Das Prinzip ist einfach: Bis zu 20 Autos fahren mit einer grossen Rundumkamera auf dem Dach durch die Strassen und filmen alles. Was in diesem Moment passiert, wird später ins Netz gestellt und ist dann für alle einsehbar. Mit Google Street View kann also jedermann virtuell durch die Strassen New Yorks, Tokios oder Oensingens flanieren. Bislang eher in den Metropolitanregionen tätig, erfasst Google nun auch die ländlichen Kantone umfassend.

Im Kanton Solothurn sind es vor allem Gemeinden mit mehr als 3000 Einwohnern: Balsthal, Bellach, Bettlach, Biberist, Breitenbach, Derendingen, Dornach, Dulliken, Egerkingen, Erlinsbach, Gerlafingen, Grenchen, Hägendorf, Hofstetten-Flüh, Kappel, Langendorf, Lostorf, Luterbach, Niedergösgen, Oensingen, Olten, Schönenwerd, Selzach, Solothurn, Trimbach, Wangen bei Olten sowie Zuchwil.

Fehlerquote als Bedingung

Im August 2009 wurde Street View in der Schweiz lanciert. Sogleich schaltete sich der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür ein. Nach langem juristischem Hickhack hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass Street View in der Schweiz unter strengen Auflagen filmen darf. Vor der Publikation müssen sämtliche Gesichter und Nummernschilder unkenntlich gemacht werden. Bei sensiblen Einrichtungen wie Schulen, Spitälern oder Bordellen müssen alle und alles vollständig anonymisiert werden. Googles Software dazu darf die festgesetzte Fehlerquote von 1 Prozent nicht überschreiten. Wenn man bedenkt, wie viele Objekte insgesamt gefilmt werden, dann scheint ein Hundertstel immer noch eine beträchtliche Menge zu sein.

Gewiss, nicht jedes unzensierte Gesicht stellt gleich ein Problem dar. Manch einer freut sich wahrscheinlich, wenn er einen Platz in Street View erhält. Und doch gibt es immer wieder Skandale, weil jemand zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gefilmt wurde und die Anonymisierung ungenügend war. Bis eine solche Szene in Street View gemeldet und bereinigt wird, hat sich der Vorfall längst herumgesprochen. Dieses Szenario ist sehr unwahrscheinlich, doch hundertprozentige Anonymität geniesst man nicht. Insbesondere in Dörfern, wo man einander auch mit Zensur erkennt.

Vage Antworten

Google Schweiz hat seine Medienarbeit ausgelagert. Sie wird von der PRfact AG in Zürich vertreten. Dort erhält man zu verschiedenen Fragen vorgefertigte «Copy-Paste»-Antworten. Heiklen Fragen bezüglich Datenschutzes weicht man aus und verweist stattdessen auf die Beliebtheit von Street View in der Schweiz. Bei Nachfragen werden dieselben unpräzisen Antworten einfach wiederholt. So hält man sich effizient Kritik vom Leib.