Seilbahn Weissenstein AG
Gleich zwei Bälle werden an den Heimatschutz zurückgespielt

Die Verantwortlichen für die neue Gondelbahn auf den Solothurner Hausberg hoffen auf einen Baubeginn 2013. Dies trotz der Beschwerde des Schweizer Heimatschutzes, der das Vorhaben weiterhin blockiert.

Wolfgang Wagmann
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Hoffen weiter auf einen Baubeginn 2013: Vize-VR-Präsident Rolf Studer, VR-Präsident Urs Allemann und Projektleiter Johannes Sutter. ww

Hoffen weiter auf einen Baubeginn 2013: Vize-VR-Präsident Rolf Studer, VR-Präsident Urs Allemann und Projektleiter Johannes Sutter. ww

73 Aktionäre, die 93 Prozent des Aktienkapitals vertraten, sorgten im Landhaus für eine ruhige Generalversammlung. Diese sah vor allem die detaillierte Zurückweisung von Vorwürfen, welche die AG ständig durch die Befürworter der alten Sesselbahn zu hören bekommt. «Wir sind nicht schuld am langen Verfahren, genau so wenig trifft es zu, dass unsere Bahn nach dem Oktober 2009 noch länger hätte fahren können», betonte VR-Präsident Urs Allemann für die Seilbahn Weissenstein AG. Verunmöglicht hätte Letzteres etliche Zwischenfälle, darunter das ständige Abstellen der Schalterleitung.

«Die Bahn ist einfach in ein Alter gekommen, in dem es nur noch Probleme gab.» Zur langen Verfahrensdauer meinte Allemann, dass die ständigen Einwendungen durch die Gegnerschaft insgesamt «einen Rattenschwanz von Abklärungen in der Bundesverwaltung» erfordert hätten. Am Gravierendsten sei jedoch das von den Gondelgegnern veranlasste Ausstandsbegehren wegen Befangenheit des Bundesamtes für Verkehr BAV gewesen. «Damit wurde unser Verfahren bis in den Mai 2010 sistiert. Und danach nahm das Bundesamt das Ganze erst nach zwei Monaten wieder auf.»

Das ständige Ersuchen um Akteneinsicht und die notwendigen Stellungnahmen bis hin zu einer völlig unberechtigten Klage wegen angeblicher Beseitigung von Fahrmitteln der alten Bahn im letzten November hätten das Verfahren laufend verzögert und «uns wohl bis eineinhalb Jahre Zeit gekostet.» Dies nur schon bis im Februar, als man mit der Konzessionsvergabe durch das BAV Morgenluft gewittert hatte, ehe der Schweizer Heimatschutz das Projekt ans Bundesverwaltungsgericht weiterzog. Der Heimatschutz habe im Rahmen des Verbandsbeschwerderechts neben Rechten auch Pflichten, so Allemann. «Es stellt sich hier die Frage, ob er damit angemessen umgegangen ist.» Immerhin gebe es auch Positives wie der Rückenwind durch die über 30000 Unterschriften für das Gondelprojekt oder die Unterstützung der Solothurner Parlamentarier in Bern.

Was Zeit und Geld kostet

Die Verzögerungen – die jetzige Beschwerde des Heimatschutzes umfasst 80 Seiten «und auf alles müssen wir eine Antwort geben», so Allemann – kostet die Seilbahn Weissenstein AG nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Vize-VR-Präsident Rolf Studer musste in einem weiteren Geschäftsjahr ohne Bahn einen operativen Verlust von gut 67000 Franken vermelden, der jedoch durch Rückstellungen von über 1,7 Mio. Franken gedeckt sei. Dafür verantwortlich ist auch die Weiterbeschäftigung von Betriebsleiter Konrad Stuber, obwohl dieser den Personalaufwand mit seiner Arbeit bei der Wasserfallenbahn hatte klar verringern können. Auch sind für die neue Bahn inzwischen Planungskosten von über einer Mio. Franken aufgelaufen. Dennoch bleibt das Eigenkapital der AG bei gut 11,9 Mio. Franken.

Projektleiter Johannes Sutter hofft trotz der «Rechtszwängerei» auf einen Baubeginn 2013. Jedenfalls sei man parat, «wenn es losgehen sollte, die entsprechende Bauorganisation ist aufgestellt». Deshalb sei auch die Weiterbeschäftigung von Betriebsleiter Stuber wichtig, denn der Betrieb müsse nach dem positiven Entscheid hochgefahren werden. Und das gehe nur mit einem Fachmann. Fünf Jahre hatte Sutter an der Generalversammlung stets einen Baubeginn im Folgejahr in Aussicht gestellt, wohl auch dank der positiveren Erfahrungen mit «seiner» Wasserfallenbahn in Langenbruck: Die Erteilung der Konzession durch das BAV hatte damals 25 Seiten umfasst und keine Beschwerde nach sich gezogen, das der neuen Weissensteinbahn umfasst bekanntlich 183 Seiten.