Oper
Gotthelfs «schwarze Spinne» stand dem Chor als Pate

Der Konzertchor Chores und Solisten führen die Oper «Spinnen» von Peter Roth auf

Gundi Klemm
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Der Konzertchor «Chores» und seine Solisten. Vorne links Projektleiter Fritz von Gunten, Mitte Erich Stoll, künstlerischer Leiter, rechts Regisseur Andreas Rosar.

Der Konzertchor «Chores» und seine Solisten. Vorne links Projektleiter Fritz von Gunten, Mitte Erich Stoll, künstlerischer Leiter, rechts Regisseur Andreas Rosar.

Gundi Klemm

Ihre Vorfreude auf die Uraufführung der Oper «Spinnen» ist allen Mitwirkenden sichtbar im Gesicht geschrieben. Die Chorsätze der Oper – komponiert von Peter Roth, der mit der Toggenburger Passion und dem Oratorium «Juchzed u Singed» weitherum bekannt wurde – sind durch Erich Stoll, den künstlerischen Leiter des Gesamtprojekts, sicher einstudiert.

Uraufführung Oper «Spinnen»

Im Theater National in Bern, Hirschengraben 24, am 7. Nov., 20 Uhr und 8. Nov., 16 Uhr. Vorverkauf: Post, Manor und Coop-City sowie über www.starticket.ch oder Tel. 0900 325 325.

Man spürt, dass die rund 65 Chores-Mitglieder diese auf volkstümlichen Harmonien aufbauenden Kompositionen gerne singen. Stimmlich ist der in den Proben von Monika Nagy (Klavier) begleitete Chor jedenfalls allen Anforderungen gewachsen.

Inzwischen hat unter der Regie von Andreas Rosar, den man in der Region von seiner Arbeit bis 2013 vom Theater Biel Solothurn her kennt, die szenische Ausgestaltung begonnen.

Denn dem durch Chores dargestellten «Volk», den Frauen und Männern, fallen in «Spinnen» wichtige Aufgaben zu. Über die durch sie verkörperte Dramatik der Oper setzen vier Solostimmen künstlerische Leuchtpunkte.

Da ist Christine (Gisela Stoll, Sopran), die das Gewissen der Dorfschaft – ja sogar der Menschheit symbolisiert und sich kämpferisch gegen die heraufziehende Bedrohung einsetzt.

Neben ihr steht die Altistin Astrid Pfarrer, die als Sophie mit weiser Stimme vor gefährlichen Entwicklungen warnt. Das lässt den reichen Schlossbesitzer Augusto Hagen (Eric Förster, Bass-Bariton), der egoistisch an der Durchsetzung seiner Wünsche interessiert ist, gänzlich kalt.

Als wissenschaftsgläubiger Beratertyp soll Dr. Titus T. (Hans-Jürg Rickenbacher, Tenor) für ihn schnelle Lösungen herbeiführen, die nur ein herzloser, kommerzverliebter Bösewicht entwickeln kann.

Alle vier Protagonisten sind im Handlungskonzept holzschnittartig angelegt. Hell und Dunkel soll plastisch erlebbar zu sein. Gotthelfs berühmte Novelle, in der das Volk durch einen Pakt mit dem Teufel ins Verderben gestürzt wird, war Vorbild für Komponist und Librettist Peter Roth. Die textliche Feinbearbeitung nahmen Bruno Leuschner und Erich Stoll vor.

Das Gotthelf-Thema um gewissenlosen Machbarkeitsglauben und menschliche Hybris hat Roth in die Gegenwart gehoben. Der masslose Hans von Stoffel aus «Die schwarze Spinne» mit seiner erzwungenen Schattenallee zum Schloss, ist hier der in Luxus verliebte Augusto Hagen, dem in der häufig von ihrer Mitwelt geschmähten Christine eine Gegnerin erwächst.

Sie überzeugt schliesslich die vielen opportunistischen Mitläufer von der latenten Gefahr. Explizit genannt wird die für unendliche Generationen bestehende Gefährdung durch fehlende Atommüll-Endlagerung nicht, doch jeder im Publikum begreift, um welches, für die Menschheit verheerendes Problem es sich handelt.

Ökonomische Vorteile versus Angst und Erschrecken über die Wirkung auf Mensch und Natur stehen sich erschütternd gegenüber, bis das Volk doch den Weg des Widerstandes wagt.

«Erbsünde ist das, was wir nutzen, ohne die Konsequenzen zu bedenken», erläutert Regisseur Rosar die Stossrichtung dieser Oper, die er als «Schrei aus der Gegenwart» interpretiert, um mit künstlerischen Mitteln die Welt zum Besseren zu wenden.

«Die Uraufführung der Oper‹Spinnen› kommt zum richtigen Zeitpunkt», betont Fritz von Gunten, der sich als Projektleiter diesem Werk verschrieben hat. Die Musik von Peter Roth ist ihm seit fast 20 Jahren vertraut.

Als Präsident des Schweizer Hilfsvereins für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene unterstützt er das Lebensthema seines Gründers. Denn Schweitzer wurde lebenslänglich nicht müde, die Menschheit und ihre politisch Verantwortlichen an die «Ehrfurcht vor dem Leben» zu mahnen.

In zahlreichen Appellen an die Weltöffentlichkeit machte er besonders auf die Gefahren der Atomrüstung für die gesamte Schöpfung aufmerksam. Peter Roth und Fritz von Gunten sind sich darin einig, dass gerade jetzt im Albert-Schweitzer-Gedenkjahr 2015 an die permanente Mitverantwortung aller Menschen erinnert werden muss.

Roth meint, dass seine Oper ein gesellschaftliches Reizthema darstellt. Als Musiker verstärkt er die Aussage im Einsatz des Orchesters, dessen Rolle vom Ensemble Opus aus Bern (Konzertmeisterin Simone Roggen) wahrgenommen wird.

Den Horror-Akzent vermittelt zu Beginn die Ouvertüre, die das Publikum mit dem Einsatz unterschiedlicher Instrumente die existenzielle Bedrohung spüren lässt.

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