Mehr als 400'000 Menschen beförderte die Gondelbahn im ersten Betriebsjahr über die zwei Kilometer lange Strecke auf den Solothurner Hausberg. Damit übertraf das Jahr 2015 die kühnsten Erwartungen. Doch wie sehnen die Zahlen 2016, im zweiten vollen Betriebsjahr aus?

«Geschäftlich blicken wir auf ein Jahr, das leicht unter dem Durchschnitt liegt, zurück», heisst es im Geschäftsbericht 2016 der Seilbahn Weissenstein AG (SWAG). Konkret: Die Passagierzahl ging auf rund 300'000 zurück und der Jahresgewinn betrug 320'000 Franken – fast 80'000 Franken weniger als im Vorjahr. Als Hauptgrund nennt die SWAG aber nicht etwa den verpufften Neuheitseffekt der am 20. Dezember 2014 in Betrieb genommenen neuen Gondelbahn, sondern ganz einfach das schlechte Wetter.

Schlitteln sei in den Monaten Januar und Februar schlicht nicht möglich gewesen, was zu substanziellen Ertragsausfällen geführt habe. Dank des wettermässig erfreulichen Herbstes, konnten die schwachen Erträge des ersten Halbjahres jedoch kompensiert werden, heisst es weiter.

Die SWAG scheint von den etwas tieferen Umsatzzahlen nicht sonderlich überrascht zu sein. Im Gegenteil: Es sieht so aus, als dienten sie als Antrieb, neue Kundensegmente anzusprechen. Für den Herbst 2017 ist das Einrichten einer Bike-Strecke vom Weissenstein nach Oberdorf geplant. Wird die Bewilligung dieser Strecke von den Behörden erteilt, werde auch die Vermietung von Trottinetts geprüft.

16 neue Gondeln für Spitzenzeiten

Doch das ist noch nicht alles: In Zusammenhang mit den Ausbauplänen der Hotel Weissenstein AG, zieht man bei der SWAG die Anschaffung von 16 neuen Gondeln (bisher sind es 49) in Erwägung. Laut Geschäftsführer Konrad Stuber würden diese aber nur an den wirklich umsatzstarken Tagen zum Einsatz kommen. Durch die geplante Renovation des Kurhauses und den Neubau der «Trinkhalle» – das Baugesuch soll nächstens eingereicht werden – rechnet die SWAG an Spitzentagen mit bis zu 4500 Besuchern.

Zusammen mit den neuen Gondeln könnten 1200 Personen pro Stunde auf den Berg befördert werden – zurzeit beträgt die Transportkapazität ein Viertel weniger, also 900. Mit diesem Ausbau könnte mühsames Anstehen an der Kasse verhindert – oder zumindest minimiert – werden. Denn die meisten Besucher kommen zwischen 10.30 und 13 Uhr. Ohne die Erhöhung der Transportkapazität zu diesen Spitzenzeiten sei es beinahe unmöglich, ein längeres Anstehen an der Kasse zu verhindern. Die Bewilligung für die Beförderungskapazität von 1200 Personen pro Stunde hat die SWAG jedenfalls schon vor dem Neubau der Bahn erhalten.

Froh über Bahntunnel-Sanierung

«Das sind alles erst Ideen, wir haben noch überhaupt nichts entschieden», betont Konrad Stuber. Grundsätzlich blicke er sehr zuversichtlich in die Zukunft und die Umsetzung dieser Ideen eile überhaupt nicht.

Ein Grund für die Zuversicht ist wohl auch die Tatsache, dass der Weissensteintunnel der Bahnstrecke Solothurn-Moutier, nicht geschlossen wird, sondern saniert werden soll. Damit ist der Weiterbestand dieses wichtigen Zubringers des öffentlichen Verkehrs sichergestellt.

Man darf gespannt bleiben, welche Visionen von den Bahnverantwortlichen tatsächlich umgesetzt werden und welche nicht. Wer beim nächsten Sonntagsausflug in Oberdorf an der Kasse der Talstation anstehen muss, kann sich ja mit Gondeln zählen beschäftigen.