«Würden Sie einem guten Freund eine Stelle in Ihrer Organisation empfehlen?» Immerhin 39 Prozent der Solothurner Staatsangestellten beantworten diese Gewissensfrage mit einem klaren Ja; «eher Ja» sagten weitere 33 Prozent. Dies ist nur eine der Erkenntnisse, die aus der Befragung der Angestellten des Kantons (ohne Spitäler und Volksschulen) resultiert. Im Auftrag des Regierungsrates schrieb die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) letzten Herbst alle knapp 4500 Mitarbeitenden an, 2848 von ihnen – oder 64,4 % – gaben Antworten (bei der letzten Umfrage 2008 waren es nur 50 % gewesen).


Antworten, die den obersten Personalverantwortlichen des Kantons, Finanzdirektor Roland Heim, ebenso erfreuten wie auch Personalamtchef Urs Hammel. Heim sprach am Mittwoch vor den Medien von einem «sehr erfreulichen Resultat», das der Regierungsrat zufrieden zur Kenntnis genommen habe. Dieses, wie auch die sehr hohe, repräsentative Rücklaufquote, «verdienen es, ernst genommen zu werden». Der Regierungsrat wolle auf den Stärken aufbauen und habe bereits erste Massnahmen beschlossen (siehe Kontext).

Nur 1 Prozent ist «überhaupt nicht zufrieden»

Mit stolzen 82 % bezeichnet sich die grosse Mehrheit der beim Kanton Beschäftigten als eher bis sehr zufrieden mit ihrer Arbeitssituation. Für 13 % liegt die Arbeitszufriedenheit mit «teils-teils» im mittleren Bereich. «Eher nicht» zufrieden sind nur 4 %, «überhaupt nicht» zufrieden 1 %.
Im schweizweiten Vergleich sei dieses Ergebnis beachtlich, stellte Studien-Mitautorin Martina Zölch (FHNW) fest. Während laut dem «HR Barometer 2018» schweizweit nur 20 % der Beschäftigten mit ihrer Arbeit zufrieden sind und gleichzeitig weitere Verbesserungen und Veränderungen unterstützten würden (progressive Zufriedenheit), liege dieser Wert im Kanton bei hohen 42 %, so Zölch. Nicht in allen Departementen fühlen sich die Beschäftigten gleich zufrieden: In einer Skala bis 5 öffnet sich bei den Mittelwerten eine Spanne von tiefen 3.95 (Finanzdepartement) bis hohen 4.41 (Bau- und Justizdepartement).

Lohngerechtigkeit: Frauen sehen eher Handlungsbedarf

Unisono schätzten die Befragten den «sicheren Arbeitsplatz» beim Kanton hoch ein. In Sachen Entlöhnung fällt das Urteil der Befragten nüchterner aus als die Gesamtzufriedenheit: Dies trifft insbesondere für den Vergleich mit anderen Arbeitgebern zu.

Laut der Studie vergeben Frauen hinsichtlich Lohntransparenz, Lohngerechtigkeit sowie angemessenem Lohn für die erbrachte Leistung schlechtere Noten. Auch für die Altersgruppe der 20-29-Jährigen treffen die letzten beiden Aspekte in besonderem Masse zu. Führungskräfte bewerten sowohl den Lohn im Vergleich zu anderen Arbeitgebern als auch die Sozialleistungen kritischer und erfahren über den Leistungsbonus zudem eine geringere Wertschätzung.

«Nulltoleranz» gegenüber sexueller Belästigung

Laut der Studie nehmen 122 Personen, mehrheitlich Frauen, sexuelle Belästigung im Arbeitsumfeld wahr: 79 davon von Kantonsangestellten, 39 durch Kunden/Kundinnen verursacht. Von sexueller Belästigung unmittelbar betroffen zu sein, geben insgesamt 11 Personen an, darunter 3 Männer. «Jeder dieser Fälle ist einer zuviel», bestätigt Regierungsrat Heim: «Für den Kanton gilt hier absolute Nulltoleranz. Das Personalamt wird in solchen Fällen die nötigen Konsequenzen ziehen.» Bei der Präsentation der Umfrageergebnisse am Mittwochmorgen sei auch das Kader entsprechend sensibilisiert und motiviert worden. Betroffene sowie Personen, die Kenntnis von Vorfällen haben, müssten sich melden, unterstrich auch Personalamtchef Hammel: In der Verwaltung seien Vertrauenspersonen bestimmt, weitere Anlaufstellen seien der VEL (Verein für Ehe- und Lebensberatung) oder das Personalamt.


«Ausserordentlich gute Noten» erhält der Kanton als Lehrlingsausbildner: Bei einem Index bis 5 erhielten die Ausbildner die Note 4,7. Eine Tatsache, die der Kanton in Zukunft noch gezielter publik machen will.


Ach ja, nicht alle Befragten wollen einem guten Freund ihren Arbeitgeber empfehlen: Die beiden Departemente Volkswirtschaft und Finanzen weisen diesbezüglich die tiefsten Werte aus. Heim: «Wir werden die Ergebnisse in allen Departementen auswerten und wo nötig aktiv werden.»