mit einer Rede, sondern sie führten einen kurzen Film vor, der mit Szenen aus ihrer Ausbildungszeit zu amüsieren vermochte. Sogar die musikalische Untermalung stammte aus der eigenen «Küche». Den Film schloss eine Serie von Einzelporträts der jetzt «Ausgelernten» ab, welche verriet, dass alle, die nicht gerade Wehrpflichten zu erfüllen beabsichtigen, eine Stelle in einer renommierten Firma oder eine Weiterbildungsmöglichkeit gefunden haben.

Rektor Daniel Wegmüller liess es sich nicht nehmen, die Diplomarbeiten der Absolventinnen und Absolventen in grossformatigen Bildern zu präsentieren. Es ging beim Anblick dieser zum Teil wie Kunstwerke glänzenden Arbeiten dann und wann ein Raunen durch den Saal.

Vom engen Etabli in die weite Welt

Als Gastrednerin – erstmals eine Frau – wandte sich Claudia Burkolter, Technical Advisor Omega SA, an die neuen Berufskolleginnen und -kollegen. Sie selbst hatte vor 19 Jahren an ihrer Stelle gesessen und führte mit dem Referieren ihres seitherigen Werdeganges eine der vielen Entwicklungsmöglichkeiten vor Augen, wie sie sich Absolventinnen und Absolventen der Uhrmacherschule bieten.

Angesichts der vielen Möglichkeiten, des beständigen Wandels und allerlei Überraschungen – etwa solchen, wie wir sie seit bald zwei Jahren erleben –, sei es vor allem anderen wichtig, offen zu bleiben für Neues und im Wandel immer auch die Chancen zu sehen und der Zukunft mit Zuversicht zu begegnen. Es würde sie nicht verwundern, wenn der eine oder die andere der Anwesenden in zwei oder drei Jahren Französisch spräche, als wäre es ihre Muttersprache. «Geht mit einem Lächeln durch die Welt!», lautet ihr Ratschlag.

Führt Schulungen in der ganzen Welt durch und muss dementsprechend viel reisen: Gastrednerin Claudia Burkolter.

Führt Schulungen in der ganzen Welt durch und muss dementsprechend viel reisen: Gastrednerin Claudia Burkolter.

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Als Industrie-Uhrmacherin begann Claudia Burkolter ihre Berufstätigkeit in der Produktion bei der Firma «Rolex». Manche mögen denken, die repetitiven Arbeit in der Produktion sei langweilig, aber die damit verbundenen Erfahrungen, die man in einem Fachgeschäft oder im Service-Center einer grossen Marke kaum sammeln könne, seien ihr bis heute unentbehrlich. Ob Hörspiel-Messung, Spiral richten oder Achevage – wenn man sich diesen repetitiven Arbeiten immer wieder stellt und sich «durchbeisst», dann bekommt man mit der Zeit ein exaktes «Gespür» und entwickelt eine Methodik und Arbeitstechnik, die sich nur auf diese Weise aneignen lassen.

Nach eineinhalb Jahren in der Produktion bei «Rolex» wechselte Claudia Burkolter ins Service-Center von «Omega». Anfänglich kümmerte sie sich um vergleichsweise einfache «Dreizeigeruhren», aber mit zunehmender Dauer wurden ihr Servicearbeiten an einer wachsenden Vielfalt komplexer Modelle anvertraut. 80 Prozent der eingehenden Uhren seien 30 Jahre alt und älter – da finde man nicht ohne weiteres Ersatzteile. Die Vielfalt der Kaliber und Modelle macht die Arbeit interessant und spannend, die zeitlichen Rahmenvorgaben zur Herausforderung. Hier zählen Produktivität und Qualität, und da kommen Erfahrungen aus der Produktion zur Geltung.

Vom Wert des Anspitzens eines «Putzhölzlis» und des dualen Bildungssystems

In den vergangen 11 Jahren als Technical Advisor erweiterte sich ihr Horizont vom engen Etabli ins Grenzenlose. Heute führen Claudia Burkolter und ihr zwölfköpfiges Team Schulungen in der ganzen Welt durch und das bedeutet: Reisen, reisen, reisen – in der Zeit der Pandemie freilich etwas seltener. Destinationen sind Amerika, Asien, Ost- und Südosteuropa. Solche Reisen erschliessen wertvolle Erfahrungen, so etwa in kleineren ost- und südosteuropäischen Ländern, in denen die Firma keine eigenen Service-Center unterhält.

Wo es kein duales Bildungssystem gebe, müssten sich Uhrmacherinnen und Uhrmacher ihre beruflichen Kompetenzen weitgehend selbst aneignen – aus Büchern, im Internet, wie auch immer. Es sei unglaublich, auf welcher Wissensbegierde sie da treffe; selbst das «Anspitzen» eines «Putzhölzlis» stosse da mitunter auf allergrösstes Interesse. «Und jedes Mal, wenn ich von so einer Reise wieder in die Schweiz zurückkomme, denke ich: ‹Ach! Wie schön haben wir es hier in der Schweiz mit unserem dualen Bildungssystem!›»

Das duale Bildungssystem, schloss die Gastrednerin, öffne den jungen Leuten nach Abschluss der beruflichen Grundbildung viele Türen. «Nutzt diese Chancen, wagt euch aus der Komfortzone heraus und seid offen für neue Erfahrungen!»

Auszeichnungen und Preise

Wie alle Jahre vergaben Schule, der Verband deutschschweizerischer Unternehmen der Uhren- und Mikrotechnik VdU, Sponsoren – namentlich die Firma Ed. Lauper in Biel, die dem ZeitZentrum schon lange Jahre die Stange hält – sowie der Verband der ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Uhrmacherschule VESUS Auszeichnungen und Preise für Bestleistungen. Sechs Vollzeitlernende des ZeitZentrums konnten mit einer über die gesamte Lehrzeit ermittelte Gesamtnote von mindestens 5.0 ein Diplom entgegennehmen, als beste Hanna Rönninger mit 5,42.

Die frischgebackenen Uhrmacherinnen und Uhrmacher der Fachrichtung Industrie und die Uhrmacherinnen der Fachrichtung Rhabillage, welche ihre praktische Ausbildung in Industriebetrieben und Fachgeschäften genossen (vierjährige Lehrgänge), die Uhrmacherinnen und Uhrmacher Produktion (dreijährige Lehre) sowie die Uhrenarbeiter EBA (zweijährige Lehre) aus der ganzen Deutschschweiz, welche den Berufsfachschulunterricht und die überbetrieblichen Kurse am ZeitZentrum in Grenchen besuchten, konnten ihre Zeugnisse und Preise im Rahmen von Feiern ihrer Ausbildungsstätten entgegennehmen.

Die Abschlussfeier am ZeitZentrum klang bei einem gemütlichen Apéro im Freien aus.

Uhrmacher Fachgebiet Rhabillage

Vollzeitschüler ZeitZentrum:

Acquaviva Mattia, Brogle Lena, Burkhart Enea Nicola, Erb Alexander, Fink Nina, Flückiger Laurin, Geller Florin, Markwalder Leon, Ristić Luka, Rönninger Hanna, Spichiger Benjamin, Werlen Wieland, Zundel Fabio

duale Ausbildung:

Egli Lara, Müller Anna Lena

Preis für die beste Lehrabschlussprüfung der Uhrmacher EFZ Schwerpunkt Rhabillage (Vollzeitschüler):  Rönninger Hanna (5.27)

RhabillageVESUS-Preis für die beste Diplomarbeit der Uhrmacher Fachgebiet Rhabillage (1000 Franken): Rönninger Hanna

Die Arbeit von Hanna Rönninger: Mondphase, Graviertes & brüniertes Zifferblatt, Genferstreifen, Sonnenschliff & Perlage, Schrauben poliert

Die Arbeit von Hanna Rönninger: Mondphase, Graviertes & brüniertes Zifferblatt, Genferstreifen, Sonnenschliff & Perlage, Schrauben poliert

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Uhrmacher Fachgebiet industrielle Methode

Eugster Leo (ETA SA), Friedli Julien (Manufacture des Montres Rolex), Nadler Elena Vera (Omega SA), Schaad Pascal (ETA SA), Schlatter Philipp Tatsuro (IWC Schaffhausen), Schmidli Nino (IWC Schaffhausen)

Uhrmacher Produktion

Fuchs Celine (Rado Watch Co. Ltd), Kobel Philipp (Gübelin AG), Nikolic Tijana (ETA SA), Oeggerli Pascal (ETA SA), Peduzzi Nadia (ETA SA), Rey Leroy (Stiftung Battenberg), Zumbach Rahel (ETA SA)

Uhrenarbeiter EBA

Ammann Jeromie (Stiftung Battenberg), Bulut Belen (ETA SA), Cela Shenasie (ETA SA), Dimcic Slobodan (Stiftung Battenberg), Ismail Asad (Stiftung Battenberg), Shehu Elisa (Stiftung Battenberg), Özgür Berivan (Stiftung Battenberg)