Industrie
Glutz AG will Internationalisierung vorantreiben, ohne die Schweiz aufzugeben

Alexander Bradfisch skizziert als neuer CEO des Solothurner Industrieunternehmens Gluz AG seine Pläne. Er will die Internationalisierung weiter voranzutreiben, ohne den Produktionsstandort Schweiz aufzugeben.

Franz Schaible
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Alexander Bradfisch setzt nicht auf «eine Gewinnmaximierung»

Alexander Bradfisch setzt nicht auf «eine Gewinnmaximierung»

Hanspeter Bärtschi

«Ich will nicht die ganze Firma umkrempeln. Vielmehr will ich das Bestehende erfolgreich weiterentwickeln», sagt Alexander Bradfisch. Der 43-Jährige ist Industriekaufmann und Betriebsökonom, aufgewachsen in Essen und zuletzt tätig beim Grosskonzern Bosch in Stuttgart. Seit Anfang Jahr leitet er die Solothurner Traditionsfirma Glutz AG. Dort tritt er in grosse Fussstapfen, hat doch sein Vorgänger, Peter Riedweg, das Unternehmen innert 20 Jahren zu einem bedeutenden Anbieter im Bereich der Sicherheitstechnik ausgebaut. Diese Aufgabe reize ihn und er gehe sie mit dem nötigen Respekt an.

Das 1863 gegründete Unternehmen ist in vier Geschäftsfeldern tätig: Grösster Umsatzträger ist der Bereich Schlösser und Beschläge, wo Glutz in der Schweiz auf einen Marktanteil von rund 50 Prozent kommt.

Das schnellstwachsende Geschäftsfeld ist aber der Bereich Zutrittskontrolle. Das herkömmliche Schloss wird abgelöst durch intelligente Schliesssysteme, die Elektronik und Mechanik zu einem Ganzen vereinen. Über ein sicheres Funknetz werden die einzelnen Komponenten online vernetzt und gesteuert. Die Identifikation erfolgt wahlweise über RFID Schlüsselanhänger (eine Technologie für Sender-Empfänger-Systeme zum automatischen und berührungslosen Identifizieren), Karte, Code oder in besonderen Fällen über den Fingerabdruck.

Die weiteren Bereiche sind die Manufaktur – hier werden komplette Schlösser und Beschläge in alter Schmiede- und Giesstechnik von Hand gefertigt – und Industriekomponenten mit eigener Stanzerei. Rund ein Fünftel der Industrieteile fliessen in die interne Weiterverarbeitung, der Rest geht an Drittkunden.

Hohe Wertschöpfung als Chance

Genau diese hohe Wertschöpfung unter einem Dach sieht der Firmenleiter als grosse Chance. Glutz biete das gesamte Spektrum an – von der Entwicklung, Engineering über Produktion bis hin zum Verkauf und Vertrieb inklusive Dienstleistungen. Dazu gehört auch die Hard- und Software-Entwicklung für die elektronischen Zutrittssysteme. Dies soll so bleiben. «Das ist eine der Stärken der Unternehmung.» Das lange Bestehen der Firma und der Erfolg zeigten, dass «offenbar bislang nicht so viel falsch gemacht worden ist», meint er lachend.

Industrieller Arbeitsgeber: 300 Arbeitsplätze

Vor 154 Jahren legte Victor Glutz von Blotzheim mit der Gründung der gleichnamigen Schlossfabrik den Grundstein für die inzwischen als Glutz AG auftretende Firma. Noch heute befindet sich der Betrieb am selben Standort. Das Unternehmen gehört mit 300 Angestellten, davon 240 am Hauptsitz in Solothurn, zu den grössten industriellen Arbeitgebern im Grossraum Solothurn. Die Firma befindet sich immer noch im Besitz der Gründerfamilie. Und das soll auch so bleiben, wie der neue CEO Alexander Bradfisch versichert. «Die Glutz AG wird unabhängig bleiben.» (FS)

Dahinter versteckt sich ein Bekenntnis zum Standort Solothurn. Bradfisch verfolgt zwar eine verstärkte Internationalisierung des Unternehmens. «Die Produktion bleibt aber in Solothurn.» Dazu würden derzeit auch hohe Investitionen in die Gebäude, den Maschinenpark und generell in optimierte Fertigungsabläufe getätigt. Ziel sei es, den Vertrieb im Ausland zu stärken. Die bestehenden Märkte in Deutschland, Österreich, Grossbritannien und Singapur für Asien sollen ausgebaut und neue erschlossen werden. Dazu sei geplant, den Verkaufs-Aussendienst – «wir verkaufen beratungsintensive Produkte» – zu stärken.

Exportanteil wird zunehmen

Viel Potenzial ortet der CEO vorab im Geschäftsfeld Zutrittskontrolle. Dort habe Glutz einen Technologievorsprung, «den wir nutzen müssen». Oder anders gesagt: «Wir dürfen nicht austauschbar werden, sondern besser sein als die Mitbewerber.» Um in diesen Nischenmärkten im Ausland bestehen zu können, müsse Glutz Schweizer Qualität verkaufen. Ein Grund mehr, das Know-how und die Fertigung in der Schweiz zu behalten.

Der Exportanteil von derzeit rund 35 Prozent werde zunehmen. Das Potenzial auf dem Schweizer Markt sei beschränkt, nicht zuletzt dank dem bereits sehr hohen Marktanteil. Nach etwas mehr als zwei Monaten im Amt meldet Bradfisch wie für 2016 auch für das laufende Jahr eine positive Geschäftsentwicklung.

«Die Auftragsbücher sind bisher gut gefüllt.»

Wie bereits sein Vorgänger hält er fest: Angesichts des nach wie vor starken Frankens und der teilweisen Abhängigkeit von der sich langsam abflachenden Baukonjunktur bleiben Effizienzsteigerungen und Optimierungen eine Daueraufgabe. Dazu könne er an zwei Stellschrauben drehen: Einerseits die Kosten senken durch Prozessoptimierungen und andererseits den zahlenmässigen Output erhöhen, um tiefere Stückkosten und höhere Marktanteile zu generieren. Was jetzt reflexartig in Richtung Stellenabbau hindeutet, verneint Bradfisch. Vielmehr wolle man wachsen bei gleichbleibendem Personalbestand. Und Glutz verfolge «auch nicht eine Strategie der Gewinnmaximierung». Um die Wachstumsziele zu erreichen und langfristig erfolgreich zu sein, sei man auch bereit, auf kurzfristige Gewinnoptimierung zu verzichten.

Vom Grosskonzern zum KMU

Bradfisch, bis Ende 2016 noch im Ballungsraum Stuttgart tätig, hat sich im beschaulichen Solothurn gut eingelebt, wie er berichtet. Er freue sich, ein anderes Land mit eigener Kultur kennen zu lernen. Auch der Wechsel vom Milliarden-Grosskonzern Bosch zur Firma mit insgesamt rund 300 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 65 Millionen Franken stelle kein Problem dar. Das Unternehmen sei immer noch im Besitz der Gründerfamilie, was für eine stabile Struktur sorge und eben auch das Bekenntnis zum Standort Solothurn untermauere. Bald wird sich der neue Glutz-Chef noch heimischer fühlen: Bis im Sommer wird seine Familie nachziehen.

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