Fankult
Girlanden, Highheels und Schweissbänder: Die Marketing-Maschine läuft

Die Vermarktung der WM treibt seltsame Blüten: Es gibt nichts, was es nicht gibt, um seinen Mitmenschen klar zu machen, wer der ultimative Fussball-WM--Fan ist. Wir fragten nach den begehrtesten Fan-Artikeln.

Fränzi Rütti-Saner
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Vom Trikot bis zu Schal und Tschäppu: Der Fan der Schweizer Nati findet in den hiesigen Sportgeschäften, was das Herz begehrt.

Vom Trikot bis zu Schal und Tschäppu: Der Fan der Schweizer Nati findet in den hiesigen Sportgeschäften, was das Herz begehrt.

Hanspeter Bärtschi

Das Angebot reicht über die obligaten Dresses der jeweiligen Lieblingsmannschaft zu Auto-Schmuck-Utensilien wie Rückspiegel-Überzügen oder Radkappen in Nationalfarben. Es gibt aber auch Perücken, Girlanden, Highheels, Schlüsselanhänger, Schweissbänder, Feuerzeug-Überzüge oder gar Kontaktlinsen mit der jeweiligen Nationalflagge für den treuen Fanblick. Doch kommen all die Angebote bei den Fussballfans auch an?

In der hiesigen Sportabteilung eines Grossverteilers ist man zufrieden. «Jetzt läuft nicht mehr so viel, einiges ist auch ausverkauft. Ein paar Wochen vor der WM wollten die Leute mehrheitlich die Schweizer Trikots», sagt die Verkäuferin. «Für Grosse und Kleine.» Albani Sport mit Filialen in Oftringen, Lenzburg und Balsthal verspricht auf seiner Homepage, die Dresses aller WM-Teilnehmer an Lager zu führen. Dino Schaad, stv. Leiter der Filiale Balsthal, sagt: «Bei uns laufen momentan die Trikots von Bosnien-Herzegowina überraschend gut. Zeitweise hatte Adidas Lieferprobleme. Jetzt hats aber wieder.» Dazu seien natürlich die Schweizer Trikots, diejenigen der Italiener, der Spanier und dasjenige von Deutschland sehr begehrt. Nach den tollen Siegen der Holländer natürlich auch das Oranje-Dress. Bisher habe er aber noch nie erlebt, dass jemand Chile oder Iran verlangt hätte.

Toni Albani, Geschäftsführer von Albani Sport präzisiert: «In unserem Online-Shop werden tatsächlich alle 32 Trikots verlangt. Ausser dem «Auswärts»-Trikot des Teams von Costa Rica haben wir auch tatsächlich alle am Lager.» Das Dress der Iraner werde beispielsweise online vorwiegend in die Westschweiz, die Region Genf beordert, erklärt er. «Je nach Spieler und Spielverlauf steigt oder fällt auch die Nachfrage der Trikots.» Heiss begehrt seien beispielsweise diejenigen von Neymar oder Ronaldo. Unnötig eingekauft habe er hingegen das Dress mit dem Namen Ribéry. «Das ist eben unser Geschäftsrisiko». Die WM lebe von Emotionen und Euphorie, «und das spüren wir entsprechend bei der Kundennachfrage», so Albani.

Neben den Trikots bietet Albani-Sport alles, was das Fussballerherz höher schlagen lässt. So beispielsweise die Soccer-Schuhe und den Brazuca-Spielball. Hinter den Fussballschuhen der drei wichtigsten Sportartikelmarken Adidas, Puma und Nike steht ein riesiges Marketing, das sich auch im hiesigen Sportartikelgeschäft niederschlägt. Albani erklärt: «Alle Adidas-Spieler tragen die gesprenkelten Schuhe, ausser Robben, der sich wahrscheinlich im alten Modell viel wohler fühlt. Bei Nike seien es die neonfarbigen Schuhe. Und er verrät: «Achten Sie auf Neymar: Ab den Achtelfinals wird in einem goldenen Schuh spielen», so Albani. Vorausgesetzt, Brasilien ist bis dahin noch im Turnier dabei. Albani sagt: «Bei der WM in Deutschland 2006 war der Hype noch etwas grösser als jetzt. Doch steigert sich erfahrungsgemäss während des Turniers die Nachfrage nach den WM-Artikeln ständig. Vorausgesetzt, die Schweiz bleibt im Turnier.»

Bei Keller Fahnen in Biberist werden in erster Linie Beflaggungen fürs Public Viewing oder den eigenen Garten verlangt. Doch man habe auch einige ausgesuchte Fanartikel im Sortiment, sagt Marketingleiter Andrea Andreotti. So zum Beispiel das Fan-Set fürs Auto. «Verglichen mit dem vergangenen Jahr können wir während der WM mehr Umsatz verbuchen», sagt er vorsichtig. Momentan sei die Nachfrage noch hoch. «Doch es kommen sicher die Tage, wo der Markt gesättigt ist», sagt der Marketingprofi. In erster Linie würden bei ihnen die Fan-Artikel mit dem Schweizer Kreuz verlangt, gefolgt von jenen mit Italien- und Deutschland-Farben. «Gefragt sind die Flaggen jener Länder, in denen der Fankult wichtig ist.»