Als literarische Verfeinerung der Comics haben die Graphic Novels in den letzten Jahren einen Auftrieb erlebt. Wobei Graphic Novels eben mehr sind als spannende oder «komische» Bildersequenzen. Die Künstler erzählen komplexe Geschichten und sind künstlerische Grenzgänger zwischen Literatur und bildender Kunst.

Mit einer Gruppenausstellung im Künstlerhaus S11 und einer Einzelausstellung in der Galerie ArteSol machen die Solothurner Literaturtage auf die Graphic Novels aufmerksam.

Nicht nur ein Bildroman

Die vier Kunstschaffenden im Künstlerhaus S11 legen schnell mal dar, dass eine Graphic Novel nicht einfach ein illustrierter Bildroman mit Textbeilage ist. Die einen brauchen keine Wörter, ihre Sprache ist die der intensiven Bilder.

Andere setzen auf klassische Sprechblasen, steigern die Zeichnung ins künstlerische Moment oder gewichten Wort und Bild als sich gegenseitig bedingende Kraft. Isabelle Pralong, Genf, nutzt die typische Comicbildsprache verzerrter Gesichter und Körper.

Der feine Strich verdichtet sich zu düsteren Szenen, um sich dann in süffisante Szenen zu lösen. Dialogartige Sprechblasen geben Hinweise auf das Geschehen, dann wieder sind die Bilder in ihren kurzen Sequenzen beredter als jedes Wort. Ihre Geschichte mäandert zwischen mysteriösen, expressiven und anekdotischen Situationen, zwischen real und traumhaft.

Der aus den USA gebürtige und in Zürich lebende Comiczeichner und Illustrator Christophe Badoux zeigt Zeichnungen zum Comic «Klee», ein Auftrag des Zentrums Paul Klee in Bern. Eindrücklich die klare, geometrisierende Linie, die Reduktion der Details und gleichzeitig die Genauigkeit historischer Zeugnisse, spiegeln sie doch über die liebevolle Biografie Klees hinaus ein Stück dramatischer Zeitgeschichte wider.

Daniel Bosshart, Architekt und Comiczeichner aus Winterthur, kommt ganz ohne Worte aus. Er bebildert mit detailgenauen Illustrationen, filmisch verschachtelt zwischen Nahaufnahme, Totale, Vogelperspektive oder in epischer Verdichtung die Geschichte um Krise und Selbsterkenntnis eines Mannes. Dramaturgisch komplex, bleibt dem Leser stets eine eigene Lesart. Auch Matthias Gnehm ist Comiczeichner und Architekt.

Zwischen fiktiver und realer familiärer Geschichte hat der Zürcher für seinen Comic «Der Maler der ewigen Portraitgalerie» Porträts von sich und Fans zu einer eigenwilligen Geschichte zusammengebracht. Weich, beinahe klassisch mit dem Bleistift gezeichnet, liest sich sein Werk mit den angedeuteten Szenen wie ein nostalgischer Familienroman in vielen Bildern und kurzen skurrilen Zitaten.

Frédéric Pajak in der Galerie ArteSol

Der in Lausanne lebende, 1955 in der Nähe von Paris geborene Frédéric Pajak ist Schriftsteller und Zeichner. Aber er ist auch ein Sammler von Geschichten, Gelesenem, Reflektiertem, von Bildern, Historie und Schicksalen.

Seine Texte wie seine Tuschezeichnungen verweben im «Manifeste incertain» eigene Erlebnisse mit Lektüren, philosophischen Gedanken, Zitaten und Beobachtungen. Oder er verknüpft die geografischen und intellektuellen Wege Walter Benjamins mit dramatischen Zeit- und Bildgeschichten.

Die hier gezeigten Tuschezeichnungen, klassisch ausdrucksstark im scharfen Kontrast schwarzer Flächen und fein ziselierter, realistischer Darstellung, basieren auf Fotos, erlebten Szenen wie der Fantasie. Sie bestätigen Frédéric Pajak in ihrem melancholischen Nachklang als sensiblen Erzähler, auch ohne grosse Worte.

Künstlerhaus S11: bis 1. Juni. Geöffnet
während der Literaturtage Sa 14–18 Uhr, So 14–17 Uhr. Danach Do/Fr 16–19 Uhr, Sa/So 14–17 Uhr. Pfingstsonntag geschlossen. Galerie Artesol: Geöffnet während der Literaturtage 11.5. 11.30–18 Uhr, So 12.5. 11–16 Uhr. Danach 15–17. Mai, 14.30–17 Uhr, 18. Mai 11–16 Uhr. Lesung von Frédéric Pajak: So, 12. Mai, 13 Uhr, Palais Besenval.